Wie die kleine Kerze ihren Platz fand
von
Klara H
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Die ganze Geschichte fing im kleinen Laden an der Ecke an. Er war sehr eng und mit Regalen vollgestellt. Im hintersten standen wir. Ganz oben, im letzten Fach und warteten, dass jemand kommt und uns kaufen würde. Doch uns Kerzen kaufte man nicht mitten im Sommer. Das Geschäft lief am besten in der Weihnachtszeit und die war erst in einem halben Jahr. Zum Glück kamen auch manchmal Kunden, die Kerzen für die Geburtstagstorte brauchten und meistens gingen sie mit einer großen Schachtel mit grell bunten Kerzen wieder aus dem Laden. Auch die Schachtel, in der ich lag, bestand aus vielen verschiedenen Kerzen. Es gab zwei lila, zwei grüne, zwei gelbe, zwei rosa, zwei blaue Kerzen. Und natürlich gab es noch mich, eine rote Kerze. Ich war die kleinste Kerze in der ganzen Packung und ich wusste gleich, dass das nie gut gehen konnte.
Ich weiß noch, dass es ein Samstag war. Eine kleine Frau kam in den Laden und fragte nach einer Schachtel mit vielen bunten Kerzen. Unser Chef ging wie immer zum hintersten Regal, wo wir ganz oben und in der hintersten Ecke standen. Außer uns, war keine Schachtel mehr in dem Fach des Regals und meine Mitbewohner wurden schon unruhig. „Hier oben sind wir!“, hörte ich eine Stimme neben mir und dann kamen noch ein paar Beschwerden und Nörgeleien von vorne, wie zum Beispiel: „Jetzt nimm bitte mal uns hier heraus. Die Luft wird schon schlecht“ oder „Wir wollen unsere Zukunft nicht in diesem staubigen Regal verbringen!“ Und tatsächlich! Der dicke Ladenbesitzer griff mit der Hand ins oberste Fach und nach unsere Schachtel. Ich hörte laute Freudenschreie und konnte nur noch leise verstehen, wie der Ladenbesitzer der Kundin erklärte: „Es tut mir Leid, aber wir haben im Moment keine anderen Kerzen hier. Sie müssten diese hier nehmen, oder warten, bis die nächste Lieferung kommt.“ „Diese hier sind vollkommen ausreichend. Mehr brauche ich nicht. Meine Tochter wird nur zehn Jahre alt. Eine Kerze bleibt also so wieso übrig.“ Die Freudenfeier, die in der Schachtel veranstaltet wurde, hörte urplötzlich auf und alle waren ganz still. Was hatte diese Dame gerade gesagt? Es würden nur zehn Kerzen gebraucht und die elfte aus dieser Schachtel würde liegen bleiben? Das war ja schrecklich. Die Kundin bezahlte, verabschiedete sich und ging hinaus, auf die von Menschen vollgestopfte Straße. Wir wurden in eine Einkaufstasche im Auto gepackt. Zwischen Gemüse und Obst gequetscht, fuhren wir los.
Nach ungefähr zehn Minuten hielten wir vor einem großen Haus mit einem kleinen Vorgarten und unsere neue Chefin stieg aus dem Auto und holte uns aus dem Kofferraum.
Von innen war das Haus nicht weniger eindrucksvoll. Eine große Treppe führte vom geräumigen Flur ins Obergeschoss. Doch wir wurden nicht mit hoch genommen, sondern bekamen einen Platz auf dem Tisch in der Küche, die am Wohnzimmer lag. Die Frau, die uns gekauft hatte, machte die Schachtel auf und ließ uns auf den Tisch rollen. Dann holte sie eine große, mit Sahne überzogene, Torte und stellte sie neben uns hin. Ich hoffte, ich würde auch einen Platz auf dieser einmaligen Torte bekommen. Es war die Schönste, die ich jemals gesehen hatte und ich hatte schon eine Menge Erfahrung, was Torten und Kuchen anging. Immerhin war ich eine waschechte Geburtstagskuchenkerze. Entzückt sah ich den Traum von einer Torte an. Mit ein wenig Glück, würde ich noch heute darauf sitzen und ich würde dann nie mehr Angst haben, ich könnte eines Tages als Kerze in einer Laterne landen, wie es meinem Vetter passiert war.
Jetzt fing die Frau an, die Kerzen auf die Torte zu heben und sie langsam in der Sahne leicht versinken zu lassen, so dass diese nicht umkippten. Erst kam eine blaue, dann eine grüne, schließlich eine gelbe, und wieder eine grüne.... So ging es weiter bis schließlich nur noch ein Platz auf der Torte übrig war, aber noch zwei Kerzen auf dem Tisch lagen: Ich und ein rosa Kerze. Ängstlich sah ich von der Torte zu der Frau, die ihre Hand ausstreckte und nach der rosa Kerze neben mir griff. Ich war kurz davor in Tränen auszubrechen. Warum hat sie mich nicht genommen? Mochte sie die Farbe rot etwa nicht oder war ich einfach nur zu klein? Fröhlich summend verließ die Frau die Küche. Die Torte hatte sie mitgenommen, aber ich lag ganz alleine auf dem harten Küchentisch und wartete, bis mich jemand abholte. Aber niemand kam, um mich zu holen. Nach ein paar Stunden schlief ich ein und wachte erst mitten in der Nacht auf. Ich hatte ein Geräusch gehört. Gerade als ich mich zur Seite drehen wollte, wurde ich mit einer Pfote vom Tisch gerissen. Ich fiel auf den harten Boden und rollte ins Wohnzimmer unter einen großen Schrank. Jetzt sah ich, wer mich vom Tisch geschubst hatte. Eine kleine Katze kam auf mich zu und sagte: „Es tut mir so leid. Das wollte ich nicht. Ich wusste doch nicht, das du auf dem Tisch liegst. Ich hol dich wieder heraus. Das verspreche ich dir.“ Dann ging sie wieder.
Ein halbes Jahr verging und es war Heilig Abend. Ich hatte mich ganz allmählich schon an den Staub und Dreck gewöhnt, der unter dem Schrank lag. Das Versprechen von der Katze hatte ich zwar nicht vergessen, aber ich wusste, sie würde es nie schaffen, mich hier heraus zu holen und eine positive Sache gab es: Von dem Platz unter dem Schrank aus konnte ich das ganze Wohnzimmer sehen.
Während ich so vor mich hinsummte, ging die Wohnzimmertür plötzlich auf und es wurde ein großer Weihnachtsbaum hereingebracht und nur ein bis zwei Meter von mir entfernt, aufgestellt. Es war ein wunderschöner Baum, bei dem die Äste und Nadeln dicht beieinander lagen. Zwei Kinder kamen ins Zimmer gestürmt. Sie hatten viele Schachteln unter den Arm geklemmt und fingen an den Baum mit Lametta, roten und silbernen Kugeln, Sternen und Kerzen zu schmücken. Gegen Abend dann, waren sie fertig und zündeten die Kerzen an. Nachdem dies geschehen war und die Kinder den Baum betrachteten, rief der Junge plötzlich: „Oh nein! Da fehlt ja eine Kerze. Wer hat die denn weggetan? Wir müssen schnell eine andere an den Platz stellen.“ Das Mädchen rannte zum Tisch, wo die Schachteln lagen, in der vor ein paar Stunden noch der Baumschmuck gelegen hatte und sie fing an, nach einer Kerze zu suchen. Dann sagte sie: „Wir haben keine roten Kerzen mehr. Nur noch grüne und blaue!“ Der Junge schüttelte den Kopf, als wollte er sagen, dass grüne und blaue Kerzen einfach nicht für den perfekten Weihnachtsbaum bestimmt wären.
Stundenlang suchten die Kinder nach einer roten Kerze.
Die Katze, die mich vor einem halben Jahr vom Tisch geschmissen hatte, saß nur ein kleines Stück von mir entfernt, stand plötzlich auf, zwinkerte mir zu und lief schnurstracks zum Baum hin. Sie rüttelte sanft an einem der Äste und eine Kugel fiel herunter und kullerte neben mich unter den Schrank. Die Kinder, die das gehört hatten, gingen zum Schrank und das Mädchen kniete sich hin. Vorsichtig guckte sie unter den Schrank und sah mich und die Kugel dort liegen. Sie lächelte, nahm mich und hielt mich ihrem Bruder vor die Nase, der
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Kommentare
Heartbreaker schrieb am 2009-10-30 12:34:38:
eine wirklich tolle geschichte, ich kann eig. nur luna recht geben.
sie hat mir wirklich sehr gefallen, es hat spaß gemacht sie zu lesen ;)
mein kompliment
Luna schrieb am 2009-10-06 18:50:43:
Liebe Klara,
das ist eine total schöne Geschichte. So richtig zum schmunzeln. Sie hat mir soooooo gut gefallen.
Lieben Gruß
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