Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Love Story´s > Der andere Blickwinkel

Weiße Schokolade

von Stephanie Hermann

Er ist mein Mann.
Dachte ich. Fühlte ich. Wollte ich glauben.
Er ist erfolgreich. Er sieht gut aus. Er ist groß und sportlich, ein Beschützer.
Wovor sollte er mich beschützen, wenn nicht vor meinen paranoiden Gedanken unbedingt diesen einen Mann finden zu müssen.
Diesen Einen, den man nur ein einziges Mal im Leben findet, wenn ,man grad nicht top gestylt am Geldautomaten ansteht. Dem das aber egal ist. So egal wie meine Leidenschaft zu viel Geld auszugeben, zu viele Zigaretten zu rauchen, zu viel weiße Schokolade zu essen. DEn einen, den man seinen Eltern stolz präsentieren kann. Vorprogrammierter, leidenschaftlicher Sex. Der Eine, um den mich meine Freundinnen beneiden. Der Eine, der lächelnd über mein nächtliches Schnarchen hinwegsieht und so tut als würde er nicht bemerken, dass ich keinen Sport treibe, obwohl es mir sicher nicht schaden würde. Den wünschen wir uns doch alle.
Was ist wenn wir ihn gefunden haben und dann, eines morgens neben ihm aufwachen und ihn ansehen und feststellen dass wir ihn nicht mehr lieben.
Ich fühle mich leer als ich ihn ansehe und feststelle, dass ich ihn nicht mehr liebe. Es ist halb sieben und Sonntag. Wir wollten heute nach Salzburg fahren. Es ist, als ob ich mich mehr als sonst darauf konzentrieren müsste Luft zu holen. Ich spüre einen leichten Anflug von Angst. Ich bin zu alt, um einen Mann wie ihn nicht mehr zu lieben. Ich bin keine zwanzig mehr. Ich wollte heiraten. Ihn und nicht den Mann, den ich in zehn Jahren im Internet finden werde, weil die Männer, die frei herumlaufen auf der Strasse gar nicht mehr frei sind. Ich werde doch nicht hübscher. Verzweifelt versuche ich mich daran zu erunnern, wann es angefangen hat. Dieses Nicht- mehr- Lieben.
Er hat mich nie schlecht behandelt. Keinen unserer drei Jahrestage vergessen. Er hat regelmäßig Blumen gebracht. Er kann soagr kochen, Klo putzen, den Müll raustragen.
Verdammt, was passiert hier? Ich warte. Innerlich zittere ich. Ich verliere die Kontrolle über die Situation. Wünsche mir, er würde einfach aufwachen, aus dem Bett steigen und gehen. Und nie mehr wieder kommen. Er muss es doch auch fühlen.
Bitte wach auf und geh!
Es ist viel zu still in meinem Schalfzimmer. Ich höre ihn atmen. Früher habe ich ihm stundenlang beim Atmen zugehört, ihn beobachtet wie er schlief. Plötzlich kann ich ihn nicht mehr ansehen. Drei Jahre kann man doch nicht wegschmeißen, höre ich meine Mutter sagen. Du bist doch auch nicht mehr die Jüngste. Was willst du von deinem Leben? Du bist nie zufrieden. Ich höre ihre Stimme so laut in mir, dass ich mir die Ohren gerne von innen zuhalten würde. Mein Kopf tut plötzlich schrecklich weh und mein Bauch. Aspirin und Kaffee. Das wird helfen. Bißchen frische Luft.
Ich gehe auf Zehenspitzen ins Wohnzimmer. Der Parkettboden schweigt. Alles ist still, als wäre es mitten in der Nacht. Draussen geht die Sonne auf. Ich starre auf unsere Photos in den weißen Bilderrahmen auf dem weißen Ikea Sideboard. Alles ist weiß in meiner Wohnung. Die Bilder zeigen aber nicht uns. Ich kann mich nicht erinnern jemals mit ihm im Disneyland gewesen zu sein. Oder am Gardasee. Auf diesen Photos sind zwei gut aussehende, glückliche Menschen, die heiraten sollten und gutaussehende Kinder bekommen sollten. Ich erkenne den Mann, aber diese Frau bin nicht ich. Plötzlich muß ich zum Spiegel. Ich sehe hinein und weine. Es ist vorbei. Die Augen im Spiegel sagen dass es vorbei ist und ich kann nichts dagegen tun. Ich wehre mich dagegen. Im Flur steht die Louis Vuitton Tasche, die er mir zu meinem Geburtstag geschenkt hat. Sag Danke flüstert es in meinem Kopf. Verlass ihn nicht. Sag ich liebe dich. Schnell, sag es. Das ist nur vorrübergehend. Du mußt nur wieder klar werden im Kopf, dann wird alles gut. Ich zünde mir eine Zigarette an, stehe immer noch vor dem Spiegel mit dem weißen Rand vom Flohmatkt. Mein weißes Nachthemd hängt an mir runter. Ich sehe nicht nur aus wie eine in der Irrenanstalt, ich fühle mich so. Ich will ihn nicht hergeben. Er wird eine andere heiraten. Männer wie er bleiben nicht allein. Aber irre Frauen wie ich enden allein und verzweifelt am Tresen heruntergekommener Bars.
Er hat andere Frauen nicht mal angeschaut. Er sagt unaufgefordert, dass ich schön bin. Was stimmt denn nicht mit mir?
Leise geh ich zurück zum Bett. Unverändert liegt er inmitten der weißen Laken in meinem weißen Bett. Nackt und perfekt. Er soll weg sein. Inzwischen weine ich so fest, dass meine Schläfen pochen. Mein Kopf fühlt sich an, wie wenn er voller Schaum wäre. Er hört mein Weinen nicht. Vielleicht träume ich das alles nur. Wenn ich aufwache, dann liebe ich ihn wieder. Ich muß nur aufwachen. Ich werde warten bis ich wieder aufwache. Als ich auf meine nassen, salzigen Hände blicke sehe ich Blut. Meine Nase blutet. Vielleicht bluten aber auch meine Augen. Ich will wieder zurück. Gestern war alles noch gut. Gestern habe ich ihn so sehr geliebt, dass es weh tat. Wenn er aufwacht, sage ich ihm dass ich ihn liebe.

Kommentare

Amok schrieb am 2006-08-30 18:32:01:
WOW oO
Echt super tolle Geschichte...
Musste fast heueln...*schniff*
XXDD
asseroin@gmx.de schrieb am 2006-05-14 22:03:44:
okay ... also die überschrift verlockt ... da sie nicht gerade den inhalt direkt wiedergibt ... hat mich dieser text sehr gelockt

beim durchlesen ist es mir vorgekommen, alsob ich diese ganze reaktionskette von verläufen nachvollziehen könnte und alles bildlich vor mir sehe ...

sehr schön und dennoch sind einge zitate darin enthalten die nicht zum ganzen gefüge passen ... dennoch fenomenal
CogitoErgoSummi schrieb am 2006-02-24 20:10:45:
spitze. schon der titel hat mich in die richtige richtung gelenkt. hierfür möchte ich dir wirklich danken, denn so hab ich meine ätzende mathestunde heute gut gefüllt ;) - ne, mal im ernst, dein schreibstil gefällt mir sehr gut und die idee ist auch klasse. wirklich schön, auch komplett ohne kitschiges happy end ;) genauso fühl ich mich jeden morgen, wenn ich aufwache und an jemand bestimmtes denke.... warum er?....und kann's doch nicht ändern....
red.owl@gmx.de schrieb:
Eine sehr, sehr gute Geschichte. Dieses Gefühl deiner Erzählerin kann ich gut nachvollziehen.
Nicht immer ergeben zwei Singular ein Plural, aber will man das überhaupt?

Freu mich auf mehr.
LG
Mia
grafpetra@gmx.de schrieb:
Eine unglaublich gut geschriebene Story. Freu mich schon auf die nächste :-)
Lg Petra
nice schrieb:
Hi
Eine unglaublich reale Geschichte. So etwas passiert doch heute ständig, man bleibt bei jemandem, nur aus Angst irgendwann festzustellen, dass man wohl alleine sterben muss.
Schön!!!

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.