Wenn die Angst um' s Kind verrückt macht
von
Siglinde Maler
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Wenn die Angst um' s Kind verrückt macht
Wieder einmal war es Donnerstagabend, meine Schwester und ich waren auf dem Heimweg vom Meditationstreffen, das jeden Donnerstag im Meditationscenter
stattfindet. Das Auto, ein schon älteres Modell schob sich über Berge und Täler des vorderen Bayerischen Waldes.Bis zur Ankunft zu Hause beredeten wir noch dieLektüre von Maharischi Mahesch Yogie, dem Yogie der Meditationstechnik der Transcendentalen Meditation, die meine Schwester und ich seit ein par Jahren ausübten.
Es war wie meistens, spirituell anregend und körperlich entspannend, wenn nach gemeinschaftlicher Meditation ein Tape von und mit Maharischi angesehen wurde, das je nach Bedürfniss ein Thema behandelte.Meine Schwester hatte bei der Einführung und am Anfang des Meditierens erhebliche Skepsis dieser Technik gegenüber.
Wir hatten so manchen Disput über den Nutzen davon. Die Transcendentale Meditation ist eine Mantra- Meditation.Die Einführung in diese Technik erstreckt sich über 3 Tage, und wird von TM-Lehrern vorgenommen, die einem dann auch das persöhnliche Mantra geheim übermitteln. Meine Schwester hatte mir nach der Einfürung mein Mantra sozusagen abgeluxt.Sie stellte eine Frage so indireckt, auf das Unterbewußtsein gerichtet, dass ich ihr mein Mantra ,ohne mir dessen bewusst zu sein, verriet. Ich wusste damals sofort, dass ich etwas Unwiederbringliches verloren hatte. Vieles, so glaube ich ,ist dadurch schwerer gworden, als es normalerweise für mich gewesen wäre. Vier Jahre übten wir nun schon diese Technik aus, und ich stelle heute fest, dass es meine spirituelle Kraft,die Fähigkeit das reale Leben besser autentischer zu führen, stark beeinflusste , verbesserte. Der Richtigkeit halber muss ich auch sagen, dass mir diese klarere ehrlichere Lebenssicht auch sehr viel abverlangte. Ich würde sagen, dass es mich oft an die Grenze des Ertragbahren brachte.Hat man aber diesen Pfad einmal beschritten, bricht man ihn nicht mehr ab, auch nicht, wenn er das Letzte von einem verlangt, da die Selbsteinschätzung, und die seiner Umgebung stetig lebensnäher wird.
Man könnte sagen, dass man diese Qalitäten als überzeugter Christ auch in der Kirche findet, aber dem ist nicht so. Obwohl ich mich vorrangig als Christ
empfinde,- ich die Universalität jeder anderen Religion achte- ich aber die christliche Religion als die vielleicht spirituell spannendste erachte , brachte mir erst die TM die Möglichkeit , mich individuell , spirituell weiterzuentwickeln.
Ich war jetzt 36 Jahre Alt , mein Sohn 18 Jahre . Wir lebten in einem Haus,im Bayerischen Wald , das meinen Eltern gehörte-diese wohnten in einem Haus, das 40 meter neben unserem stand . Die Kämpfe zwischen mir und meinem Sohn , die die Pubertät mit sich bringt, waren leiser geworden.Das Leben im Haus, das den Eltern gehörte, das neben dem zweiten Haus der Eltern stand, hatte mich mürbe gemacht,da zwischen mir der Mutter und dem Bruder schon seit 10 Jahren Zwist über Grundsätzliches herrschte.Das zeigte sich in Gegensätzlichen Ansichten über Verhaltensweisen in der Familie, gegenseitigen Respekt,soziales Miteinander, kurz über Menschenwürde und Dergleichen.Bei dieser Auseinandersetzung war ich die Schwächere,ich konnte mich nicht durchsetzen. Aufgegeben aber hatte ich nicht.Langsam nur schlich sich in diesem stressbelastetem Umfeld bei mir ein Gefühl ein, etwas vergessen zu haben. Mein Sohn war die vergangenen 18 Jahre das Wichtigste für mich gewesen. Vor 10 Jahren hatte ich eine Abtreibung gehabt, nun aber regte sich bei mir der unterschwellige Wunsch, die Familie zu vergrössern , noch ein Kind zu bekommen. Dazu brauchte ich einen Mann.
Natürlich machte ich mich nicht einfach auf die Suche nach einem Mann, damit hatte ich früher schon schlechte Erfahrungen gemacht. Aber das Leben lenkte meinen Weg sozusagen in eine entsprechende Richtung. Unsere TM-Lehrerin, die in einer Kleinstadt im Bayerischen Wald lebte, flog zu einem Meditationskurs nach Indien.Meine Schwester wurde von ihr gebeten, ihre Familie, ihren Haushalt zu versorgen, solange sie nicht da war.Sie war von Anfang an die beliebteste von uns Beiden bei den Centerleitern. Zu dieser Zeit kamen indische Asylanten -Sicks-in die Kleinstadt. Sie lebten in einem Asylantenheim in besagter Stadt,und einige interressierten sich für TM.
Vor allem Einer gab vor, diese Technik lernen zu wollen.Er wurde eingeführt, und nahm an den Donnerstagabenden, den Meditationstreffen teil.Das war der erste Inder, den ich kennenlernte, und es passierte etwas spektakuläres.Die indische Spiritualität, ihre vor Leben sprühende Vitalität, beeindruckte mich und meine Schwester gleichzeitig. Der Inder hingegen flirtete mit meiner Schwester und mir auch gleichzeitig. Er suchte augenscheinlich eine Frau zum Heiraten, damit er in Deutschland bleiben konnte. Vor allem interressierte er sich für meine Schwester, sie war ja Besitzerin einer Eigentumswohnung, und offensichtlich sehr in ihn verliebt.Ich war auch in ihn verliebt, wir schwammen eben auf der Indienwelle.Aber nichts im Leben passiert ohne Grund, bei mir klopfte ein Kind an, und es wollte sich den Weg in dieses Leben wohl suchen. Im nachhinein bin ich froh, dass sich der Inder nicht für mich interressierte , das wäre für mich ein noch grösseres Disaster geworden. Meine Schwester zog mit ihrem Inder zusammen in eben dieser Kleinstadt. Eines Tages besuchten sie mich. Über ihr Kommen ertstaunt, bat ich sie ins Wohnzimmer. In einem Gespräch über TM bezeichnete mich der indische Freund meiner Schwester als sexistische , habgierige Frau. Angesichts meiner früheren Sympatien für ihn, tat mir das erst einmal sehr weh. Ich fühlte mich als Mensch und als Frau erniedrigt. Das war für mich die erste Berührung mit einer frauenfeindlichen Kultur, Religion, sie waren Sicks. Erst viel später , als meine Tochter gebohren war ,erkannte ich die Tragweite solcher Strukturen .Unterschiedliche Kulturen können aneinander zerbrechen, können sich auch gegenseitig bereichern. Nun, da ich ein Kind wollte und ich einen Vater brauchte, machte ich auf die Anregung meiner Schwester hin die Bekanntschaft eines weiteren Inders, der auch ein Bleiberecht brauchte, sozusagen eine deutsche Ehefrau.Ich ging diese Beziehung ein, wir heirateten. Die Hochzeit war eine Farce, ich machte mich bewusst hässlich. Im Gegensatz zu der Hochzeit meiner Schwester - sie heiratete auch ihren Inder - war ihre Feier eine Echte eben intergriert .
Zur Zeit unserer Hochzeit lebte ich mit meinem mir nun anvertrauten Mann in dem Haus, das meinen Eltern gehörte, in dem ich schon 14 Jahre, teils alleine, teils mit meinem Sohn wohnte. Mein Sohn konnte mit meinem "Mann" nichts anfangen, wie sollte er auch und zog zu meiner Mutter.Für ihn war es gewiss nicht einfach, seine Mutter so einfach, so schnell an einen Mann zu verlieren. Dafür aber hat er heute eine Schwester. Ich hingegen fing an, mich in dem Haus, das solange meine Heimat war , im Guten wie im Schlechten, fremd zu fühlen.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen