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Kategorien > Drama > Liebe

Was dann....?

von Mularion

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Ich erinnere mich noch gut an Ihn. Ich sah Ihn zum ersten Mal an einem Sonntag. Ich war mit ein paar Freundinnen unterwegs, durchstöberte mit ihnen Schuhgeschäfte oder Boutiquen. Wir waren müde und setzten uns auf eine Bank, als Er dann vorbei lief. Ich weiß nicht wieso ich Ihm hinterher sah, aber ich konnte meine Augen nicht von ihm lassen. Ich spürte, dass er etwas Besonderes war, obwohl ich Ihn damals gerade mal drei Sekunden sah. Meine Freundinnen lenkten mich kurz mit einem Schrei ab, doch als ich wieder zu Ihm schauen wollte war er weg.
Wir gingen weiter und durchstöberten jetzt alle Handtaschenläden oder Parfümerien, die uns noch in den Weg traten. Ich stand vor einem Regal mit außergewöhnlich wohltuenden Düften, als ich Ihn wieder sah. Er stand vor dem Laden und saß da, ganz regungslos. Sein Kopf war zum Himmel hinauf geneigt und seine Hände umklammerten einen Zettel. Ich passte nicht auf und warf ein Preisschild zu Boden. Ich hob es auf, richtete meinen Blick wieder zum Ladenausgang und…. Er war erneut gegangen. Ich fragte mich wer Er war und wo er wohnte, doch meine Freundinnen rissen mich aus jeglichen Gedanken.
Es wurde Abend, als die Geschäfte langsam ihre Pforten schlossen und uns baten zu gehen. Meine Freundinnen trugen ihre ergatterten Waren in ihren Markentaschen, plauderten, lachten und waren auf dem Weg zur Bushaltestelle. Ich blieb kurz stehen, drehte meinen Kopf in alle Richtungen und suchte nach dem Jungen, der mich nicht mehr in Ruhe ließ. Meine Freundinnen gingen zur Bushaltestelle voraus, während ich noch auf einer Bank platz nahm und in die klare Nacht hineinblickte. Die Straßenlaternen leuchteten auf und die Lichtkegel prallten auf den Bordstein und die Straße. Plötzlich sah ich Ihn wieder, wie er langsam in einen Lichtkegel, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, trat. Ich richtete mich auf und sah genauer zu Ihm hinüber. Er hatte dunkelblondes Haar, mittellang. Sein Körper war dürr, seine Haut schien sich an seine Knochen zu schmiegen, doch extrem Mager war er nicht. Er besaß ein schmales Gesicht, ein paar Pickel zierten seine Wange. Er war ungefähr 1,80m groß. Er trug eine grüne Stoffjacke mit einer grauen Kapuze, eine blaue Jeans und schwarze Chucks an den Füßen. Seine Jacke stand offen und ein grünes Hemd spitzte heraus. Darunter trug er ein weißes T-Shirt. Ich ging etwas näher zur Straße, ließ keinen Blick von Ihm ab. Viele Mädchen, die ich kenne, würden Ihn verachten, weil er zu dünn ist oder keinen Adoniskörper besaß, doch ich musste Ihm immer näher kommen. Ich setzte einen Fuß auf die Straße, kam Ihm näher. Er schaute zu mir rüber, schaute plötzlich hektisch zu beiden Seiten und sprintete mir entgegen. Ich wusste im ersten Moment nicht wieso, aber als ich meinen Kopf zur Seite drehte, sah ich warum er so hektisch wurde. Ein weißer Strahl schnellte mir entgegen. Quietschende Reifen durchbrachen die Stille des Abends. Ich blieb wie angewurzelt stehen, riss die Augen weit auf, wollte schreien, doch etwas warf mich zur Seite. Ich fiel zu Boden, hörte wie die Bremsen des Wagens immer lauter wurden und wie ein dumpfes Geräusch neben mir ertönte. Ich ignorierte die Schmerzen an meinen Armen und Beinen, sah wie…. wie regungslos Er da lag. Blut rann durch die feinen Rillen der Straße. Ich krabbelte zu Ihm hinüber, schaute ob er noch atmete. Ich überprüfte, ob sein Herz noch schlug. Seine Augen sahen zum Himmel hinauf. Blau wie das Meer. So sahen sie aus. Der Fahrer des Wagens stieg aus, lief zu mir hinüber und überprüfte ebenfalls, ob er noch lebte. ,,Ruf einen Krankenwagen!”, schrie er und redete auf Ihn ein. Ich zückte das Telefon, wählte die Nummer des Krankenwagens. Plötzlich packte mich etwas an den Schultern. Meine Freundinnen waren ganz außer sich und fragten, ob es mir gut ginge, doch ich schwieg.
Ich fuhr ebenfalls mit dem Krankenwagen unter dem Vorwand seine Freundin zu sein. Im Krankenhaus untersuchte man mich, sah ob ich einen schwerwiegenden Schock bekommen hätte, doch hätte ich gewusst was danach passierte hätte ich schon jetzt den größten Schock erlitten.


Diagnose: Unfallopfer
Todeszeit: 21:23 Uhr
Alter: 17 Jahre
Grund: Rettung eines gefährdeten Person mit Todesfolge


Alles was mir heute von ihm bleibt sind Schuldgefühle wie auch ein Zettel, den er den ganzen Tag bis zum Unfall in den Händen hielt. Ich bekam ihn, er war auch für mich.

Ich weiß nicht was du von mir denkst oder wie du mich findest. Ich wollte schon öfter, als du in der Stadt warst, mit dir reden, doch ich habe nie den Mut gehabt dich anzusprechen. Nun schreibe ich dir diesen Brief, den ich dir heimlich zusteckte. Du wirst ihn wahrscheinlich im Bus gefunden haben oder eine deiner Freundinnen, vielleicht bist du bereits zu Hause. Ich möchte dir nur etwas sagen. Ich glaube ich habe mich in dich verliebt. Wahrscheinlich weiß ich schon was du denkst. So ein dürrer Kerl wie ich ist nicht der attraktive Junge von Gegenüber, doch vielleicht möchtest du dich ja trotzdem mit mir treffen. Wenn du willst können wir uns übermorgen in der Stadt am Brunnen treffen. Ich würde dort auf dich warten. Ich kann dir zwar keinen Adonis bieten oder dir ein weiches Kissen sein, doch ich könnte dir den Rest geben, den du verlangen würdest. Es ist ein wenig übertrieben, bzw. blöd was ich dir hier schreibe, aber ich sage immer: ,,Sag was du denkst, denn nur so kommst du weiter.”
Ich warte auf dich am Dienstag am Brunnen.

Fabian


Das ist alles was ich von Ihm noch habe. Dies und die Gedanken daran was geschehen wäre, wäre ich nicht ihm entgegen gelaufen. Hätte ich auf die Straße gesehen…. Hätte ich nur auf die Straße gesehen. Was dann….?

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