Was passiert, wenn man keine Ideen mehr hat
von
Ian
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Prolog
Peter McGraham war bereits seit zehn Jahren einer der besten Autoren überhaupt. Mit jedem neuen Buch gelang es ihm, seine Leser in immer spannender werdende Welten seiner Phantasie zu entführen und in den Bestsellerlisten in kürzester Zeit den ersten Platz zu erreichen. McGraham hatte sogar einen eigenen Fanclub, eine Ehre, die nur sehr wenigen Autoren zum Teil wurde. Von vielen seiner weiblichen Fans wurde er vergöttert, und das nicht ganz grundlos. Denn nahezu perfekte Bücher zu schreiben war nicht das einzige, das McGraham zu einer der beliebtesten Personen auf Erden machte. Auch sein ganzes Auftreten in der Öffentlichkeit war unübertrefflich. Er wirkte auf die meisten, wie ein ganz normaler Durchschnittstyp, wie der nette Junge von nebenan. Und eigentlich war er das auch. Denn als einer der wenigen hatte er es nicht nötig, sich vor seinem Publikum zu verstellen.
Man sieht also: Peter McGraham hätte Jede haben können. Doch er entschied sich ausgerechnet für Alice Cornhead, eine Frau, die noch nie etwas von ihm gehört hatte. Aber genau das war der Grund, warum sich McGraham vor zwei Jahren in diese Frau verliebt hatte. Sie hatte ihn behandelt, wie einen ganz normalen Durchschnittstypen. Zwar nicht, wie den netten Jungen von nebenan, aber immerhin wie einen Durchschnittstypen. Doch was McGraham dazu bewegte, Alice zu heiraten, war die Tatsache, dass sich das auch nicht änderte, nachdem sie von seinem Prominentenstatus erfuhr. Dennoch hatte die Heirat vor eineinhalb Jahren McGraham nicht nur Glück und weitere schöne Sachen gebracht, sondern auch noch zwei nervige Kinder aus Alices erster Ehe.
Dennis (13) hatte die ganze Zeit schon etwas gegen McGraham. Und spätestens seit der Heirat terrorisierte er ihn mit provozierenden Sprüchen, wann immer er konnte.Bei Michael (11) war das eigentlich ganz anders. Er mochte McGraham, denn er versuchte mit aller Mühe ein guter Ersatz für ihren toten Vater zu sein. Und außerdem war er berühmt.
Kapitel 1
Peter McGraham saß in seinem Arbeitszimmer und schrieb an einem neuen Buch. Zumindest versuchte er das. Denn obwohl er schon jahrelange Erfahrung im Erfinden von Geschichten hatte, fiel ihm zur Zeit gar nichts ein. Er war eigentlich genauso weit wie vor zwei Wochen, als er mit der Arbeit an seinem neuesten Projekt begonnen hatte: Zwar wusste er, dass er ein neues Buch schreiben wollte, mehr aber auch nicht. Selbst beim Genre seines Buches war er sich nicht so sicher. Und das lag vermutlich an einem Problem, dass früher oder später bei jedem Schriftsteller einmal auftauchte: Er hatte all seine Geschichten schon erzählt. Früher, noch bevor er sein erstes Buch geschrieben hatte, hatte er duzende Geschichten erfunden und aufgeschrieben, damit er immer irgendwelchen Stoff hatte, über den er schreiben konnte. Doch das war vor dreißig Jahren gewesen. Und mittlerweile hatte er schon längst alle seiner früheren Ideen genutzt. Schon bei seinen letzten sechs Büchern hatte er seinen Kopf nach neuen Storys absuchen müssen. Doch jetzt schien es da oben wohl nichts brauchbares mehr zu geben. Und hatte er dann doch mal eine auf den ersten Blick gute Idee, stellte sie sich später als viel zu durchschnittlich für die Verhältnisse eines Peter McGraham heraus oder hatte zu viel Ähnlichkeit mit einer bereits existierenden Geschichte. Doch an einem Punkt, an dem die meisten Leute unter nervösen Zuckungen leidend zur Verzweiflung getrieben jedes letzte bisschen Ruhe verlieren und jede Hoffnung auf eine rettende Idee aus der hintersten Ecke ihres noch halbwegs intakten Gehirns aufgeben würden, zeigte ein Peter McGraham erst so richtig, was in ihm steckte. Mit der für ihn so typisch ruhigen und durch nichts aus dem Gleichgewicht zu bringenden Art tippte er sinnlos und halb weggetreten auf der Tastatur seines Computers herum. Früher oder später würde er schon eine gute Idee haben, er musste nur etwas warten.
„Na, wie läuft´s?“, fragte eine ihm wohl bekannte zärtliche Stimme. McGraham war so in seinem sinnlosen auf die Tastatur hauen vertieft gewesen, dass er nicht einmal mehr mitbekommen hatte, dass seine Frau in sein Büro gekommen war und nun neugierig auf den Monitor schauend hinter ihm stand. Völlig unerwartet aus seinem tranceartigen Zustand gerissen blickte er sich kurz vergewissernd um.
„Ich bin fast fertig.“, antwortete McGraham nicht ganz ernstzunehmend und mit dem Lächeln, das schon viele Frauen dahinschmelzen ließ.
Alice beugte sich mit ihrem auffälligen Gesicht nach McGraham vor. Kopf an Kopf mit ihrem Ehemann sagte sie leise: „Dann lässt du mich doch sicherlich ein paar Seiten lesen.“
„Eigentlich wäre es mir lieber, wenn du es erst liest, wenn es fertig ist.“ Unschuldig lächelnd drehte er fast zeitgleich mit Alice seinen schmalen Kopf und schaute ihr in ihre vertrauenerweckenden blauen Augen. Doch während er diesen um alles in der Welt Ärger verhindern wollenden unschuldigen Ausdruck auf seinem Gesicht trug, konnte man nicht recht sagen, welche Bedeutungen den Gesichtszügen von Alice abverlangt werden konnten. Jemand, der diese Frau nicht kannte, würde ihrem 08/15 Blick wahrscheinlich keine besondere Beachtung schenken. Es war ein Blick, dem man eigentlich immer überall bei jedem noch so von Grund auf verschiedenem Menschen begegnete.
Bei armen um ihr Geld betteln müssenden Leuten zum Beispiel steht er für die Gewissheit der gähnenden Langeweile, die diese Menschen Tag für Tag jede Sekunde ihres kümmerlichen Daseins über sich ergehen lassen müssen. Oder das gerade gekaufte hart zusammengesparte Käseschinkenbrötchen ist durch eigenes Verschulden auf die durch viele rücksichtslose Menschen stark verschmutzte Straße gefallen. In einem solchen Fall ist diesem Blick nur noch eine Bedeutung zuzuordnen: „Wenn ich vorher nicht verhungere, bringe ich mich um!“ Bei auf frischer Tat von der Frau bei Spielchen mit der Sekretärin ertappten in Erklärungsnot geratenen Ehemännern steht der Blick für die naturgemäß angeborene Unschuld des Mannes. Oder alternativ im Falle nicht ganz so verständnisvoller Frauen für den von der berühmten weiblichen rechten Hand hervorgerufenen Schmerz in der männlichen linken Wange. Und bei schon längst von uns gegangenen ehemals menschlichen Wesen ist dieser Blick die letzte Möglichkeit, ihren mehr oder weniger trauernden Verwandten, sollte es denn welche geben, ein letztes mal Lebewohl zu sagen. Oder aber aus wissenschaftlicher Sicht gesehen war es einfach nur der von dem Verstorbenen letzte Blick seines Ablebens gewesen und kommt vollkommen ohne irgendwelche aus dem Zusammenhang gerissene Bedeutungen aus.
Jemand, für den Alice McGraham nur eine unbekannte Person war, konnte in diesem von ihr getragenen Gesichtsausdruck also beinahe unendlich viele Bedeutungen hineininterpretieren. Doch McGraham, als jemand, der sie kannte und dem ihre Verhaltensweisen wohl bekannt waren, wusste natürlich, dass bei seiner Frau nach diesem Blick eine von nur zwei möglichen Stimmungen eintreten würde. Denn dieser für alle
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Kommentare
patrick schrieb am 2008-05-29 13:03:42:
uhu du bist der größte daniel. keine schreibt so wie du.
dein fan
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