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Kategorien > Jugendstory > Emotionen

Welten zwischen Klassen - Kapitel 2

von Lilli

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Kapitel 2

Mit Beinen wie Wackelpudding stieg ich aus dem Wagen. Ich hatte das Gefühl, dass meine Beine unter mir gleich nachgeben würden. Ich hatte noch nie ein solches Gefühl der Angst verspürt, und ich hatte oft Angst… Vor allem und jeden. Schon seit ich ein kleines Mädchen war, war ich so ängstlich und habe mich ständig weniger getraut als andere.
Doch damit konnte ich leben. Damals und heute.
Phileas weinte ein wenig, weil er geweckt wurde. Ich warf den kleinen, blonden Jungen schnell einen Blick zu und drehte mich dann zu dem Gebäude um, dass direkt gegenüber des Parkplatzes stand.
Ich erkannte es sofort wieder. Schon damals wurde ich dort der Direktorin vorgestellt. Es war ein nicht sonderlich schönes Neubaugebäude aus den 70er Jahren. Er stand gleich an der Einfahrt und beherbergte nur das Sekretariat und das Büro der Direktorin. Allgemein wurde ihr anscheinend nur der Papierkram erledigt. Der Rest der Schule war wesentlich schöner.
Am schönsten war auch die Landschaft. Ein paar Hügel hier und da, und sonst nur Wald. Große, dunkelgrüne Nadelbäume und kahle Laubbäume, deren Schönheit ich wohl erst im Sommer genießen durfte. Ich drehte mich einmal um mich selbst und nahm den Rest der Umgebung in mich auf. Das Gebäude der Bibliothek, die neue Sporthalle, die kleinen, verschiedenen Häuser in denen die „Familien“ wohnten, das Schulgebäude und das Atelier in dem die handwerklichen Wahlpflichtfächer stattfanden.
Schon bei meinem ersten Besuch hier, war ich sofort von dieser Schule und seiner Umgebung verzaubert.
Ich weiß nicht, wie lange ich so stand und mir einfach nur mein neues zu Hause anschaute, bis mich die Stimme meiner Mutter aus den Gedanken holte. „Komm schon, Melissa. Oder willst du hier Wurzeln schlagen?“
Noch etwas verträumt schaute ich auf, nickte dann aber meiner Mutter zu und folgte dem Rest meiner Familie ins Haus.
Sofort kam mir die trockene, aber warme Heizungsluft entgegen und ich musste unwillkürlich nach Luft schnappen.
Das Foyer dieses Hauses war sehr schlicht gehalten. Weiße Fliesen schmückten den Boden, und hatten fast dieselbe Farbe, wie die Wand, an die mehrere Bilder der Schule hingen. Unter dem Fenster stand ein runder, ebenfalls weißer Tisch mit schwarzen Stühlen.
Vom Foyer des Hauses gingen mehrer Türen aus, an welchen immer Schilder hingen und somit kennzeichneten um welchen Raum es sich handelt.
Die einzige Treppe, die nach oben führte, führte einem zum Büro der Direktorin.
Mein Bruder schaute mich mit großen Augen an: „Wohnst du dann hier?“ Phileas’ Unterlippe zitterte.
„Ja, aber sie kommt uns doch besuche, du Dummerchen“ kicherte Lysander.
Ich musste die beiden nur anscheuen und schon musste ich grinsen. Meine Mutter drehte sich über die Schulter zu uns um und legte einen Finger an die Lippen: „Pssst“ Dann klopfte sie an die Tür, an deren Schild Sekretariat stand.
Eine kratzige Damenstimme bat uns herein und wir folgten ihrer Aufforderung.
Die blonde Frau hinter dem großen Schreibtisch schaute neugierig auf. Sie setzte ihre Brille auf die Nase und erhob sich sogleich: „Sie müssen die Familie Mainacht sein“
Mein Vater nickte: „Schönen Tag“
Die Sekretärin lächelte und nickte. Sie gab jedem von uns die Hand: „Schön, dass sie da sind“ Als sie mich wieder sah, wurde ihr Lächeln breiter: „Wir kennen uns ja schon… Melissa, nicht?“
Ich nickte: „Ja, Melissa Mainacht“
„Ja, natürlich. Ich bin Frau Meyer, die Sekretärin der Odenwaldschule“ Sie trat wieder hinter ihren Schreibtisch: „Die finanziellen Papiere habe ich Ihnen schon zuschicken lassen, oder?“
Meine Mutter nickte sofort: „Ja…“ Sie kramte in ihrer Tasche und holte die ausgefüllten Formulare hervor.
Frau Meyer stand wieder auf und strich eine blondierte Locke hinters Ohr: „Sehr gut. Dann hätten wir damit das Organisatorische geklärt. Und eigentlich kann ich für dich, Melissa, nur noch sagen: Willkommen an der Odenwaldschule“ Sie schüttelte mir nochmals die Hand.
Ich wollte mich bedanken, doch sie ließ mich gar nicht zu Wort kommen: „Bist du aufgeregt“
Wie in jeder unangenehmen Situation begann ich seltsam zu kichern, und brachte schließlich ein: „Ja, ein wenig“ hervor.
„Ach, da musst du dir gar keine Sorgen machen. Die Jungs und Mädchen hier sind alle ganz nett. Und du könntest dir eigentlich schon dein Zimmer und deine neuen Wohngenossen anschauen… Aber Marc und Tina kommen immer zu spät“ Als sie meinen verwirrten Blick sah, erklärte sie: „Marc ist der Betreuer deines Hauses, und Tina ist die Schülersprecherin. Sie macht dieses Jahr ihr Abitur. Bei Marc wirst du übrigens auch Unterricht haben“ Sie wühlte in ein paar Ordnern herum. „Ich glaube Erdkunde… oder Sozialkunde… Ich weiß es nicht mehr“ Sie hörte auf zu reden, um Luft zu holen, als mein Stiefvater die Chance nutzte auch mal zu Wort zu kommen: „Wie ist das mit den Heimfahrten?“
„Alle zwei Wochen darf Melissa nach Hause“ erklärte Frau Meyer. „Jede Woche ist nicht erlaubt, da wir die Internatsgemeinschaft stärken wollen“ Sie zwinkerte mir zu. „Ich hoffe, dass das bei ihnen nicht auf Missverständnis stößt“
„Nein, ganz und gar nicht“ wehrte meine Mutter ab, als Lysanders dünnes Stimmchen ertönte: „Sehen wir dich dann nur alle zwei Wochen?“
„Wahrscheinlich“ Ich strich ihm über den Kopf und Phileas schaute mich kurz traurig an, dann bekam er das allbekannte Glitzern in seinen Augen: „Bekomm ich jetzt dein Zimmer“
Frau Meyer lachte: „Du hast ja zwei ganz niedliche Brüder“
Ich lächelte nur und schüttelte dann mit dem Kopf: „Und wo soll ich dann schlafen, wenn ich mal zu Hause bin?“
Phileas wollte gerade antworten, als die Tür aufging. Ich schaute neugierig auf und auch meine Eltern drehten sich um.
In der Tür standen ein etwas älterer Mann und ein Mädchen, welches etwa zwei Jahre älter war als ich. Ihre blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihre Augen hatten einen freundlichen Ausdruck, und auch im Allgemeinen machte sie einen sympathischen Eindruck auf mich.
„Tut uns Leid, dass wir zu spät sind“ keuchte das Mädchen und blickte Frau Meyer freundlich an. Dann schweifte ihr Blick zu mir. „Du musst Melissa sein“
Ich nickte und sie reichte mir die Hand: „Ich bin Tina. Schülersprecherin“
„Ja, das weiß ich schon, danke“
„Und das ist Marc“ Frau Meyer tippelte um den Schreibtisch herum. „Und da ihr schon zu spät seid, würde ich sagen, dass ihr Melissa gleich ihr neues zu Hause zeigt“
Der Mann, Marc, nickte entschuldigend und schaute dann zu mir: „Na dann, komm mal mit“ Ich schaute schnell zu meinen Eltern und folgte dann Marc und Tina. Ich hörte an den kleinen, tapsigen Schritten, dass mein Bruder folgte.
„Sie können gerne hier bleiben. Ich mache Ihnen einen Kaffee“ bot Frau Meyer meinen Eltern noch an.
„Gerne“ nahm mein Vater das Angebot an.
Meine Mutter rief noch Phileas zurück, dann fiel die Gebäudetür hinter mir zu.
„Wir haben in letzter Zeit wieder einige Plätze frei bekommen, da viele Abiturienten jetzt schon anfangen zu fangen“

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Kommentare

Mörviii schrieb am 2010-01-11 23:28:13:
schöne geschichte
freue mich schon auf die fortsetzung :D

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