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Kategorien > Gedanken > Erinnerungen

Warmer Sommerregen

von Birdy

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Amy saß auf der Veranda und beobachtete die Glühwürmchen, die im Garten um das Windlicht schwirrten. Auf ihrem Schoß lag ein dickes Buch, von dem sie bislang nur 20 Seiten gelesen hatte.....70 hatte sie noch vor sich. Sie hatte vorgehabt bis zum Abend fertig zu sein...jetzt war es mittlerweile kurz nach Mitternacht.
Immer wieder waren ihre Gedanken abgeschweift und jetzt saß sie hier im Licht der dämmrigen Verandalampen.
Amy liebte es, nachts wach zu sein...es war die einzige Zeit des Tages, an dem wirklich niemand etwas von ihr wollte...keine Fragen, keine Aufträge, keine Termine. Sie versuchte stets, sich dieses Zeit schlicht zum „Träumen“ zu bewahren....oder zum schreiben...oder einfach dazu, Musik zu hören und nachzudenken.

Es hatte Zeiten gegeben, zu denen dies ohne weiteres möglich gewesen war. Doch nun musste Amy feststellen, dass meist etwas anderes ihre Aufmerksamkeit verlangte...eine Klausur, die am nächsten Tag anstand...oder eines der andern „Erwachsenen-Dinge“, die einen mit 23 nunmal in Anspruch nahmen. Amy hasste das...war das wirklich die Art von Leben, das sie führen wollte? Gab es denn nicht eine Alternative?
Amy seufzte, klappte das Buch zu und legte es auf den hölzernen Tisch neben dem alten Schaukelstuhl, auf dem sie saß.
Wie konnte es nur passieren, dass das eingetreten war, was sie nie wollte? Wann war sie erwachsen geworden, ohne es zu merken?
Amy erinnerte sich an jenen Abend vor wenigen Jahren, als sie mit einigen Freunden des Nachts am Lagerfeuer gesessen hatte und gesagt hatte „Ich werde nur älter werden...aber niemals erwachsen!“

Es war einfach alles so einfach gewesen. Keine Entscheidung war wirklich von Belang gewesen, denn sie war ja jung...die wichtigsten Fragen drehten sich um die Fächer, die sie an der Schule belegen sollte.
Ja, das hatte zu Amy gepasst....ihr hatte es nie gereicht, wenn alle Türen noch offen standen...zusätzlich mussten die Fenster sperrangelweit auf stehen.... „A whole world to see...all the roads to travel!“
Und jetzt schien alles darum zu gehen, welche Noten sie am Ende des Sommers vorzeigen konnte...das war so gar nicht „Amy“!

Ein kühler Wind zog auf und Amy blickte zum Himmel...die Wolken bedeckten die Sterne und ließen nur ein schmales gleißendes Licht zu, dass der Mond noch auf die Veranda warf. Erste Regetropfen prasselten hinab zur Erde, trafen auf den roten Staub der ungepflasterten Straße, das trockene Gras im Vorgarten, die hölzernen Stufen der Veranda.

Amy schloss die Augen und atmete tief ein...sie liebte den Duft von Sommerregen, der nach einem heißen Sommertag die Erde abkühlte. Das Windlicht erlosch unter dem stärker werdenden Regen, die Gräser bewegten sich im Wind und frische, kühle Luft erfüllte die Nacht. Es war, als hätte sich mit einem Mal ein Schleier über die Welt gelegt, der alle Geräusche ausschloss, außer das Geräusch des fallenden Regens und das Rauschen des Windes in den Bäumen.
Es war plötzlich sehr kühl geworden und Amy verschränkte die Arme vor ihrem Körper. Für einen Moment dachte sie, dass es wohl besser sein, ins Haus zu gehen..
Doch da überkam sie mit einem Mal die Erinnerung an einen Sommerregen vor nunmehr über sechs Jahren...

- - - - - - Sie und Josh waren auf dem Heimweg vom See...Amy hatte wie immer ihre Schuhe ausgezogen und trug diese in der linken Hand – die rechte fest umschlossen von Josh’s Hand. Sie hatte einen blauen Jeansrock getragen und ein rotes Spitzen-Top. - - - - - - - -- -

Unweigerlich griff sich Amy ins Haar beim Gedanken an ihren schwarzen Cowboyhut von damals...

- - - - - --Josh trug stets einen in dunkelbraun. Er hatte sie unter seinem Hut angesehen und gelacht, wann immer sie ihre Schuhe ausgezogen hatte. „One day, you will step rigtht into some bee and regret it...!“
Aber Amy liebte das Gefühl von frischem Gras unter ihren Füßen…oder das Gefühl der trockenen Erde des Feldwegs unter ihren Fußsohlen... sie fühlte sich so lebendig.
Es hatte damals wie aus Eimern gegossen und Josh hatte versucht sie zu überreden, sich doch irgendwo unterzustellen. Aber es war so ein schönes Gefühl gewesen...der kühle Regen auf der heißen Haut. „It’s just a summerrain and not even cold!“ hatte sie gesagt „and if we were to seek shelter somewhere, God would have waited for uns to reach home!“
Daraufhin hatte Josh sie in seine Arme gezogen, und sie geküsst mitten im strömenden Regen “Amy, I love the way, you see the world…just like everything’s meant to be!” – “A slight rain-shower won’t spoil an awesome day… it just makes it easier to remember!”hatte sie geantwortet.
Hand in Hand waren sie nach Hause gegangen...barfuß im Regen. Vorbei an schier endlosen Weiden und Koppeln und Kirschbäumen, die sich im Wind bogen....- - - - - --

Und Amy sollte Recht behalten: es machte den Tag um so erinnerungswürdiger.
Amy zog ihre Schuhe vom Fuß, erhob sich aus dem Schaukelstuhl und stieg die hölzernen Stufen der Veranda herunter...sie schloss die Augen, als ihre nackten Füße das nasse und doch noch warme Gras berührten.
Sie streckte die Hände aus und ließ den warmen Regen auf ihre Arme prasseln..“A slight rain-shower won’t spoil an awesome day!“

Sie fühlte sich wieder wie 17 und schob all die Verantwortung für einen Moment beiseite...wie konnte sie erwachsen geworden sein, wenn sie sich noch so fühlen konnte wie vor 6 Jahren?
Sie war froh, endlich wieder zu „fühlen“...nicht zu denken, nur zu fühlen.....warmer Sommerregen, der die Haut berührt und allen Stress für eine Weile beiseite „wäscht“... “....like everything’s meant to be!“

Amy kramte in ihren Erinnerungen, während sie dort im Regen stand…und sie erinnerte sich daran, wie der Tag damals geendet hatte im Sommer....

- - - - - -- - völlig durchnässt hatten sie und Josh auf der Veranda gestanden, Hand in Hand, und sich einfach nur angesehen.. „Josh, can you tell me for now, this is never gonna end…?” Amy hatte gewusst, dass sie bald würde gehen müssen – für immer. Und doch wollte sie hören, dass dieses Gefühl niemals enden würde...dass die Zeit einfach angehalten werden konnte, wenn man nur fest genug daran glaubte...
„It will only end, when you let it end....it will end, when you stop thinking about it!“. - - - - - - -- -


Als Amy nach einer Weile ins Haus ging, fühlte sie sich besser….sie hatte noch immer eine Klausur zu schreiben am nächsten Tag…aber es war nicht das wichtigste!
Sie stellte fest, dass noch immer alle Türen offen standen, solang sie sich von Zeit zu Zeit erlaubte daran zu denken...zurückzukehren in die Zeit, in der alles so sorgenfrei und unbeschwert war...und zu wissen, dass diese Zeit erst dann enden würde, wenn sie es zulassen würde.
Und außerdem gab es da draußen noch immer eine ganze Welt zu sehen....so viele Straßen zu bereisen....sie konnte nicht wissen, was das Leben noch für sie bereit hielt....die Türen und Fenster standen noch immer sperrangelweit offen....

Als sie die Treppe zu ihrem Schlafzimmer hinaufging, hinterließ sie nasse Fußabdrücke auf

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Kommentare

TJ Omar schrieb am 2008-11-15 22:19:14:
Das ist eine echt schöne Geschichte. Schön ruhig. Man sollte wirklich mal von ab und zu Zeit nehmen und sich an schöne Sachen erinnern, von dem alltäglichen Stress wegkommen und mal wieder jung und sorgenfrei zu sein.
Mach weiter so, hör nicht auf so zu schreiben.

MfG TJ Omar
Fuhrmi schrieb am 2008-03-11 19:14:04:
Die Geschichte war wirklich schön!!
Ich hab mich richtig angesprochen gefühlt, denn mir gehts zur Zeit echt genauso wie Amy...soviel zu tun und zu denken und das Fühlen des Augenblickes bleibt auf der Strecke...
Gut zu wissen, dass es wohl doch gar nicht so ungewöhnlich ist, sich dann inmitten der Verantwortung in das eigene Träumen zu retten... :-)
Danke!
La Luna schrieb am 2008-03-10 21:32:37:
Kann mich nur anschließen. Ich finde die Geschichte auch wunderschön. Und die Verbindung der zwei Sprachen ist gut gelungen. Nur das mit dem .... solltest du dir wirklich noch abgewöhnen.
Denise Rüegg. schrieb am 2008-03-10 16:54:03:
Diese Geschichte ist einfach wunderschön!
Da ich aber nicht besonders gut aufpasse in der Schule, habe ich das Geschprochene nicht verstanden...
Ansonsten prima!
Mach weiter so!
Lg Denise
Birdy schrieb am 2008-03-10 15:33:30:
Die Geschichte basiert auf einer Erinnerung. Und es war für mich authentischer, wenn die Sprache beibehalten wird.
Aber es stimmt: würde sich sonst besser lesen. Und das mit den Punkten versuch ich mir schon ewig abzugewöhnen...;-)
Jess schrieb am 2008-03-10 13:37:24:
Es liest sich wirklich sehr gut.
nur ich denke, dass die wörtliche rede auf englisch den lesefluss etwas behindert, genau wie das häufige setzen von punkten (.....). Warum ist die wörtliche rede nicht auf deutsch?
Nessie schrieb am 2008-03-09 17:51:58:
Ich finde die Geschichte wirklich schön und man kann sich das alles sehr gut vorstellen!

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