Warum hast du mich nicht nach Hause gebracht?
von
sina franke
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Die Augen sind rot und geschwollen, doch sie sind trocken. Wieder. Für immer? Der Kopf brummt, es hämmert in ihm. Schmerzen einer verlorenen Nacht. Und doch ist er leer. Keine Gedanken, keine Gefühle. Alles leer. Wie tot.
Und doch wartete ich auf die Gedanken, die mir endlich erklären sollen, was jetzt ist, ohne dass sich die Augen wieder mit endlosen Tränen füllen und auf die glühenden Wangen tropfen; in nimmersatter Qual.
Ich quäle mich, könnte ich es doch einfach hinnehmen. Versuchen damit klarzukommen. Und ich bin nicht mehr von dieser Welt. Mit einem Satz, mit einem Wort hatte sich alles geändert. Eine Welt ist für uns alle zusammengebrochen, dass, was man immer nur von anderen hört, ist bei uns, bei mir, geschehen. Und ich halte die Gewissheit nicht aus, dass es wirklich passiert ist.
Ich hätte es tun sollen. Ich hätte dich an die Hand nehmen sollen. Ich hätte mein Bier hinstellen und dich begleiten müssen. Aber ich tat es nicht. Gott, warum tat ich es nicht. Ist das meine Strafe? Ist das eine von den Strafen, die jeder von uns auferlegt bekommt? Soll es mein Leben von nun an anders gestalten? Aber es war doch so schön. Wie kannst du mir das antun? Wie kannst du mir antun einen anderen Weg zu gehen, als den, den ich wollte. Den ich mir selbst ausgesucht habe?
Jetzt steh ich in einer Sackgasse und zerfließe in meinen Schuldgefühlen. Verdammt!!! Wenn ich doch nur… hätte ich nur nicht, all diese Floskeln helfen mir jetzt auch nicht mehr weiter. All die verlorenen Worte, die ich dir noch gerne gesagt hätte, die ich dir sagen wollte. Die in meinem Herzen standen und warteten. Nun für immer warten. Für immer eingesperrt. Für immer ungesagt bleiben.
Er hat dich mir einfach genommen, und die Gewissheit bring mich um, die Gewissheit, dass es dazu niemals gekommen wäre, wenn ich dich in der Dunkelheit beschützt hätte. Wenn du nicht hilflos und ängstlich den Weg nach Hause gelaufen wärst. Wenn ich nur einmal als erstes an dich gedacht hätte, statt mit meinen Freunden weiter zu trinken. Wenn ich an dich, meine zerbrechliche, scheue Freundin, gedacht hätte. Ich bin doch sonst auch ein Mann.
Wo hat er dich wohl eingeholt. War es einfach für ihn dich mitzunehmen in eine dunkle Gasse, wie diese hier? War es diese Gasse in der er dich gefunden hat? War es diese Gasse in der er sich an dir vergangen hat? Es ist zu spät… Ich habe einen Fehler begangen, den ich mir nie verzeihen und den ich nie wieder gut machen kann.
Ich spüre deine kleine Hand in der meinen, spüre deinen feuchten Atem, wenn du morgens neben mir aufwachst. Sehe deine unglaublich schönen Augen. Augen, die so tief sind, dass man meint in ihnen zu versinken. Ich schließe die Augen und... Deine Leiche auf dem Tisch. Deine Leiche, die nicht mehr feucht atmet, deine kleinen Hände die nicht mehr warm in der meinen liegen. Deine leblosen Augen, die mir sagen wollen, warum hast du mich nicht nach Hause gebracht?
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Kommentare
Johannes schrieb am 2010-04-06 08:36:05:
wow, gut.
Nacht schrieb am 2009-06-07 12:53:01:
Hallo sina
Hier fehlen mir die Worte. Bin tief beeindruckt. Hoffentlich nur eine Geschichte. Sehr ergreifend beschrieben.
Hoffentlich findet Dein Prot Ruhe und Frieden.
LG
Nacht
tweety schrieb am 2009-06-05 20:28:23:
hey,
hast du echt gut geschrieben ...... eine sehr traurige geschichte und es tut mir wirklich leid wenn es wirklich passiert ist.....ich habe sogar noch tränen in den Augen......
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