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Kategorien > Humor > Satire

Wie die Sache mit Adam und Eva wirklich war ...

von André Reniez

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Den ganzen Tag über hatte ich vor dem Bildschirm gesessen und das Internet nach Informationen durchforstet. Jetzt war ich schon ziemlich müde und meine Augen begannen langsam zu tränen. Aber irgendwie fiel es mir schwer, das Gerät abzuschalten und an etwas anderes zu denken. Also zappte ich zu einer Website, auf der man nett mit anderen Menschen plaudern konnte ... ach ja, chatten nennt man das ja jetzt!
Aber heute war wohl nicht so mein Tag: Nur wenige Chatter trieben sich da in der Hoffnung auf passende Gesprächspartner herum und die wenigen teilnehmenden weiblichen Nicknamen antworteten nicht auf meine Kontaktbemühungen – wahrscheinlich wurden sie von den in der Überzahl befindlichen männlichen Seitenbesuchern so oft angesprochen, dass sie generell nicht mehr antworteten, sondern sich nur auf einige wenige bereits laufende Gespräche konzentrierten.
Aber so ganz wollte ich noch nicht aufgeben, denn außer dem schmutzigen Geschirr vom Mittagessen gab es niemanden, der auf mich gewartet hätte und um vom Schreibtisch aufzustehen und ins Schlafzimmer zu gehen, fehlte es mir ehrlich gestanden an Energie. Tja, es gibt Tage, an denen man so müde ist, dass man nicht einmal mehr die Kraft aufbringt, schlafen zu gehen.
Also blieb ich in einem der allgemeinen Gruppenchaträume und beobachtete ohne besondere Konzentration die virtuellen Gespräche einiger Chatterinnen und Chatter. Nichts besonderes, nur Alltagsgerede über dies und jenes. Nicht unbedingt niveaulos, aber ganz bestimmt ohne jeden Tiefgang.
Mit der Zeit aber stach mir ein Chatter ins Auge, der sich selbst „Gnomus“ genannt hatte: Egal, was irgend jemand zum Besten gab, „Gnomus“ hatte zu allem und jedem einen Kommentar abzugeben und verbreitete sich ellenlang über alle Stichworte, die im Chat auftauchten. Nicht, dass dieser „Gnomus“ durch besonderes Einfühlungsvermögen geglänzt hätte, aber zumindest eines konnte man ihm ohne weiteres bestätigen – einen enorm weiten Horizont. Er ließ wahrlich nichts aus, von einem gehässigen Kommentar zu den gehäkelten Tischdeckchen, über die eine Chatterin namens „Sonnenstrahl“ berichtete, bis hin zu absolut ernst gemeinten Vorschlägen, wie ein Chatter namens „Ernst“ mit der Bulimieerkrankung seiner pubertierenden Tochter umzugehen hätte.
Allerdings stießen diese Bemerkungen und Kommentare nicht unbedingt auf die Gegenliebe der übrigen Chatteilnehmer, denn mit der Zeit wurde es immer leerer in dem normalerweise gut besuchten Chatroom. Und neu dazu geschaltete Teilnehmerinnen und Teilnehmer verließen schon nach kurzer Zeit wieder die Website, sobald sie sich durch „Gnomus“ und seine manchmal etwas wirren Kommentare in ihren Gesprächen gestört fühlten.
Und auch mir reichte es endgültig: Mit einer letzten Aufbietung meines Willens schaltete ich den Computer ab und schlurfte ins Bad, um nach einem kurzen Zwischenstop todmüde ins Bett zu wanken. Dementsprechend hatte ich kaum die Hand vom Lichtschalter genommen und mich bequem ausgestreckt, als mir auch schon die Augen zufielen und ich in tiefen Schlaf sank ...

*

Auf der einen Ebene war es mir absolut bewußt, dass ich mich in einem Traum befand. Andererseits waren alle Eindrücke, die da auf mich einströmten, absolut real: Das Gras unter meinen Füssen, der laue Lufthauch, der meine Haut umschmeichelte. Ja sogar die Gerüche, die der Wind mit sich trug, konnte ich mir realer nicht vorstellen: Der frische Duft von Blumen, ich konnte sogar einzelne Düfte unterscheiden Rosen, Feilchen, Oleander ...
Und erst die Geräusche! Das Summen der Insekten auf der sonnendurchstrahlten Wiese schien ein ununterbrochenes Brummen zu sein, von ferne erschallten einzelne Rufe größerer Tiere, die ich nicht zuordnen konnte. Dazwischen das leise Kreischen zahlloser langbeiniger Vögel, die in einiger Entfernung durch das Wasser eines bis zum Horizont reichenden Sees staksten und kleine Fische aus dem Wasser holten.
Mit einem Wort: So einen Grad an Realität hatte noch nie einer meiner Träume erreicht! Ich beschloß, mich ein wenig umzusehen und war gespannt, was ich hier noch alles entdecken würde.
Kurz entschlossen marschierte ich los, einfach der Uferlinie des Sees folgend. Und offenbar hatte ich instinktiv die richtige Seite gewählt, denn schon nach kurzer Zeit gelangte ich an eine Bucht, in der der blütenweiße Sand die unglaubliche Bläue des Wassers erst so richtig zu Geltung brachte. Jedes Fünfsternehotel in der Karibik hätte jede erdenkliche Summe Geldes dafür gegeben, seinen Gästen einen derartigen Strand bieten zu können. Aber hier war ich der einzige Mensch weit und breit. Und fast schien es mir, als wäre ich in diesem Traum der einzige Mensch auf der gesamten Welt, denn die Herde Zebras, die keine zehn Schritte vor mir zur Tränke ans Wasser gekommen war, zeigte keinerlei Scheu vor mir! Unglaublich: Da stakste ein kaum wenige Tage altes Zebra neben seiner Mutter zum Wasser, nahm ein paar Maulvoll, um dann noch etwas hölzern auf mich zuzulaufen und an meinen Armen zu schnuppern. Dann trottete es zufrieden prustend wieder zurück zu seiner Mutter, die den ganzen Vorgang ohne das geringste Zeichen von Beunruhigung hatte geschehen lassen. Und dort kamen aus dem dichten und meterhohen Gras ein paar kleine schwarzweiße Affen, die sich laut schnatternd unterhielten, während sie spielerisch auf das Wasser zutollten. Ich hielt den Atem an: Unmittelbar dort, wo die Affen das Wasser erreichen würden, räkelte sich in der Sonne ein Koloss von einem Aligator, den ich auf vielleicht sechs Meter Länge schätzte – ein Schritt noch oder zwei, dann brauchte der Räuber nur noch das Maul mit den Reihen gnadenloser Zähne aufzureißen und es wäre um den wagemutigsten der Affen geschehen ... aber nichts dergleichen geschah! Die Primaten tollten im kühlen Naß wie übermütige Kinder, schnatterten dabei unentwegt, spritzten mit flinken Bewegungen ihre Artgenossen naß ... und der Alligator verfolgte das Spiel nur mit einer leichten Bewegung seiner Augen, blieb aber sonst unbeweglich im Wasser liegen!
Allmählich fragte ich mich, was das für ein seltsamer Traum sein mußte – die übergroße Realitätsempfindung, die angstfreie und absolut harmonische Koexistenz von Arten, die in meiner „echten“ Realität einfach keine gemeinsamen Lebensräume bewohnen konnten ... sollte ich mir Sorgen über meinen Geisteszustand machen? War ich in einer Art Zeitsprung in eine völlig andere Realität gerutscht? War das überhaupt ein Traum? Mit einem Mal wurde mir bewußt, dass ich eigentlich allen Grund hätte, angesichts dieser seltsamen Erfahrung Angst zu verspüren. Aber da war keine Angst, im Gegenteil verspürte ich ein nie gekanntes Gefühl von Geborgenheit und Zufriedenheit. Also beschloss ich, alles weitere einfach auf mich zukommen zu lassen und mitzuspielen, egal was als Nächstes auf mich zukommen sollte.
Behutsam, um weder die Affen noch die Zebraherde zu erschrecken, querte ich die große Fläche weißen Sandes. Aber schon nach wenigen Schritten erkannte ich, dass meine Vorsicht wohl übertrieben

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Kommentare

UnbekannT :D:D schrieb am 2009-10-27 15:33:23:
Na Und !?
:D

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