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Kategorien > Thriller > secret

When Fear is learning to fly 1

von Zahra Kritar

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When Fear is learning to fly 2

Nachdenklich betrachtete ich meinen Handrücken. Ein dünner Schnitt zog sich von Daum bis zum Puls. Fein, rot und bedrohlich. Ich atmete tief ein. Es konnte auch nur ein Zufall gewesen sein. Stimmen kann man sich einbilden. Und diese Verletzung hätte ich mir auch schon vorher zufügen können. Als ich zum Beispiel für Anna die Zeitung vorgelesen hatte. Es gab für alles eine Erklärung. Also, ruhig Hanna. Beruhige dich doch.
Entschlossen konzentrierte ich mich wieder auf meine Arbeit. Vor mir stand eine leere Leinwand, die nur darauf wartete, von mir mit Farbe eingekleidet zu werden.
So weit ich mich erinnern konnte, war ich schon immer künstlerisch begabt. Die Farbflasche kleckste ein paar schwarze Tropfen auf mein Tablett. Die Pinsel, stets durcheinander sowie mein Atelier. Alles stand herum. Unter beschmierten Leintüchern. Farbklecksen, die sich wie Fußspuren über den Boden zogen und ich. Ich, die genau dort hinzu gehören schien, wie die Farbe an den Wänden. Ich kniff die Augen zusammen, wie immer wenn ich etwas fertig gebracht hatte. Vorsichtig ging ich ein paar Schritte zurück und bewunderte mein Werk.
Gleichzeitig jagte aber auch ein gespenstischer Schauer über meinen Rücken. Die weiße Leinwand war nun düster. Schwarztöne übertrumpften sich mit einer noch dunkleren, intensiveren Färbung und von der Mitte des Bildes ging der Schrecken für alles aus.
Ein Mann ohne Gesicht, ohne einen wirklichen Körper wendete sich den Betrachter halb zu.
Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte seine Pechlippen, die genau so unbekannt waren wie seine Seele. Wer war dieser Mann?
Ich zitterte und ließ unbewusst den Pinsel fallen. So lichtlos dieses Gemälde auch war, es schien von allen mein bestes zu sein. Aus irgendeinem Grund spürte ich eine ganz besondere Verbindung zu diesen rätselhaften Schatten.
Ohne es zu verhindern sackte ich nach hinten weg. Den Sturtz spürte ich nicht mehr.
Ich sah nur diesen Schatten. Der anfing sich zu bewegen.
Als würde er aus dem Bild herauskommen! Alles verschwamm vor meinen Augen, dann war ich völlig bewusstlos.

So schutzlos, so klein und hilflos. Mein kleiner Vogel. So klein.
Was machst du nur? Was willst du nur?
Ich kann dir nicht mehr geben, kleiner Vogel. Nicht mehr.
So schutzlos, so klein und hilflos. Mein kleiner Vogel. So klein.

Manchmal gab es Zeiten in den man sich nach jemanden sehnte. Nach etwas.
Hanna kannte sie gut. Diese Zeiten. Beständig kamen sie. Wie Ebbe und Flut.
War sie doch schon zu lange alleine. Ihr Körper sehnte sich nach Zuneigung.
Nach zärtlichen Berührungen und verheißungsvoller Leidenschaft.
So war sie doch noch Jungfrau. So war sie doch noch ein Kind, als ihre Eltern starben.
Alleine. In einer fremden Welt. Was war dann? Wer hatte dann für Hanna gesorgt?
Die junge, so verletzliche Frau konnte sich nicht mehr erinnern. Nicht mehr, nachdem man sie getrennt hatte. War es eine schöne Zeit gewesen? Da waren nur noch die hoffnungsvollen Worte, eines Tages, mein Vogel, hohl ich dich zurück. Versprochen.
Kam da jemals jemand? Nein, alles nur Einbildung. Trostspende Phantasie.
Für ein kleines, einsames Mädchen.

Es klingelte und riss mich aus meinen Traum. Einer dieser Träume, die man gerne verlässt.
Zerzaust und müde machte ich die Tür auf. Prompt wurde ich kreischend empfangen.
Katie. Nur ein Wort. Mehr gab es zu diesen partysüchtigen Wesen nicht zu sagen.
Und genau das hatte sie jetzt auch vor. Sie wollte mich mit zu irgendeiner Party schleppen. Ich als absolute Spaßbremse. Als Träumerin und Langweilerin.
„Wir müssen was mit deinen Haaren machen, Schätzchen!“
Und schon zog sie mich ins Bad. Meinem Bad, in dem sie sich so auslebte, als wäre es ihrs.
Nur als Katie mir die Fingernägel lackieren wollte, hatte ich die Nase voll. Zum einen, weil sie den Schnitt nicht sehen sollte und zum anderen, weil ich jetzt endlich gehen wollte.
„Lass und verschwinden, Kat.“ sagte ich so begeistert, wie nur möglich. Katie, schon in Stimmung, merkte meine miserable Schauspielkunst nicht.
Und zehn Minuten später saß ich in ihrem silbernen BMW auf der Rückbank. Das Auto wurde immer voller und als wir wieder anhielten, fragte ich mich, ob Katie die ganze Stadt eingeladen hatte. Doch es war Vorschrift geworden. Wer abends nach 7 Uhr noch raus wollte hatte mindestens noch vier Begleiter bei sich. So besagte es die Stadtpolizei seit kurzen.
Wir hielten vor einem großen Club, der sich Viper nannte. Außen blinkten in rotem Neonlicht Buchstaben. Unter ihnen stand ein bulliger Mann. Schwarze Sonnenbrille und ein typisches Pockerface aufgesetzt. Natürlich kannte der Vorsteher Katie und ließ sie mit ihren Freunden passieren.
Im Club war es heiß und Zigarettenrauch verpestete die Luft. Eindeutig eine klassische Disco.
Alkohol floss in Strömen und die Menschen lachten, tanzten und sangen ausgelassen.
Kurz gesagt, ich fühlte mich völlig fehl am Platz. Nein, ich war fehl am Platz.
Schon nach kurzer Zeit verlor ich Katie aus den Augen und kannte auch keinen anderen, mit dem ich mich hätte unterhalten können. Ich bestellte mir nach anfänglichem Zögern ein Pina Colada. Das kühle Getränk beruhigte mich etwas und es dauerte nicht lang, bis mich schon der erste Typ anquatschte. Zweifels ohne, weil er zu besoffen war, um zu erkennen, das ich nicht gerade eine Schönheit war. Er erzählte sinnloses Zeug aus dem ich seinen Namen erfuhr. Aufmerksam schaute ich ihn an, aber mir wurde dennoch langweilig. Mein Gehirn schaltete ab und ich unterbrach diesen armen Kerl, der kaum noch auf den Beinen stehen konnte.
„Hör ma, Jeff, ich geh mal raus. Frische Luft schnappen.“ Er verstand mich über den Lärm der Boxen nicht. Ich brüllte ihn noch einmal ohne Erfolg an und drehte mich dann einfach um. Was ich nicht wusste, dass Jeff mir folgte.

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Kommentare

Bonita schrieb am 2008-06-30 19:43:18:
Hey ist ja echt schade, dass noch niemand was geschrieben hat...
Die Geschichte ist echt klasse und ich hoffe bald mehr lesen zu können! Pina Colada ja? Wirklich gute Wahl! Nicht so langweilig wie Wodka oder Wiskie...

Lg
Bonita

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