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Kategorien > zum Nachdenken > Aus dem Leben

Wen Interessiert das?

von Sammy

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Wen interessiert das?


Dies ist eine Geschichte! Naja, man kann sie auch einen Erfahrungsbericht nennen. Auf jeden Fall handelt sie von Andreas, der (täglich) einige Schwierigkeiten mit dem Aufstehen hat. Andreas ist ein ganz normaler Junge, aber vielleicht ist er auch so wie ein ganz normaler Junge sein sollte…

„Wrrrrrgh!“, entfuhr es Andreas als er von seinem Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde. Eine schnelle Handbewegung und der Wecker knallte gegen die Wand. Er drehte sich wieder auf die Seite, doch schon begann der zweite Wecker seine Melodie zu singen. Diesmal reichte jedoch keine Handbewegung, der Wecker stand nicht in der Reichweite seiner Arme. Kurzerhand packte er sein Kissen und schleuderte es in Richtung Lärmquelle. Ha! Auch dieser Wecker verstummte. Er wollte noch ein wenig schlafen. Das wäre ihm auch gelungen, wenn nicht Wecker Nummer drei gewesen wäre, der in diesem Augenblick das Summen anfing. Andreas griff nach seiner Wasserflasche holte aus und ließ die Flasche mitten im Schwung wieder sinken.
„Nein, so dumm bin ich nicht“, murmelte er und schwang mühsam seine Beine aus dem Bett. Torkelnd erreichte er seinen Schreibtisch und den lärmenden Wecker. Er stand direkt vor dem Monitor seines Computers. Ein Wurf hätte mit größter Wahrscheinlichkeit den Bildschirm getroffen. Andreas schaltete den Wecker ab.
Der erste Teil war erledigt. Er stand und lag nicht mehr im Bett. Genau diesen Moment wählte der vierte und letzte Wecker, um einen nervigen Pop-Song aus den Neunzigern zu spielen. Genervt schnappte sich Andreas den Wecker und marschierte ins Bad.
„Eine Dusche wird dir gut tun, mein Lieber“, nörgelte er und legte das Gerät ins Waschbecken. Voller Schadenfreude drehte er den Wasserhahn auf.
„So! Das wäre geschafft.“

Eine halbe Stunde später stand Andreas geduscht, rasiert und fertig angezogen im Flur. Er steckte sich eine Zigarette in den Mund, packte seinen Rucksack und verließ das Haus. Der Schulweg war immer eine angenehme Erfahrung. Andreas’ Füße arbeiteten im Automatikmodus, während sein Gehirn in Tagträumen schwelgte. Selbst das Überqueren von Straßen lief automatisch ab, er wurde noch nie angefahren immer nur fast, das allerdings sehr oft…
Als er in die Straße einbog und das Schulgebäude vor sich sah, wurde er aus dem Traum gerissen. Alarmglocken schrillten in seinem Geist. Etwas war anders. Etwas war falsch, sogar sehr falsch. Er konnte nicht erkennen, was es war. Er ging weiter und steckte sich erneut eine Zigarette in den Mund. Das war schon fast so etwas wie Tradition. Man ging nicht einfach in die Schule, man gesellte sich den Klassenkameraden vor dem Schulgebäude hinzu, rauchte die eine oder andere Zigarette und ging dann geschlossen ins Klassenzimmer. Als er auf die Gruppe zuging sah er das, was er als falsch empfunden hatte. Ein Polizeiauto stand in der Auffahrt in den Pausenhof und die Gruppe aus Mitschülern, auf die er zuhielt, war nicht ganz vollzählig. Ein unbehagliches Gefühl blieb trotzdem zurück. „Amoklauf!“, rief die kleine Stimme in seinem Kopf, doch Andreas lächelte nur und schenkte dem Ausschnitt einer Mitschülerin seine volle Aufmerksamkeit.
Er ging an dem Streifenwagen vorbei und lugte durchs Fenster. Die Beamten lasen Zeitung und tranken Kaffee.
„Und der Steuerzahler muss dafür blechen“, murmelte er und setzte seinen Weg fort.
„Morsche,“, teilte er der Gruppe mit, als er sie schließlich erreichte. „Was gibt’s Neues, Mädels?“
Nach kurzem Zögern antwortete ihm eine Mitschülerin mit großen, wirklich großen…äh… mit einer großen Halskette: „Keine Ahnung, weißt du wo Christian bleibt?“
„Christian? Nein, keinen Plan. Der ist sonst doch vor mir da“, sagte Andreas, „Vielleicht ist er schon drin, vor den Grünen da geflohen oder so.“ Er machte eine Geste in Richtung der Gesetzeshüter.
Die Mitschülerin mit der großen Halskette warf ihre Zigarette auf den Boden. „Gehen wir rein? Es fängt das Schiffen an“, fragte sie.
Andreas zuckte mit den Schultern und drehte sich um. Die Gruppe setzte sich in Bewegung. Sie bogen auf den Pausenhof ein und hielten auf die Tür zu.
‚Warum nur stehen da so viele Schüler?’, dachte Andreas. Er griff nach der Türklinke, drückte und lief gegen die verschlossene Tür, die sich nicht wie erwartet öffnen ließ. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung stimmte er in das Gelächter der anderen Schüler mit ein. Als die Gruppe sich wieder beruhigt hatte fragte er: „Was soll denn der Scheiß? Was ist hier los?“
„Zugeschlossen?“, kam als Antwort.
„Haha! Das sehe ich selbst.“, entgegnete er, „Gehen wir eben noch eine rauchen.“
Dieser Vorschlag traf auf allgemeine Zustimmung und die inzwischen vergrößerte Gruppe verließ den Pausenhof wieder. Die Polizisten saßen immer noch Zeitung lesend und Kaffee trinkend im Wagen.
„Passt auf, gleich kommt ein Amokläufer und legt uns alle um!“, witzelte er und zündete sich eine Zigarette an. Die Schüler hatten gerade ihr „Rauchereck“ erreicht, als der Hausmeister um die Ecke bog.
Andreas ließ schnell seine Zigarette im Ärmel verschwinden. Man bekam keine richtigen Strafen, wenn man beim Rauchen erwischt wurde, aber man musste den Pausenhof fegen und alle Stummel in der Raucherecke aufräumen. Der Hausmeister war in dieser Beziehung strenger als jeder Lehrer. Aber heute schien er sich nicht um die Raucher kümmern zu wollen. Ein kurzes „geht bitte auf den Pausenhof“ war alles was er sagte. Verblüfft über diesen Wortschwall, folgte die Gruppe seiner Anweisung.
Es regnete inzwischen stärker und ein kalter Wind schnitt durch die sommerliche Kleidung der Schüler. Andreas trug als einziger einen Pullover, der Rest der Gruppe schien mit hohen Temperaturen gerechnet zu haben, immerhin war es auch gestern warm und vorgestern und am Tag vor vorgestern…
„Langsam mache ich mir echte Sorgen um Christian“, sagte der Ausschnitt, bzw. die zum Ausschnitt gehörende Schülerin.
„Hast du seine Handynummer, Nadine?“, fragte jemand, den Andreas als Lars identifizierte.
„Ja.“
„Na dann gib sie mir mal. Dann rufe ich ihn schnell an.“
Lars nahm sein Handy zur Hand, empfing Christians Nummer von Nadine und schlenderte ein Stück von der Gruppe weg, als er sich das Telefon ans Ohr presste.
Lars sah auf und blickte starr auf die dunklen Fenster, die sich vor ihm erhoben. Er schüttelte den Kopf und steckte das Handy in seine Tasche.
„Amoklauf.“, sagte er als er zu der Gruppe zurückkehrte.
Die Reaktion der Gruppe konnte man nur als ausbleibend bezeichnen. Niemand schien begriffen zu haben, was Lars gerade gesagt hatte, niemand, bis auf einen.
„Wie jetzt? Willst du uns verarschen?“, fragte Andreas.
„Nein.“, erwiderte Lars, „das will ich nicht. Christian war wie immer zu früh hier. Er sitzt im Klassenzimmer und meinte, dass vor einer Dreiviertelstunde eine Durchsage kam, dass es einen Amoklauf gibt. Die Lehrer haben alles abgeriegelt, selbst die Toiletten.“
„Gut, gut. Und warum zum Teufel stehen wir hier dann noch rum? Mitten auf dem Präsentierteller?“

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