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Kategorien > Aus dem Leben > Gefühle

Wenn der Herbst beginnt (1)

von lissa

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An diesem Morgen saß ich mies gelaunt am Frühstückstisch und aß mein Müsli. Mein Vater summte fröhlich vor sich und Ari pennte noch. Ari ist mein großer 16-jähriger Bruder. Eigentlich ist er ganz in Ordnng, aber manchmal geht er mir tierisch auf den Wecker. Wie mein Vater Gibor war er dauernd gut drauf, was man von mir in letzter Zeit nicht gerade behaupten konnte. Aber ich hatte auch nicht besonders viel Grund zum Glücklichsein. Ist ne komplizierte Geschichte. Ich heiße Yemina, mein Vater kommt aus Israel, deswegen haben wir auch alle drei so merkwürdige Namen. Meine Mutter starb, als ich vier war. Jetzt bin ich vierzehn. Grund für meinen Missmut war Lou, die seit dem Kindergarten meine beste Freundin ist. Lou ist blond, meine Haare sind so dunkel wie Zartbitterschokloade. Lou hat blaue Augen, meine sind fast schwarz. Und Lou liebt Filko. Filko ging auch schon mit und in den Kindergarten, er wohnt neben mir und er ist sowas wie mein bester Kumpel. Und er steht auf mich.
Klar, dass Lou sauer war, als sie es erfuhr. Ich wäre bestimmt auch sauer. Aber ich will nichts von Filko. Ich mag ihn echt gerne, keine Frage, aber ich bin nicht in ihn verliebt. Mein Schwarm heißt Marco. Und er ist der süßeste junge der Schule. Das denke nicht nur ich, das denken fast alle Girls aus dem achten Jahrgang. Auch Nathalie. Nathalie ist eine Superzicke und hasst mich wegen Marco. Sie hat sich an meine beste Freundin Lou rangemacht nachem wir uns wegen Filko gestritten haben. und jetzt hasst Lou mich auch.
Klasse oder?
Ich jedenfalls habe seit Wochen keinen Bock mehr auf Schule und die Zickereien von Nathalie und Lou. Im Deutschunterricht lachen sie über jede fünf die ich einheimse und sagen dann zu Frau Nelder dass ich ja nicht dafür könne, weil ich ja aus Israel käme. Dabei war ich nie da, wegen dem Krieg. Und das ist ihr Lieblingsthema. Dauernd eröffnen sie mir, dass mein Vater ja bald nach Israel in den Krieg müsse, und ich kann ihnen tausend mal sagen, dass mein Vater deutscher Staatsbürger ist. Sie lachen trotzdem.
"Yemina, geh doch bitte hoch und weck Ari, ich habe keine Lust, dass er schon wieder eine Mitteilung vom Lehrer bekommt." bat mich mein Vater und riss mich so aus meinen trüben Gedanken. "Dad! Ist doch seine Schuld, nicht meine! Ich gehe jetzt los!" fauchte ich nicht gerade nett in seine Richtung. Dann erhob ich mich, stellte meine leere Schüssel auf die Spülung und stolzierte aus der Küche.
"Yemina, bitte hör auf rumzuzicken. Du hast noch zwanzig Minuten. Außerdem wartest du doch immer auf Filko!" Filko. Der grund, warum ich wegwollte. Lou sah mich immer an, als hätte ich ihre Mutter getötet, wenn ich mit Filko an der Schule ankam. "Er will nicht mehr mit mir gehen!" log ich ihn an. "Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Filko steht doch voll auf dich!" fröhnte eine Stimme hinter uns. Klasse. Ari. "Na, auch schon wach, du Penner!" zischte ich. "Kinder! Hört BITTE auf. Ari, dein Müsli weicht langsam auf." mahnte Dad. "Bäääh! Das esse ich nicht mehr!" "Ari! Die Kinder...!" "...in Israel wären froh, wenn sie ein Müsli hätten!" vollendeten Ari und ich den Satz. "Genau. Yemina, bitte zieh deine Schuhe wieder aus und warte auf Filko. Und du Ari, isst jetzt dein Müsli."
Ich stöhnte. "Dad, wann wirst du es endlich kapieren? ich WARTE draußen." "Gerade klang es aber noch so, als wolltest du alleine gehen!" murrte ari, der sich wenig begeistert an sein Müsli machte. Ich schlüpfte in meine Jacke und schnappte mir meine Tasche. "Tschüss Dad!"

Draußen hörte ich schon Filko. "Tschüss Mum!" Shit! Der hatte aber auch ein beschissenes Timing! Mit einem Satz hechtete ich hinter unsere große Papiertonne. Schon knallte Filko die Türe hinter sich und trabte durch den Schnee auf unser Haus zu. Ich duckte mich noch weiter hinter die Tonne. Irgendwas wurde nass an meinem hintern. Komisch, wenn ich die Tonne an den Straßenrand stellen soll kommt sie mir immer so groß vor. Jetzt war sie zu klein. Filko klingelte bei uns. Warten. Dann wurde die Tür geöffnet. "Filko! Yemina wollte draußen warten!" Dad klang überrascht. "Vielleicht ist sie schon vorgegangen!" rief Ari aus der küche. "Oh...!" Filko klang enttäuscht. Jetzt wurde es sehr nass an meinem Hintern. Verdammter Schnee. Ich rutschte ein wenig vor und kam dabei mit meiner Tasche an die Tonne.
Mit einem ohrenbetäubenden Lärm fiel sie um und riss dabei noch die Schneeschaufel um, die Dad an die Hauswand gelehnt hatte. Dad und Filko starrten mich an als wäre ich ein Alien...
"Yemina! Was machst du hinter der Tonne?!" rief mein Vater erschrocken. "Ich ... da war eine Maus!" Ari kam an die Tür, fertog angezogen. "Die Mäuse halten jetzt Winterschlaf, Yemina!" sagte er grinsend. "Eben. ich wollte sie vor dem Erfrieren retten!" "Ich wette, Filko sieht jetzt auch gerade eine Maus hinter der Mülltonne!" lachte Ari. Oh, wie ich ihn hasste. Filko wurde knallrot und ich blitzte Ari wütend an. Mit meinen Lippen formte ich die Wort: Dafür wirst du bezahlen! Er lachte bloß und ging los.
Der einzige der nichts kapierte war mein vater.

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