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Kategorien > Nachdenkliches > Tod

Was geschah wirklich an jenem Tag?

von Zathia

1

„Was geschah wirklich an jenem Tag?“
„Ich kann es nicht genau sagen.“
„Versuch doch es mir zu erzählen“
„…gut, wenn du meinst, dann werde ich es versuchen…“

…meine Erinnerungen beginnen damit, dass ich mich in diesem, mir unbekannten Raum befand.
Leere, ergraute Wände um mich herum. Keine Fenster, keine Tür aus der ich hätte entkommen können.
Ich befand mich am Rande des Zimmers, im Schatten gelegen. Das Zentrum des Raums wurde von einer schwachen, von der Decke hängenden Schirmlampe beleuchtet. Darunter konnte ich zwei Stühle erkennen und einen Tisch.
Einer der beiden Holzstühle war zurückgeschoben und frei. Auf dem anderen jedoch saß jemand…

„Weißt du denn nicht mehr wer es war?“
„Doch, ich weis es noch…“
„Dann lass uns weiterhören.“
„…ja.“

Es war eine vermummte Gestalt, vielmehr als ihren großen Zylinder, den sie auf dem Kopf trug, konnte ich von dort auch nicht erkennen.
Daraufhin näherte ich mich langsam und wie von selbst dem Zentrum. Meine Beine trugen mich dorthin, ich verlor fast die Gewalt…

„Kam dir dieses Gefühl bekannt vor?“
„…wenn ich ehrlich bin, ja“
„Du hast also schon einmal die Gewalt über dich verloren. Weißt du auch warum?“
„…nein“
„Gräme dich nicht, es wird dir sicher wieder einfallen…“

Ich fragte mich ob die Person auf dem Stuhl mich bereits bemerkt hat, doch sie blickte nicht einmal auf. So tauchte ich ein in den schein des Lichts.
Der dunkle Dielenfußboden gab knarksend unter meinen Füßen nach. Die vermummte Gestalt rührte sich nicht.
Neben dem Stuhl blieb ich stehen und überschaute den runden Tisch vor mir. Überall lagen Karten darauf verteilt. Die Oberseiter aller war von unbeflecktem weiß. Als ich sie sah, konnte ich nicht anders, ich musste eine von ihnen in die Hand nehmen.
Ich wendete sie um, doch auch die Rückseite war von demselben, unberührten weiß.
Aus den Augenwinkeln heraus sah ich wie der Zylinderträger nun endlich den Kopf hob. Langsam drehte sich mein Kopf in seine Richtung. Eine fast unkontrollierte Geste von mir.
Erschrocken von dessen Anblick weiteten sich meine Augen. Es war gar nicht dieses Faltige Angesicht, das diese Furcht in mir hervorrief. Viel mehr diese Leeren, trüben Augen. Farblos und von unzähligen, roten Adern durchzogen.
Vor schreck ließ ich die Karte in meiner Hand fallen.
Als sie auf dem Tisch landete, waren auf der oben liegenden Seite, sechs Blutflecke zu erkennen. Schnell sah ich nach meinen Fingern, konnte jedoch keine Verletzungen erkennen.
Völlig unberührt von meinem entsetzen und den Blutflecken, deutete der alte Kuttenträger mit einem seiner knochigen und verknorpelten Finger auf genau diese karte.
Ich wich ein Stück zurück.

Dann war da diese Stimme in meinem Kopf: „Setz dich.“
Eine raue kalte, aber sicherlich nicht zu dem alten passende Stimme. Mir lief es einskalt den Rücken runter. Es war als würde eine höhere Macht mir Befehle erteilen.

„Bist du sicher, dass es eine Stimme war, die du nicht kanntest?“
„Sicher doch! Ich kannte sie nicht!“
„Schon gut, beruhige dich. Erzähl doch einfach weiter, dann erfahren wir mehr.“
„…ok“

Ich leistete der Aufforderung etwas zögerlich Folge. Geheuer war mir das ganze nicht.
Nun saß ich da, dem Zylinderträger genau gegenüber. Seine starren Augen waren genau auf die meinigen gerichtet. Sie wirkten so alles durchdringend.
Ich wagte es kaum einen Gedanken zu fassen, aus Angst er könnte von jemandem gehört werden. Minutenlang saß ich an diesem Tisch, versuchte seinen Augen auszuweichen und dabei meine Gedanken ab zu schalten.
Als ich fast am Rande des Wahnsinns war und schon aus Nervosität dem Fingernägel kauen verfiel, erklang ein weiters mal diese Stimme: „Wie ist dein Einsatz?“
Überschwänglich sah ich mich nach allen Seiten um. Mir kam es vor als sei der Raum um mich herum kleiner geworden…
Ich wusste einfach nicht woher diese Stimme kam. Sie hallte in meinem tiefsten innersten wieder.

„Warst du nur so aufgeregt wegen dieser Stimme?“
„…nein, nicht nur deswegen“
„Was war es noch?“
„…es kam mir alles so bekannt vor. Ich wollte nicht spielen, hatte doch auch gar keinen Einsatz.“
„Hattest du alles verloren?“
„…ja, ich habe alles verloren…ich hatte nie glück bei solchen spielen.“
„Erzähl mir doch wie es hier weiter ging.“
„…na schön“

Man forderte mein Leben als Einsatz.
Ich ertrug diese Situation einfach nicht mehr. So willigte ich ein. Ich erhoffte darauf, dass dies alles nur ein Traum sei…
Während dem Spiel konnte ich mich einfach nicht konzentrieren. Immer wieder dachte ich daran, dass man meinen nächsten Zug vorhersehen könnte. Jedes Mal glaubte ich, das der Alte mit diesen Augen meine Karten durchleuchten konnte. Es machte mich schier verrückt!
Zum Schluss verlor ich dann auch...sowohl das Spiel, als auch mein Leben.

„So hatte sich das also zugetragen.“
„…ja“
„Weist du, was noch geschah?“
„…nein“
„Die ganze Nacht hast du dich in deinen feuchten Laken gewälzt. Deine Spielschulden ließen dich wohl nicht mehr los. Du hast alles verloren geglaubt. Weist du wie ich den nächsten morgen erlebte?“
„…nein, nun erzähl du.“

…als ich am nächsten morgen neben dir erwachte, fand ich deinen erkalteten Körper neben mir. Ich Konnte es nicht verstehen, nicht ertragen, nicht verkraften. Wenige Stunden später lag ich in der Küche. Das Küchenmesser in meiner rechten und überall auf den hellen Fliesen verteilte sich, mein noch warmes Blut…

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