Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Mysterie > Fantastisches

Wie ich gestorben war...

von Geri Kuba

1 2

Der blutüberströmte Körper im Gebüsch neben dem alten Handelsweg zuckte noch ein wenig, und lag dann regungslos in einer riesigen Blutlache. Der hagere Mann mit den schulterlangen Haaren, und den seltsamen, gebauschten Pluderhosen, betrachtete noch eine ganze Weile den zerschundenen Leichnam, und warf schließlich den dicken Stock, den er in der Hand gehalten hatte, in das Gestrüpp vor ihm. Ein grausames Lächeln stahl sich auf seine schmalen Lippen.
"Wohl wohl, hat dich die gerechte Strafe also jetzt schon erreicht...." -raunte er, und stimmte dann ein hysterisches Lachen an.
Schließlich drehte er sich um und eilte fort von der Stätte des Grauens.
Inzwischen floß das Blut bereits in dünnen Rinnsalen auf den Weg und versickerte langsam im trockenen Boden.

*

Ich schrak auf, wie aus tiefstem Schlaf, unfähig meine Gedanken zu ordnen. Schreckliche Bilder von Blut und Gewalt drangen in mein wiedererwachtes Bewußtsein. Wer war diese Leiche gewesen? Jäh überfiel mich die Gewißheit ein kaltblütiger Mörder zu sein. Ich setzte mich auf und wankte ins Badezimmer um mir das Gesicht zu waschen. Meine Hände zitterten aber so sehr, daß ich mir mit den Fingernägeln unbemerkt die Lippen aufriss. Der Anblick meines blutverschmierten Gesichtes im Spiegel über dem edlen Marmorwaschbecken ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Schließlich löste sich all das soeben erfahrene Grauen in mir, ein gequälter Aufschrei drang ungehemmt aus meinem Mund, gnädige Ohnmacht umfing mich, und ich stürzte haltlos zu Boden.

Ein sonderbares Gefühl, wie auf weichem, morastigen Boden zu liegen, drang sanft in mein Bewußtsein, nur ganz langsam nahm ich meine Umgebung wieder wahr.

"Herr Graf, um Gottes Willen, was ist denn mit Ihnen?" -Johannes, mein treuer Buttler und Vertrauter, hatte meinen Schrei gehört und war sofort herbei geeilt. "Sie sehen ja furchtbar aus!"

"Hab ich geschlafen...?" -ich fühlte mich gleichsam außerhalb meines Körpers stehend. "Johannes...Sie.. ach herjeh, wo kommt denn all das Blut her?"
Er antwortete mir erst nicht, sah mich nur aus seinen großen Augen forschend an. Dann meinte er anklagend ".. Sie haben es wieder alleine versucht, richtig?"
Ich rappelte mich hoch, und nachdem ich schwankend mein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, entgegnete ich trotzig: "ja, aber diesmal mit Erfolg. Ich habe mich selbst gesehen Johannes, und bei allen Heiligen, mir scheint ich bin ein gemeiner Mörder!"

"Bleiben Sie trotzdem bei meiner Methode" - meinte er eindringlich, "dann kann Ihnen nichts passieren."


*


Tage später entschloss ich mich nochmals zurückzukehren, ich wollte, nein, ich mußte einfach wissen was mit mir los war, warum ich immer wieder diese schrecklichen Albträume von Mord und Verfolgung hatte. Diesmal wollte ich allerdings alles auf eine Karte setzen, und, entgegen dem Ratschlag von Johannes, die Taktik ändern. Wenn ich wirklich gemordet hatte, dann wollte ich dafür auch einstehen. Ich weihte Johannes in meine Pläne ein, und bat ihn, mir dabei zu helfen.
Schließlich fühlte ich mich bereit, die Reise konnte beginnen.

Mein Körper lag still und unbeweglich in tiefster Entspannung auf dem breiten Bett im Schlafzimmer, keinerlei Reize von außen drangen noch zu mir durch. Das Tor zu meinem Unterbewußtsein öffnete sich wie gewohnt auf das geheime Signal, ganz so, wie ich es so oft mit Johannes geübt hatte, und ich versuchte mich auf das Ziel zu konzentrieren. Abgrundtiefe Dunkelheit umhüllte mich, mit dem gleichzeitigen Gefühl durch Raum und Zeit zu fallen. Dann schließlich, Ewigkeiten, oder war es Sekunden später? - ich hatte keine Empfindungen mehr für Zeit, schwache Lichterscheinungen, kurz aufblitzend, und schon wieder verschwunden, sobald ich versuchte meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Aber ich wußte daß ich nur geduldig zu warten brauchte, bald würde ich ankommen.
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Versuchen schlüpfte ich dann unversehens in dieses andere Bewußtsein. Nicht mehr nur Beobachter war ich, ich vergaß wer ich gewesen war, wurde ganz eins mit den Gedanken und Empfindungen dieser meiner eigenen vorherigen Existenz.

Riesige Bäume begannen sich aus dem schwarzen Nichts ringsum zu formen, schließlich dichter Wald, jedoch konnte ich im fahlen Licht eines Neumondes nicht allzuviel erkennen. Ich tastete mich einen schmalen Weg entlang, vorsichtig darauf bedacht nicht gehört zu werden.

An den Stamm einer mächtigen Eiche gelehnt versuchte ich meine rasenden Gedanken zu beruhigen.

"So sei es denn, ich werde also nach Bautzen gehen und mich dem Landvogt ergeben." -meine eigenen Gedanken erschreckten mich, hatte ich nicht soeben noch auf Flucht gesonnen? Man würde mich nicht anhören, sondern sofort in das Verließ der mächtigen Ortenburg stecken. Bevor ich noch Gelegenheit hatte mich zu verteidigen, um die Wahrheit zu verkünden, würden meine Gebeine bereits vermodern in dem dunklen, stinkigen Loche unter dem Matthiasturm. Allzu einflußreich schien mein Gegner, ging er doch ein und aus im Hause des Landvogtes Andreas Graf Schlick.
Wohin allerdings sollte ich flüchten? Die dichten Wälder in der Lausitzen beherbergten so manch gefährliches Getier. Man hatte mir von einem mörderischen Wolfsrudel berichtet, welches kürzlich bis in die Nähe von Auritz vorgedrungen war. Aber selbst wenn ich nicht Opfer dieser schrecklichen Bestien wurde, wie sollte ich überleben? Niemand würde es wagen mich zu beherbergen, zu groß war die Angst der einfachen Bürger vor der Willkür der rücksichtslosen herrschenden Grundherren.
Resignation machte sich in mir breit, eine nahegelegene Schenke fiel mir ein. Der Wirt, Vinzent, war ein redlicher Mann und mir bislang immer freundlich begegnet. Er hatte kürzlich auch das Amt des Ortsrichters übertragen bekommen, ihm würde ich mich stellen und darauf vertrauen Gerechtigkeit zu erlangen.

*

Das alte Schenkhaus, welches etwas verdeckt am Rande des Pfades lag, war gerade zu erahnen im Dunkel der Nacht, als mich auch schon der Wachhund durch lautes Gebell ankündigte. Ich öffnete das Tor und wurde sofort von dem riesigen Tier schweifwedelnd begrüßt.
"Gib Ruh, du Untier..." -mißmutig versuchte ich mich der stürmischen Begrüßung zu entziehen.
Mißtraurische Augenpaare beobachteten mich aus den dunklen Winkeln der Gaststube. Schließlich kam der Gastwirt zögernd auf mich zu.
"Seid willkommen!" -rief er laut, und fügte leise hinzu, so daß nur ich ihn hören konnte: "seid ihr verrückt hierher zu kommen Georg? Ihr wißt ja sicherlich daß man euch bereits überall sucht!"
"Guten Abend Vinzent. Ja, natürlich weiß ich das..." -Georg, so hieß ich jetzt, wie mir mit einem Male bewußt wurde. Die vergangenen Tage der verzweifelten Flucht drangen mir wieder ins Gedächnis, mein Gutsherr Valentin von Hennigh, der mich unter Androhung von schweren Prügeln vom Pachtgrund jagen hatte lassen, und am Tag danach, der Anblick der schrecklich zugerichteten Leiche eben jenes Valentin von Hennigh. Zufällig

1 2

Kommentare

Pauel-o-Bong@lycos.at/ (Exciter) schrieb am 2006-08-30 20:30:09:
Nette Geschichte,ich fand sie jedenfalls interessant :) Ich fand's nur etwas seltsam,daß der Graf den Gärtner entläßt weil der der direkte Nachfahre,seines Mörders im früheren Leben war.Das fand ich persönlich etwas unfair,aber was ist schon fair?

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.