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Kategorien > Gewalt und Mord > Verzweiflung

War es wirklich das was wir wollten?

von sina franke

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War es wirklich das, was wir wollten?


War es wirklich das, was wir wollten?
Hätten wir es ändern wollen, wenn wir gewusst hätten, was wir taten?
Ich bin ehrlich und sage nein. Auch wenn sich alles gegen uns gestellt hätte, wäre es dazu gekommen. Vielleicht noch schlimmer. Vielleicht noch brutaler.

Es war der Abend, als sich die nackten Mauern schon zum Schlafen legten. Die dunklen Fenster sahen verloren und einsam aus. Jedes Fenster, mit seiner eigenen unwirklichen Geschichte.
Früher haben bestimmt viele Leute mit vielen Geheimnisen aus ihnen herausgeschaut. Leute, die im Grunde gleich waren. Nämlich wie wir. Hier in diesem Viertel, zu dieser Zeit waren wir alle gleich. Bis auf die, die ungleich waren. Sie waren nichts. Ein Häufchen Dreck in unseren Augen, ein Häufchen Elend in ihren Augen. Sie wussten genauso gut wie wir, wie schlecht sie waren, wie schlecht sie dran waren.
Natürlich, es war ja auch kein Geheimnis: Mann erkannte sie ja schon vom weitem. Die Anderen. Die Komischen. Die Neuen.

Hatten wir nur Angst vor dem Neuen, oder Angst davor, was uns das Neue brachte? Warum waren sie hier? Hätten sie sich nicht denken können, was sie hier erwartet? Das es ihnen nicht besser ergehen würde als all den anderen, die vor ihnen, lange vor ihnen, hier waren? Sie sind selbst dran schuld, höre ich ihn noch sagen, bevor er abgeführt wird. Vor meinen Augen. Ich liebe dich, höre ich mich schreien. Mein Gesicht Blut verschmiert. Nicht mein Blut, nicht sein Blut.
Und ich sehe das Häufchen dort liegen. Das Häufchen Dreck in meinen Augen. Nur in meinen Augen.
Sie hält mir die Hand. Sie wartet, dass sie abgeholt wird. Weg von diesem Häufchen. Weg von all den Lichtern und Sirenen.
„Du weißt, dass wir das nur für uns getan haben. Du weißt, dass du das nicht vergessen darfst, was du hier gesehen hast.“, zische ich ihr zu.
Sie nickt und während ich das sage, versuche ich es schon zu vergessen. Ich versuche zu vergessen, wie er auf ihn einschlug. Immer und immer wieder. Wie er rief: „Wir haben die drecks Sau. Wir haben sie endlich. Jetzt wird er für all seine Leute büßen.“
Ich starre zu den Fenstern hinauf um nicht sehen zu müssen was geschieht, obwohl ich selbst immer damit prahlte, es selbst einmal zu tun. Doch jetzt schreit er mich an: „Was machst du? Steh da nicht so faul rum. Helfe mir. Ich mach das doch nur für dich!“
Ich mach das doch nur für dich, ja, das tat er. Ich trat paar Schritte auf sie zu, holte wie in Trance einen Gegenstand aus meiner Hosentasche und beugte mich über den Winselnden
„Ihr wollt es doch so!“, höre ich mich schreien. „Warum seid ihr sonst hier? Ihr wollt es doch so.“. Und in meiner unglaublichen Wut auf mich selbst steche ich immer wieder zu. Ins Gesicht in den Bauch in den Rücken. Ich kann nicht mehr aufhören, angespornt von dem jubelnden Geschrei.
„So ist es richtig mach weiter so! Immer weiter auf das Schwein.“

Noch immer höre ich das Tosen in den Ohren.
Keiner zog mich weg. Keiner kam zur Vernunft und schrie: „Lass das!“
Keiner tat etwas für das arme Schwein unter mir, welches es doch verdient hatte. Er hatte es verdient! Immer wieder murmele ich es mir vor. Er hat es verdient. Und ich werde das bekommen, was ich verdiene.

Ich stehe immer noch über ihm. Das Messer in der Hand, die mir langsam weh tut. Das Winseln wurde zu einem Schreien und dann nur noch zu einem leisen, kläglichen Wimmern. Auch das hörte bald auf. Er zuckte noch einmal kurz und dann war es still. Stille. Ewige, erdrückende Stille die meine Gedanken in einen Bann zog. Kein anspornendes Geschrei, kein Wimmern und Winseln des Häufchens. Nichts.
Nur ich, allein auf dem Gehsteig hinter den verschlafenen Mauern, die nun, von dem Geschrei geweckt wurden.
Und mit dem Erwachen der Mauern, erwachte auch mein Verstand.

Nun steh ich hier, triefend vor Blut, und vergrabe meine Hände in den Hosentaschen. Sie steht neben mir. „Jetzt bist du auch bei uns aufgenommen. Du hast es geschafft. Jetzt darfst du mit uns zusammen sein. Du bist jetzt auch ein Kamerad“

War es wirklich das, was ich wollte? Ich schaute noch einmal auf den Platz wo er eben noch lag. Zusammengekrümmt und hilflos. Kalt und steif.
„Er hatte es verdient.“, zischt sie mir zu und drückt verstärkend und aufmunternd meine Hand.
Ich schüttle den Kopf.
„Nein, er hat verdient zu leben. Genau wie wir. Er ist kein Stück Dreck Er war doch auch nur ein Kind. So wie du und ich.“
Tränen laufen über meine Wangen. So jetzt hab ich das getan, was ich wollte, und weiß nun, dass es nicht das war, was ich wollte, sondern das, was die andern wollten.
Jetzt ist es zu spät. „Sei froh, du hast ihn kalt gemacht. Ich versteh dich nicht. Das war doch immer das, was du wolltest. Hör auf zu flennen. Wir haben dich jetzt aufgenommen. Sei dankbar und zeige Stärke. Sonst ergeht es dir wie dem Schwein.“
Mit diesen eiskalten Worten lässt sie mich stehen. Es ist kühl und ich friere. Aber ich zittere nicht vor Kälte sonder vor Angst. Angst vor mir.

Wir haben alle verdient zu leben. Wir sind alle gleich in den Augen anderer. Niemand ist besser, niemand ist schlechter.
Was, wenn mir diese Erkenntnis einen Tag vorher gekommen wäre? Würde ich dann nun auch hier stehen, mit Tränen in den Augen und um ein Schwein weinen müssen?

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Kommentare

Johannes Beck schrieb am 2007-12-05 14:59:34:
Spätestens jetzt hast (das ist die dritte Geschichte, die ich von dir heute lese), dass ich mir noch alle durchlesen werden. Wahnsinn. Wieder so allgegenwärtig und packend...
da fehlen mir echt die Worte.
Weiter so, werde alles von dir lesen :-)

lg jo
Freedom schrieb am 2007-08-28 00:03:26:
also...manmanman ^^ mich hat die geschcihte irgendwie gepackt. und geschockt....übel....aber die passt wohl wirklich in die heutige zeit..auch wenn das keiner so sehen will. ich finde zwar auch, dass man manchmal nicht sicher war, um was es geht, doch dennoch finde ich die geschichte wirklich gelungen. auch am anfang. dass alle irgendwie gleich sind. und jeder seine geheimnise hat. mit den fenstern und so. wirklich gut.
grüße freedom
sina franke schrieb am 2007-06-05 20:49:41:
ich danke euch. nur, dass ich es wollt, dass man nicht gleich alles versteht... man sollte schon ein bisschen nachdenken. das versuche ich in vielen meiner geschichten. der leser, wenn er sich entscheidet ein werk von mir zu lesen, sollte auch en bisschen nachdenken *g*
trotzdem vielen danke für euer kommentar
liebe grüße sina
Maybe schrieb am 2007-05-29 14:55:24:
Ich finde die Geschichte und vorallem den Hintergedanken ( ich hoffe ich habe das ganze richtig aufgefasst) gut. Es passt zu der heutigen Zeit , in der man manchmal wirklich cniht mehr weiß, warum man etwas jetzt tut. Für sich oder für die anderen . allerdings muss ich mitzi auch ein wenig recht geben. das Verständnis hätte besserbsein können, aber trotzdem respekt. du hast die gefühle super zum ausdruck gebarcht .

LG Maybe
Mitzi schrieb am 2007-04-26 14:28:08:
Sry aber die geschichte hätte besser sein können.Oft versteht man die Geschichte nicht, dass solltest du ändern.
cryptic misery schrieb am 2007-04-02 21:01:53:
Ich finde die Geschichte nicht schlecht. (was so viel wie gut heißt) Eigentlich wollte ich sie nicht lesen, aber ich kenne dsa Gefühl wie es ist wenn niemand komentiert. Also dacht ich mir les ich mal die ersten Sätze und fand es so gut das ich weiterlas.

lg und schreib weiter
cryptic misery
Jules schrieb am 2007-03-25 16:00:10:
Ich bin zutiefst beeindruckt!
Dieses Stück ist dir super gelungen, weiter so!!
lg Jules

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