Vorm Ankommen wird gewarnt:
von
Wildhias
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Vorm Ankommen wird gewarnt:
Aus dem Leben des Außenseiters *
Teil 1
„Das Leben ist ein Punk Rock Song ‚Lust for Life’ vielleicht oder doch ‚Anarchy in the UK’“ dachte sich *, als er das Schulgebäude der Handelsakademie in Richtung seines Autos verlies . Vom imaginären Schlagzeugrhythmus angetrieben meinte er Bäume ausreißen zu können.
War es nicht Wunderbar sie, die Göttliche hatte ihn angesprochen. „Was machst du denn im Sommer so alles?“ hatte sie ihn gefragt, als sie zufällig als Letzte in der Garderobe verblieben waren. Das kam unverhofft. Schon seit über einen Jahr hat er sie schon angehimmelt. Sie klang heimlich still und leise wie eine Göttin verehrt. Lange Zeit davor hatte er gar nichts gespürt, sie war nur eine unter vielen Klassenkameraden. Mitschüler und das pflegen der Gemeinschaft mit ihnen war im allgemeinen nicht seine Stärke. Eine gewisse soziale Schüchternheit erschwerte die Kontakte. Was bei ihm für Altersgenossen allgemein gilt, zählt bei Mädchen doppelt und dreifach, je anziehender er sie fand desto größer wuchs die Barriere und somit seine Hemmung, mit dem Weib, dem mysteriösen und unbekannten Geschöpf, von dessen Wesen nichtmal der große Geistesentdecker Freud nach eigenen Angaben eine Ahnung hatte, normale Gespräche zu führen.
Irgendwann jedoch hatte er begonnen sich für Tatyana zu interessieren. Plötzlich bemerkte * wie perfekt sie eigentlich war: Ihr kastanienbraunes Haar hatte sie zumeist wunderbar liebreizend, und wie er fand, der in solchen Sachen überhaupt keine Ahnung hatte, fabelhaft unzeitgemäß nach hinten abstehend, irgendwie an einen Ponyschwanz erinnernd, gebunden. Mit dieser Frisur und der strengen Anmut ihres Elfengesichts erinnerte sie ihn oft an die orginär weiblich schönen Heldeninnen alter schwarz weiß Filme aus den Vierzigern, damals als die Schönheit noch echt war, lange bevor Botox und Silikon in Hollywood zur Pflicht wurden. An manchen Tagen aber turg sie ihre immense und leicht gelockte Haarpracht jedoch offen und weniger perfekt zurechtfrisiert. So wirkte sie für den heimlichen Schwärmer irgendwie wilder und erdverbundener. Am meisten faszinierten ihn aber, wie bei allen schönen Frauen, die Augen. Haselnussbraun und mandelförmig drückten sie je nach Gemütslage entweder ein magisches inneres Strahlen, dass ihr Lächeln versüßte, aus, oder sie zeugten bei schlechter Laune Tatyanas von einer Geisteshaltung, die sich dem wachsenden Konformitätsdruck der Positiv-Thinking-Gesellschaft gegenüber resistent erwies, was ihn als notorischen Pessimisten genauso wertvoll erschien.
Nun hatte sie also ihn wohlwollend und interessiert angeschaut und ihn nach seinen Sommerplänen gefragt. Da war es ihm auch egal, dass er nichts besonderes vorzuweisen hatte. Auch ihre Pläne teilte sie ihm mit, diverse Jazzfestivals und ähnlich wollte sie besuchen. Alles wird gut! „Natürlich wird nicht alles gut, es wird sich nichts ändern“, dachte er sich.
Zum ersten Mal fand er es schade, dass die Schule, die er als schreckliche Heuchleranstalt im Grunde doch nur verabscheut hatte, nun bald endgültig zu Ende sein würde und er seine Göttin nicht mehr sehen würde. Jetzt war der Eindruck noch frisch und er wird sich den ganzen Tag noch daran erfreuen können. Wohlwissend wie schnelle vergangene Schwärmerein plötzlichverpufft sind sagte ihm seine Vernunft aber, dass die jetzt so kräftig entfachte Herzensglut ohne der leiblichen Präsenz der Angebeteten bald ausgehen und diese immer mehr aus seinen Gedanken und Phantasien weichen würde. 'Umso besser', dachte er sich,nun 'Aber jertzt ist alles super, „Freude schöner Götterfunken Tochter aus Elysium.....“. Er summte die Ode an die Freude, hörte dann aber gleich wieder „I am an Antichrist/ don't know what.I want..“, den Anfang von ‚Anarchy in the UK’ in seinem inneren Ohr.: „Ich habe noch drei Wochen wer weiß was noch passiert“, dachte er sich voll des Übermuts, musste aber anschließend selbst über seine übermütigen Phantastereien lachen. Jedenfalls freute sich *, dass er bis zur Matura noch ein paar Termine des Leistungskurses Geschichte, den er allein mit ihr und seinem Freund Albert besuchte, vor sich hatte, als er frohgemut ins Auto einstieg.
Nachdem er das Schulgelände verlassen hatte und sich seiner guten Stimmung erfreute, bemerkte er im Rückspiegel, dass Fotzi direkt hinter ihm fuhr. Fotzi heißt in Wahrheit Markus Fotzinger und ging in die selbe Klasse wie *. Eigentlich hat er seinen sympathischen Rock N’ Roll Mitstreiter stehts gemocht, auch wenn er manchmal etwas Zweideutiges und Unernstes an ihm wahrzunehmen glaubte. Er wusste zuweilen nicht genau woran er mit Fotzi war und was dieser wirklich dachte. Einen Groll oder derartiges hatte er aber nie gegen seinen Klassenkameraden gehegt.
Nachdem sein Hintermann links abbog gedachte * eines Erlebnisses am Anfang ihrer beider Schulzeit als die ganze Institution der Handelsakademie Steyr noch unbekannt und bedrohlich wirkte, und man noch nicht begreifen konnte wie lächerlich alles im Grunde doch ist. Noch dazu kam die Tatsache, dass er aufgrund eines Sportunfalls während der Ferien ein Gipsbein tragen musste und damit erheblich behindert war. Er hatte sich im Gebäude etwas verlaufen und war seiner Klasse auf den Weg zum Biologie Saal abhanden gekommen. Die Lehrerin, die auf seinen Zustand Rücksicht nahm, hatte Fotzi losgeschickt um ihm zu helfen. Mit seiner extralangen Heavy-Metal-Mähne schien * der junge Erstklassler sodann wie ein bartloser Jesus, der gekommen war um sein verlorenes Schäfchen zurück zur Herde zu bringen. Schon damals war er sich im unklaren, ob er Fotzis Lächeln als wohlwollende Güte oder subtile Verarschung einer dubiosen Mesias Figur deuten sollte. Seit damals sind nun fast fünf Jahre vergangen, die beiden sind zwar keine dicken Freunde geworden, aber sie haben das ein oder andere anregende „Fachgespräch“ über Musik, Filme und ähnliches geführt. Er wusste Fotzi also zu schätzen, vor allem seit dem Tag als dieser das mit Klassenzimme mit einer 40-Licks CD, die er dann in der Mittagspause laufen ließ, betreten hat. Das Rolling-Stones-Fan-Herz mochte Piruetten schlagen.
Seit geraumer Zeit aber vergiftete der Stachel eines neuen Misstrauens seine Sympathie für den Rock N’ Roll Leidgenossen. * dachte an die ominösen Pool Parties welche seit diesem Sommer in Fotzis Garten in Bad Hall feucht und fröhlich stattzufinden pflegten, und welche bei vielen Mädchen seiner Klasse, u. a. bei seiner Angebeteten, sehr beliebt waren. Weder wurde * dazu eingeladen, noch hätte er eine solche Einladung wahrgenommen, irgend eine Ausrede hätte er schon gefunden, er war einfach nicht der Typ für solch hemmungslosen „Spaß“ und das war allzu offensichtlich. Er verachtete diese hemmungs-und sinnlosen ‚Saufen weil jung und dumm’ Orgien. Naturgemäß hatte er aber, wenn man das ganze von einer anderen Seite betrachtet, auch einfach nur Angst davor. Auf einen dieser Trinkfeiern also soll Fotzi, so hatte er es jedenfalls vor einer Woche
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