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Kategorien > Surrealismus > Skuriles

Wie die Fliegen aufm Scheißhaufen

von Samuel

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Es war 9Uhr 43 Minuten und 56 Sekunden. Der Bus der Linie 2030 hatte leichte Verspätung. Laut Fahrplan hätte er hier schon um 9:00Uhr passieren sollen.

Die Menschen, die sich an der Bushaltestelle versammelt hatten, fingen schon an, sich aus lauter Langeweile mit Käsestückchen, die komischerweise auf der Straße lagen, zu bespucken. Einem kleinen Jungen flog beim Auslachen der Anderen ein riesengroßer, grüner Popel aus der Nase. Der verhärtete Nasenschleim, gut gezielt und eingeölt, verfehlte sein Opfer, eine Ameise, nur knapp. Doch durch eine Erschütterung, ausgelöst von einem Fuß, der eine qualmenden Zigarette, die auf dem Boden lag, zertrat, erlag die Ameise einem schweren Herzinfarkt, an dem auch ihr hoher Blutdruck nicht ganz unschuldig war.

Nur wenige wussten, dass sich die Ameise in der Vergangenheit sehr oft stark aufgeregt hatte. Vor allen Dingen und immer öfter, über die enorm hohe Arbeitslosenzahl im Ameisenhaufen. Doch der war mittlerweile sowieso schon von dem großen Ameisenbären, der aus dem Zoo um die Ecke, der gerade Inventur machte, ausgebrochen war, ausgesaugt worden und deshalb war es der Ameise gar nicht mehr so schwer gefallen, sich dem Tod zu stellen.

Eine ältere Frau, die auch schon Oma war, holte indessen ihren Gehstock mit einem in der Spitze eingelassenem Klappmesser heraus und stach es einem stinkenden Penner vor ihr in den Rücken, genau zwischen den fünften und sechsten Wirbel. Dieser hatte höllische Rückenschmerzen gehabt und die ältere Dame deswegen höflichst um eine Akupunktur gebeten. Die alte Frau hatte dies früher ohnehin schon beruflich gemacht und freute sich deshalb immer wieder darüber, wenn sie das Gelernte mal wieder anwenden konnte, bevor sie es für immer vergessen würde. Die alte Frau hatte nämlich Alzheimer und würde auch bald sterben, weil sie außerdem Raucherin war und Aids hatte.

Ein Mann um die 30 musste ganz schnell mit dem Bus in die Stadt ins Krankenhaus, denn er hatte, nicht ganz aus Versehen, eine 0,5 Liter Flasche mit dem Hintern verschluckt, als er zu Hause, auf Rat seiner Freunde, versucht hatte sich im Badezimmer seiner 2-Zimmer Wohnung einen zu blasen (was allerdings nicht funktioniert hatte, da sein Penis nicht die erforderte Größe besaß und er deshalb nicht dran gekommen war) und der arme Mann doch tatsächlich mit dem Hintern auf eine 0,5 Liter Kolaflasche, die da so ganz zufälliger Weise rumstand, fiel. Dieser Mann hatte echt unglaubliches Pech gehabt.

Während sich der Bus der Linie 2030 endlich, aber nur langsam, näherte, fingen die Leute an der Bushaltestelle an in höllische Panik auszubrechen und wie wild um die besten Platze am Einstieg zu buhlen. Ein vorpubertärer Jugendlicher versetzte dabei einem Mann um die 40 einen gewaltigen Stoß nach vorne und der Mann stolperte geradewegs auf die Straße. Panisch schaute er auf den Bus, der noch gut einen Kilometer entfernt war, doch der Alte wusste, dass es kein entrinnen mehr gab und deswegen fing er laut an zu kreischen, wie ein Mädchen.

Leider konnte der blutdurstige Bus nicht mehr ausweichen und fuhr den Mann mit vollen 5 Km/h an. Seine Beine knickten unterhalb der Oberschenkel nach vorne (das macht in etwa so ein Geräusch, wie wenn man ein Schneckenhaus zertritt, nur lauter) und Knochen schauten, erfreut vom Anblick der Außenwelt, munter aus der Kniekehle heraus. Das hört sich brutal an, hat sich aber so zugetragen.

Da der Mann vorher aber ganze 207 cm hoch war und er immer als »riesiges Ungeheuer« beschimpft wurde, störte ihn die Kürzung auf ¾ seiner Körperlänge vorerst nicht (doch zwei Tage später musste er feststellten, dass die Leute ihn nun wegen seiner zu geringen Körpergröße verspotteten und deshalb beschloss er, sich aus Langeweile aus seinem Auto zu stürzen. Dabei knallte er mit dem Kopf gegen einen LKW und mit einer Gehirnerschütterung und Platzwunden am ganzen Körper musste er dann auch noch ins Krankenhaus, weil der LKW-Fahrer ihn dazu nötigte um sein Gewissen zu beruhigen. Doch drei Tage später verstarb der Alte leider im Krankenhaus an einer heimtückischen Virusinfektion, die sich Aufgrund mangelnder Hygiene des Personals eingeschlichen hatte). Die Beine wuchsen unterhalb der Knie schnell wieder zusammen und so konnte er sich wieder fröhlich auf den Weg in den Bus machen.

Als alle Passanten frisch geduscht und mit geputzten Zähnen in den Bus gestiegen waren, fuhr dieser, vom Blutrausch gestillt, mit einem fröhlichen Liedchen auf der Stoßstange in die Stadt. Danach fuhr er, wie immer, zurück zu dieser Haltestelle und so ging das immer weiter, bis der Sprit alle war und der Bus verschrottet wurde, weil er dann nämlich schon längst veraltet war und durch ein neues Model ersetzt wurde.

Und alle waren glücklich und starben am Ende ihres Lebens.

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