Voyeur
von
Coobs
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Voyeur
„Seit Stunden sitze ich hier schon und beobachte, wie du telefonierst. Warum brauchst du immer so lang? Ich weiß noch, wie wir uns kennen gelernt hatten: Du hattest gerade telefoniert und dann ist dein Geld heruntergefallen. Du standest damals an demselben Telefon in diesem Café. Ich hob dein Geld auf und gab es dir zurück, unsere Hände berührten sich nur flüchtig, doch kam es mir vor wie eine Ewigkeit. Wir kamen sofort ins Gespräch: Du sagtest „Danke!“ und „Hallo!“. Du warst so nett. Und nun sind wir schon seit vier Monaten und drei Tagen ein Paar. Ich liebe dich und du liebst mich. Ich finde es schön, wenn du mit deinen Händen durch dein Haar fährst so wie jetzt. Und ich finde es schön, wenn du so naiv lächelst, wenn du gerade gelacht hast. Wie du da stehst: aufreizend und provozierend. Du tust es schon wieder: Du sprichst mit diesem Typen. Du weißt, dass mich das nervös macht. Komm, werf mir einen Kuss zu, damit ich weiß, dass du mich nicht betrügst. Wieso wirfst du mir keinen Kuss zu, es würde jetzt so gut tun. Du telefonierst immer noch. Ich bestelle mir noch einen Kaffee. Die Kellnerin sieht nett aus, aber sie ist nicht annähernd so schön wie du. Denn du bist meine „Große Liebe“. Du hängst endlich den Hörer in die Angel. Es geht doch! Was tust du nun? Du gehst zum WC! Wieso tust du mir das an, ich will dich endlich bei mir haben. Na gut, ich komme.“ Ich stehe auf und gehe zu dir. Ich mache die Tür zum Damen-WC auf. „Ich sehe wie du dich schminkst. Für mich? Dein schönes Gesicht vor dem Spiegel. „Komm, Tini! Komm, wir müssen gehen!“ Du willst aber nicht. Du sagst: „Wer sind Sie?“ und „Was machen Sie hier?“. Tu nicht so, du weißt doch ganz genau, wer ich bin. Ich bin immer bei dir: Tags, wenn du gehst und nachts, wenn du schläfst. Ich sehe dich immer, wenn es mir beliebt. Ich muss dich sehen und jetzt auch fühlen. Ich will deine Haut an meiner spüren. Gib mir, was ich haben will! Du sagst nur: „Sie spinnen doch!“. Du bist so unsicher. Da ist wieder dieses Lächeln, das ich an dir so mag. Nein, du machst das falsch! Mach es richtig! Komm, schon! Warum wirst du jetzt grob? Ich liebe dich doch! Gib mir, was ich haben will! Warum wehrst du dich? Oh nein, jetzt ist es passiert! Du liegst am Boden, Blut rinnt aus deinem Kopf. Ich nehme dich mit, dann werden wir für immer zusammen sein.“
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