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Kategorien > Humor > Satire

Wie die Sache mit Adam und Eva wirklich war ...

von André Reniez

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Apfel in die Hand drückte: „Hier, der soll etwas ganz besonderes sein. Das hat zumindest die Schlange gesagt. Also will ich ihn dir schenken, liebster Adam. Schließlich bist du für mich auch etwas ganz Besonderes!“ Und sie strahlte über das ganze Gesicht und man konnte ihre Liebe förmlich spüren. Adam beugte sich zu ihr und küsste sie statt einer Antwort. Dann hob er den Apfel an seinen Mund und biß herzhaft hinein, bevor ich noch irgend ein Wort sagen konnte ...

Keine Stimme aus dem Himmel erschallte vorwurfsvoll, auch keine Gewitterwolken ballten sich plötzlich über unseren Häuptern zusammen. Nichts. Alles war so wie zuvor auch. Nur an Adams Blick bemerkte ich eine winzige Veränderung, die ich aber nicht deuten konnte. „Ah, Granny Smith, der grüne Apfel mit einem Säuregehalt von durchschnittlich 33,6 bis 54,2 Prozent! Im Gegensatz zu anderen Sorten wird dieser Apfel gemeinhin ...“ Eva und ich sahen einander erstaunt an. Verständnislos schüttelte das Mädchen den Kopf, bevor wir uns wieder Adam zuwandten. Der hatte inzwischen weiter geredet, als hätte er ein Lexikon auswendig gelernt: „... wird etwas früher als die anderen Sorten reif, nämlich gegen Ende August.“ Triumphierend blickte Adam sich um. „Na, wie bin ich? So ein wenig Erkenntnis ist ja gar nicht übel. Schließlich hat der Herr mir doch aufgetragen, die Tiere und die Pflanzen und alles andere zu benennen, oder?“
„Adam, was ist denn geschehen? Wie fühlst du dich denn? Irgendwie bist du plötzlich anders!“ rief Eva und schlang ihre Arme um den geliebten Mann.
„Ich fühle mich pudelwohl“, antwortete Adam, „Doch ich hoffe, Deine Besorgnis über meinen Zustand artet nicht in ein ausgewachsenes Borderline Syndrom aus, denn das ist oft eine Folge übermäßiger psychosozialer ...“
Den Rest konnte ich zum Glück nicht mehr hören, denn die beiden entfernten sich langsam von mir. Doch an den Gesten konnte ich erkennen, dass Adam ungebremst weiter dozierte, während Eva mit erschrecktem Gesichtsausdruck zu ihm hochsah und mit beiden Händen seine rechte Hand umklammerte, während er mit seiner Linken mit großen Gesten seine Worte zu illustrieren versuchte.
Etwas benommen blieb ich im Schatten der Bäume stehen: So also machte sich der Genuß der „Frucht der Erkenntnis“ bemerkbar – es schien so, als würde Adam völlig den Kontakt zur Realität verlieren und nur in seiner künstlichen Welt der Fachbegriffe und der wissenschaftlichen und semiwissenschaftlichen Kategorien leben. Nicht einmal die echte Sorge seiner Lebensgefährtin hatte er wahrnehmen und durch eine menschliche Reaktion erwidern können, sondern stattdessen sofort sein Bemühen um Verbalisierung und Kategorisierung auf ein Höchstmaß gesteigert, um seine Eindrücke sofort in Fachbegriffe kleiden zu können. Arme Eva! Was hatte sie da nur angestellt! Wäre ein bißchen weniger Erkenntnis und ein wenig mehr Menschlichkeit nicht eher erstrebenswert?
Aber eigentlich war es ja offenbar meine Aufgabe, hier irgend etwas zu bewirken oder wenigstens zu beobachten – und das konnte ich nur schwer, wenn ich Adam und Eva davonlaufen ließ und es mir hier bequem einrichtete. Also raffte ich mich auf, um den beiden zu folgen.
Es dauerte ein paar Minuten, dann hatte ich die beiden eingeholt: Adam immer noch weitausholend gestikulierend, während er der ziemlich verwirrten Eva alles und jedes zu erklären versuchte, was ihm vor die Füsse oder besser gesagt in sein Blickfeld geriet. „Sieh’ nur, eine Carnivora Maxima! Sie ernährt sich vorzugsweise von den Plastozyklen der im Glazialbereich mit einer Häufigkeit von über achtzig Prozent auftretenden ...“ Als ich näher trat, erkannte ich, dass Eva den Tränen nahe war, während Adams Redefluß auf sie niederprasselte. Nur ganz leise flüsterte sie: „Herr, so hilf doch!“ Und schon bildete sich neben den beiden eine weiße, von innen her leuchtende Wolke, aus der eine Stimme dröhnte: „Nun, meine Kinder, wie geht es euch?“
Adam, etwas irritiert davon, in seinen Erklärungen gestoppt zu werden, wandte sich abrupt der Wolke zu: „Herr, soeben habe ich Eva die Wirkung luzider Transzendenz im Metafeld kognitiver ...“
„Halt!“ dröhnte es aus der Wolke. „Das hält ja keiner aus! Was tust du denn da, Adam?“
„Wie gesagt, Herr, ich versuche gerade, Eva die grundlegende wissenschaftliche Bedeutung beizubringen, die eine Transzendenz im Wirkungsbereich ...“
„Adam, Adam! Halt ein!“ unterbrach es ihn aus der Wolke. „Sieh’ dich doch einmal um: Ist diese Welt nicht wunderschön, die ich für euch beide geschaffen habe?“
„Ja, Herr“, erwiderte Adam fahrig und trat dabei von einem Bein aufs andere. „Aber ein wenig Erkenntnis macht das Verständnis und die metaphysische Nachvollziehbarkeit ...“
Aus der Wolke war ein tiefes Stöhnen zu vernehmen. Adam schien es zu überhören. Stattdessen sprach er unbeirrt weiter, wobei er in bewährter Weise mit der einen Hand wild gestikulierte und mit der anderen Eva am Oberarm festhielt, ohne sich ihrer Gegenwart wirklich bewußt zu werden.
„Adam, du tust mir weh“, jammerte Eva und versuchte vergeblich, sich aus Adams festem Griff zu befreien. „Wie bitte?“ Adam schien aus einer völlig anderen Welt zurückzukehren, als er sich sichtlich irritiert der zappelnden Eva zuwandte. „Oh, das wird ein blauer Fleck auf deinem Arm, Eva!“, stellte er sachlich nüchtern fest, „Das kann vorkommen, wenn der permanente äußere Druck auf eine Hautstelle die Maximalkraft der Zellmembranresistenz übersteigt und ...“
Eva gelang es endlich, sich loszureißen. Hastig suchte sie Schutz hinter der weißen, sprechenden Wolke.
„Schluss jetzt, Adam!“, schallte es aus diesem Wolkengebilde. „Du hast ja jede Menschlichkeit verloren! Ich sollte dich aus dem Paradies jagen, denn du bist nicht mehr imstande, dessen Schönheit überhaupt noch wahrzunehmen. Alles mußt du analysieren und mit Fachausdrücken benennen – das ist nicht der Sinn des Paradieses. Eva dagegen kann hier bleiben, denn sie hat den Blick für die wahre Schönheit der Schöpfung und ihre Dankbarkeit noch nicht verloren!“
Adam schien einen Augenblick sprachlos. Dann legte er so richtig los: „Herr, es mag zwar sein, dass Du mich in Deiner Eigenschaft als Schöpfer aus dem Paradies verjagen kannst. Nach dem Familienintegrations- und Angehörigenzusammenführungsgesetz jedoch kann es mir nicht verwehrt werden, Eva regelmäßig hier im Paradies zu besuchen. Schließlich ist sie aus einer meiner Rippen entstanden und somit eine direkte Blutsverwandte. Ich schlage also vor, ...“
„JETZT REICHT ES! ICH WILL KEINEN MENSCHEN MEHR HIER IN MEINEM PARADIES SEHEN!“ donnerte es da aus der Wolke.
Und kurze Zeit später begleitete ich Adam und Eva, die das Paradies verließen: Eva schniefend und mit tränenverhangenen Augen, Adam dagegen aufgekratzt und alles analysierend, was er am Wegesrand vorfand. Mit der Zeit ging mir sein Gebrabbel ziemlich auf die Nerven und ich verlangsamte meine Schritte, um gemächlich hinter den beiden zurück zu bleiben. Als dann die beiden ersten Menschen langsam außer Sichtweite gerieten und auch Adams Stimme

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Kommentare

Laura.Cecere@web.de schrieb am 2011-01-11 18:11:42:
ich möchte mehr wissen über adam und eva.
UnbekannT :D:D schrieb am 2009-10-27 15:33:23:
Na Und !?
:D

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