Wächter
von
Alucard
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Ich stehe hier. Endlose Meilen trennen uns. Ich stehe hier und warte. Warte und wache. Nie werde ich diesen Posten verlassen. Die Grenzmauer muss bewacht werden. Ich stehe vor dem verschlossenen Tor und niemand wird jemals hindurchgehen, solange ich dort wache. Ich werde lange wachen, endlos lange. Was ist hinter dem verschlossenen Eisentor? Ich weiß es nicht. Es hat mich nicht zu interessieren. Ich muss nur warten und wachen, bis ans Ende der Zeit oder bis meine Wachperiode beendet ist. Das kann jedoch dauern. Niemand vermisst mich. Seit ich rekrutiert wurde, um dieses eiserne Tor zu bewachen, kam für mich nie eine Taube mit Nachricht von meiner Familie oder von meinen alten Freuden aus Kindertagen.
Ich stehe alleine hier, in einer Wüste. Ödes Land. Nichts ist in der Entfernung auszumachen außer Staub und Sand. Nur die riesige Steinmauer mit dem eisernen Tor türmt sich hinter mir auf. Das Metall strahlt eine beißende Kälte aus, doch ich verharre an meinem Platz und wache. Tage, Wochen, Monate, Jahre. Ich habe aufgehört zu zählen. Es hat keinen Sinn. Jeder Tag ist wie der vorhergehende und jede Nacht ist kälter und einsamer als die davor. Doch ich warte und wache.
Einmal geschah es, dass ein Bettelmönch zu der Mauer kam. Er flehte, hindurch gelassen zu werden, in den Garten, hinter der Mauer. Ich schwieg und verschränkte die Arme vor der Brust.
Meine onyxschwarze Rüstung schimmerte in der Sonne und mein Gesicht verriet ihm, dass er nicht hindurch gehen würde.
Betrübt blickte der Wandernde mich an und schüttelte den Kopf: „Du wirst ewig vor dieser Grenzmauer stehen und das Leben bleibt für dich verschlossen, wie für mich der Garten hinter dem Steinwall.“
Der Bettler wandte sich um und ging langsamen Schrittes Richtung Horizont. Ich blickte ihm nach, bis er nicht mehr auszumachen war. Eine einzelne Träne löste sich aus meinen haselnussbraunen Augen und tropfte auf den Wüstensand.
Es dauerte nicht lange und sie war verdunstet.
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Kommentare
Alucard schrieb am 2008-02-04 18:31:59:
danke euch...
Anariel schrieb am 2008-02-02 19:38:54:
Hallo Alucard,
Schön wieder mal etwas von dir zu lesen. Zur Geschichte, wieder einmal eine dieser kurzen Geschichten, die mehr Fragen aufwerfen,als beantworten. Lässt viel Raum für eigene Gedanken. Sehr schön geschrieben.
Mit lieben Grüßen
Anariel
Aruun schrieb am 2008-02-02 19:31:34:
Diese Ruhe, die Einsamkeit, die Leere - es ist, als ob man direkt neben dem Wächter steht und alles selbst sieht und fühlt. Am meisten gefällt mir der Schluss
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