Wenn der Herbst beginnt (2)
von
lissa
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Natürlich kam ich auch diesen Morgen mit Filko an der schule an. Meine Haare waren zerzaust. "Na, warste im Krieg?" fragte mich Nathalie spöttisch und Lou kicherte. Ich irgnorierte sie. Auf dem Schulhof standen schon jede Menge Kinder, unter ihnen Ari. Wütend ging ich hin. "Ari!" rief ich. Seine Freunde sahen mich neugierig an. Auf einmal kam mir eine klasse Idee. "Hey, Sister!" sagte er cool. "Dad ist stinksauer! Weil er den die Essensreste unter deinem Kopfkissen entdeckt hat!" sagte ich scharf. Sein lässiges Grinsen verschwand. Er sah mich feindseelig an. "Du Miststück!" Seine freunde grölten los. Grinsend drehte ich mich um. Und knallte voll gegen Marco.
Meine Knie schienen nachzugeben. Ich glubschte ihn an wie ein Fisch. "Hey, pass mal auf!" meckerte er los. "Sorry, hab wohl geträumt!" murmelte ich. "Von wem? Von dem Mathelehrer den du sp süß findest? Wie hieß er noch? Herr Tampe?" schrie Ari. Ich hätte ihn töten können. "Du stehst auf den Tampe???" fragte mich Marco ungläubig. "Nein, tu ich nicht. Das ist nur mein Bruder. Der labert nur Kacke." Marco warf mir noch einen abwertenden Blick zu und ging weg. Klar, mit mir gab er sich doch nicht ab. Er war schon in der Neunten!!!
Sofort watschelte Nathalie auf Marco zu. "Heey, Marco. Wie läufts?" säuselte sie und warf dabei ihre rötlich blonden Haare nach hinten. Mir wurde übel. "Ääääh, mir geht´s ganz gut, aber dir offentsichtlich nicht!" sagte Marco. "Stell dir vor, Yemina popelt immer in der Nase!" versuchte es Nathalie nochmal. Lou kicherte. "Das stimmt nicht!!!" rief ich den tränen nahe. Wie konnte sie nur solche Lügen erzählen!!!
Marco sagte nichts, er sah mich nur an. "Sie weint nur, weil ihr Vater im Krieg ist und ihre Mutter tot. Sie ist total die Heulsuse!" lästerte Nathalie weiter. Jetzt sah ich Mitleid in Marcos Augen. "Stimmt das?" "Nur dass meine Mutter tot ist!" murmelte ich und wandte mich ab. Heiß brannten mir die Tränen in den Augen. Er kam auf mich zu. "Das ist ja schlimm! Wann ist sie gestorben?" bohrte er weiter. Der schmerz schien mein Herz zu zerfressen. "Das ist doch scheißegal!!" schrie ich ihn an. Tränen rollten mir an den Wangen runter. Er zuckte zurück. Ich drehte mich zu Lou und Nathalie um. "Ich finde es überhaupt nicht lustig, wie ihr darüber herzieht. Vor allem du, Lou, du warst mal meine beste Freundin!!! Ihr wisst doch gar nicht wie das ist!!!" schrie ich außer mir vor Wut und Schmerz.
Ich hatte sie in diesem Moment so satt. Ich drehte mich um und rannte in die Schule. Es war mir unangenehm, dass ich so in Tränen ausgebrochen war. Erst als ich in der Eingangshalle stand, bemerkte ich Filko, der mir nachgelaufen war. "Hey, Yemina, bitte weine nicht!" bat er. Er sah so lieb aus wie er da stand. Ich umarmte ihn. "Danke Filko." sagte ich ehrlich. In diesem Moment war ich einfach nur so froh, dass er da war, dass mir sogar Lous Blick egal war.
Im Unterricht konnte ich mich kaum konzentrieren. Der Vorfall hatte mich aufgewühlt. Deutsch war sowieso mein Hassfach. "Yemina?" Ich schreckte hoch. "Ja, äääh, was?" "Das heißt wie bitte!" sagte er Nelder förmlich. "Entschuldigen sie bitte, ich habe nicht aufgepasst!" "Hach, Yemina, wie soll das nur weitergehen mit dir? Willst du sitzenbleiben?" Es klang so gar nicht nach Sorge sondern eher nach Spott. "Nein." antwortete ich ehrlich. "Dann pass gefälligst auf! Sonst muss ich leider Gottes deinen Vater kontaktieren!"
Kontaktieren! Oh, mein Gott. Wie scheiße kann man sein??? Missmutig malte ich weiter auf meinem Block herum. Plötzlich erreichte mich ein Zettel. Ich faltete ihn auf. "Yemina, hör nie auf zu lächeln, denn es gibt Menschen, die für dein Lächeln leben. Filko." Schon wieder schossen mir die Tränen in die Augen. Ich suchte seinen Blick und strahlte ihn an. Leider hatte ich vergessen, dass Lou neben mir saß. Wütend starrte sie mich an.
Konnte mir doch egal sein. Oder???
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