Wiedersehen
von
Bltzableiter
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Wiedersehen
„Meine lieben Freunde, ich heiße euch willkommen!“, sagte Ralf Meynhart und streckte die beiden Hände zum Himmel. „Willkommen in meinem zu Hause“.
Die zehn Leute sammelten sich staunend in der Eingangshalle des kleinen Schlosses, welches Ralph sich vor zehn Jahren gekauft hatte. Die Wände waren zum Teil hölzern vertäfelt. Der Rest war aus grauem Stein. Über ihnen hing ein riesiger Kronleuchter, der die Halle erhellte. Hinter Ralph führten zwei gebogene Treppen zu einer kleinen Anhöhe, auf der sich die Tür zu den nächsten Zimmern befand.
„Was zum Teufel sollen wir hier eigentlich?“, fragte ein Mann mit tiefer Stimme. Er war ziemlich dick und trug alte, abgetragene Kleidung. „Warum hast du mich eingeladen, Meynhart?“
„Ja“, fragte eine kleine Frau, die Ralph mit giftigem Blick anstarrte. „Was willst du von uns?“
Die Menge brach in Gemurmel aus.
„Ruhe, liebe Freunde, ruhe bitte“, sagte Ralph lächelnd. „Ich werde euch alles erklären.“
„Wann?“, fragte der Dicke.
„Warte es ab, Steve. Beim Abendessen. Wenn wir gemeinsam essen, werde ich euch alles erzählen.“
„Hast du immer noch keine Freunde?“, fragte ein anderer Mann, er war recht dünn und hatte blondes Haar, von dem man auf den ersten Blick sah, dass es gefärbt war. Er grinste Ralph spöttisch an.
Dieser ließ sich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Sein Lächeln verwandelte sich in ein raubtierhaftes Grinsen.„Tja, Tobias, ich habe zwar recht wenige Freunde. Allerdings hat jeder im Gegensatz zu dir wenig Freunde, wenn du deine Huren, die für dich anschaffen gehen, und die Polizisten, die du schmierst, mitzählst.“
Tobias' Grinsen verblasste so schnell wie es gekommen war. Seine Augen wurden zu Schlitzen. „Halt dein Maul. Wenn du dich mit mir anlegen willst, dann komm her. Ich werde dir deine Visage-“
„Reg dich ab, Tobi“, sagte Ralph, dessen altes Lächeln zurück kam. „Verzeih mir meinen kleinen Ausbruch. Ich habe kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung.“
„Feigling“, sagte Tobias sofort, doch Ralph ignorierte ihn.
„Freunde-“
„Wir sind nicht deine Freunde“, sagte jemand aus der hinteren Reihe. „Wir waren niemals deine Freunde und werden sie nie sein.“
„Nun, Sebastian, heute seid ihr meine Gäste. Und alle meine Gäste sind meine Freunde. Also wirst du dieses Wort heute noch oft genug hören.“
Sebastian grunzte.
„Freunde, zieht eure Mäntel aus und übergebt sie Robert, meinem Butler. Robert?“
Die Tür auf der Anhöhe öffnete sich und ein lächelnder Mann in einem Frack betrat die Halle. „Sehr Wohl, Meister Meynhart, zu Diensten.“
„Nimm diesen Leuten bitte den Mantel ab. Bring sie in die Kleiderkammer.“
„Sehr Wohl, Meister.“ Robert verbeugte sich und machte sich auf den Weg, die Mäntel einzusammeln.
„Verdammt, du hast nen Butler?“, fragte Tobias. „Du bist ja ein richtiger Snob geworden.“
„Soviel Geld wie ich habe, wirst du in deinem Leben nicht verdienen.“
„Wieviel bekommt Robert? Wieviel bezahlst du ihm?“
„Gar nichts“, sagte Ralph und zuckte die Schultern. „Er darf hier wohnen, sich von meinem Essen ernähren und tun und lassen, was er will. Dafür muss er nur für mich arbeiten.“
„Das... das ist Sklaventreiberei!“, sagte Kate Smith. „Wenn das die Behörden erfahren...“
„Ach was, das ist keine Sklaventreiberei. Robert geht es hier besser als euch allen zusammen!“
Die Gäste sahen sich an und eine kurze Pause entstand.
„Nun“, sagte Ralph nach ein paar Augenblicken, „warum zeige ich euch nicht das Haus?“
„Angeber“, sagte Steve. „Hast du uns eingeladen um zu protzen?“
„Ja, das habe ich“, gab Ralph zu. „Unter anderem.“
Er führte sie in eine weitere Halle, die direkt an der Eingangshalle mündete.
„Das hier ist die Haupthalle“, sagte Ralph und deutete auf die vielen Türen an den Wänden.
„Von hier aus gelangt man in jedes weitere Zimmer, in jeden weiteren Raum und in den Garten. Die Möbel... “, er zeigte auf ein paar Sessel, die vor einem Kamin platziert waren, sowie auf die vielen Bücherregale an den restlichen Wänden, „sind aus dem achtzehnten Jahrhundert. Waren verdammt Teuer, die guten Teile.“
„Verdienst du damit dein Geld?“, fragte Kate, und die andere, kleinere Frau fing an zu kichern. „Hausführungen? Gehört dir das Haus gar nicht, sondern bist du nur der Dienstbote eines Mannes, der es im Gegensatz zu dir im Leben geschafft hat?“
„Nein, Kate. Mir gehört alles. Wie du vielleicht schon mitbekommen hast, verdiene ich mein Geld durch das Schreiben von Büchern. Und zum Thema 'im Leben versagt': Du als Krankenschwester solltest davon Ahnung genug haben.“
Steve, der zunächst die vielen Bücherregale bestaunt hatte, sagte: „Ach ja, ein Schriftsteller... Wann hast du noch gleich deinen ersten Roman veröffentlicht?“
„Mit einundzwanzig. Während meiner Ausbildung.“
„Tz, mit einundzwanzig... Leute wie du wissen nicht was richtige Arbeit ist. Und deswegen sind wir hier? Damit du mit Sachen, die du dir noch nichtmal ehrlich verdient hast, vor uns Angeben kannst?“
„Ganz Recht, Steve, deswegen habe ich euch eingeladen.“ Ralphs Lächeln wurde wieder zu einem fiesen Grinsen. „Ein Regal hier ist mehr wert als drei Jahresgehälter deines Berufes... beziehungsweise von dem, was du Arbeit nennst. Wie hieß noch dieser widerliche Job, den du ausübst?“
„Ich bin Klempner“, erwiderte Steve mit einem Unterton, der sich anhörte wie „Wenn du etwas dagegen hast, dann komm her und wir regeln das“
„Genau“, sagte Ralph und ließ sein Blick über die Regale werfen. „Ein Beruf in dem man hauptsächlich damit beschäftigt ist die Scheiße der anderen wegzumachen. Weißt du was?“
Nun starrte er Steve mitten ins Gesicht. „Du hast diesen Beruf verdient. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass du bis an dein Lebensende die verstopften Scheißhäuser von Menschen reparieren muss, die mindestens genauso fett sind wie du.“
Das war zu viel.
„Das muss ich mir nicht bieten lassen!“, sagte Steve. „Ich hau hier ab!“
„Du bleibst hier!“, sagte Ralph und schnippte mit den Fingern. Man hörte das Geräusch von einrastenden Schlössern. „Erst werden wir noch Essen.“ Mit seinem typischen 'Leckt-mich-Lächeln' ging er weiter durch eine große Doppeltür, während die anderen entsetzt zur abgeschlossenen Tür starrten.
„Wieviele verdammte Hallen hat dieser Laden?“, fragte Dennis, der bisher geschwiegen hatte.
„Das hier ist der Speisesaal“, sagte Ralph und machte eine einladende Geste. „Kommt rein. Nein, wir werden noch nicht essen, wir werden erstmal weitergehen. Ich möchte euch noch zwei, drei Orte zeigen, bevor wir essen. Heike bereitet es gerade zu.“
„Heike?“, fragte Sebastian.
„Ja, meine Haushälterin.“
„Bezahlst du sie auch nicht?“, fragte Kate.
„Nein, für sie gilt das Gleiche wie für Robert.“
Der Speisesaal war recht dunkel gehalten. Die Wände waren in einem dunklen Olivgrün. Der Tisch war ungefähr zehn Meter lang und drei Meter breit. Neben ein paar alten Kronleutern, die viel kleiner waren als der in der Eingangshalle, spendeten noch ein paar lange,
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