Wenn das Leben stirbt
von
Sven forever
Seine Augen waren leer. Das Leben kaum noch spürbar. Ich wollte, dass er
mich festhält, aber er konnte es nicht. So hielt ich ihn fest. Ob er es
merkte, ob er wusste, dass ich bei ihm war? Wieder sah ich in seine leeren
Augen. Ich hielt ihn fester als zuvor. Warum redete er nichts? Es war viel
zu still um uns herum. Das einzige Geräusch waren die stets wiederkehrenden
Laute, wo ich hoffte, das diese nicht plötzlich in ein langes anhaltendes
Summen übergehen würden. Dann wäre es vorbei. Niemals mehr könnte ich so in
seine Augen schauen, seine Hände fest umklammern, was ich bei dem Gedanken
daran, noch mehr tat.
Er sah mich nach einer Weile nicht mehr an, sein Kopf viel zur Seite. Ich
ließ mich in dem Gedanken fallen, mit ihm zu gehen, wenn er das Leben
verlassen wollte. Die Zeiger der großen Uhr tickten unaufhaltsam ihrem Ende
entgegen. Ich zählte leise mit. Die Töne zu den rhythmischen Bewegungen auf
dem kleinen Bildschirm neben ihm passten sich eine Zeit lang noch den
Schlägen der Uhr an, bevor sie dann mal schneller mal langsamer wurden. Ich
sah ihn ganz genau an, er lachte und sprach leise zu mir, dass wir uns
wieder sehen werden. Dann war es ruhig. Ich hörte nichts mehr, nicht ihn,
nicht die Uhr, ich sah nichts mehr.
Wenig später glitt über den Bildschirm ein gerader langer grüner Faden und
dann begann passend dazu die Musik eines einzigen unendlichen Tones. Ich
fasste ins Nichts. Im Raum lebte jetzt nur noch ich. Mit einem zu späten
Lächeln auf den Lippen strich ich über sein kaltes Gesicht und ging mit
denselben Worten wie er.
Kommentare
Liza schrieb am 2006-04-28 21:23:43:
Ich finde auch, dass die Beschreibung der Personen in dieser Situation keine Rolle spielen, dem Leser wird die Freiheit gegeben sich seine eigenen Bilder vorzustellen. Mir gefällt der Text, er ist einfühlsam und traurig geschrieben. Beim Lesen kann man anfangen zu träumen.
GISA812@web.de schrieb:
Tja, es ist schwer hier eine Kritik zu geben, da es unuebersehbar ein Teil einer laengeren Geschichte ist. Der Text ist sehr gut geschrieben, aber mir fehlen einfach Aussagen ueber die Person die spricht.Ich kann hier nicht richtig mitfuehlen, da ich mich nicht mit der Person identifizieren kann. Aber wenn du in deinem Buch die Person vorstellst und die Beziehung erlaeuterst, die er zu der sterbenden Person hat, ist es bestimmt eine sehr ruehrende Scene.
X.Akira@gmx.de schrieb:
Na ja, so viel kann man sich hier nicht vorstellen - es fehlt die Charakterbeschreibung. Aber sonst finde ich es recht verwirrend und doch spannend - wenn man sich eigene Charas vorstellt. Leider ist auch die Umgebung nicht beschrieben, ist halt so eine schwere Sache ... Doch den Insgesamten Rest finde ich gut und die Erzählung.
lisamariewirries@web.de schrieb:
Ich sehe das Ganze etwas anders, als die anderen beiden. Ich denke, dass es an dieser Stelle wichtig ist, den Charakteren keine näheren Beschreibungen beizufügen. So ist es möglich, das man sich selbst mit den Personen identifizieren kann. Menschen denen ähnliches passiert ist, können so besser mitfühlen. Ebenfalls ist hier eine Raumbeschreibung aus dem selben Grund überfällig. Ich finde den Teil so gut, wie er ist und denke er sollte alleine stehenbleiben. Ich meine hier geht es eher um die Emotionen, als um die Story.
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