Wieso?
von
itsbetterto
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Lena hatte gekämpft. Sie hatte bis zu Letzt daran geglaubt gewinnen zu können, und doch hatte sie am Ende verloren. Sie war müde, müde und ausgelaugt, alles an ihr fühlte sich schwer an, war es ihr Körper, in dem sie sich befand? Alle in ihr war so leer. Sie fühlte sich so unverstanden. Alles war so ungerecht.
Am liebsten wäre sie in ihr gemütliches Bett gekrochen, zu Hause, in ihrem kleinen netten Zimmer, hätte sich die Decke über den Kopf gezogen und all ihre Sorgen vergessen� Sie mochte es, an zu Hause zu denken, an früher� an eine schöne Zeit� Wieso?
Ich sehe mich um. Alles sieht fremd aus, ich war noch nie so weit von zu Hause weg. Doch ich weiß es, ich werde nicht zurückkehren, nicht heute, nein, ich will weiter, will endlich das, wovon ich so lange geträumt habe wahr machen.
Ich schließe die Augen. Denke an früher, denke an meine Familie. Meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder. Denke an gemeinsame Urlaube, an schöne Stunden. Wieso mussten sie gehen? Sie waren doch noch so jung. Wieso musste unser Glück zerstört werden? Ein Hass steigt in mir auf, ein Hass gegenüber einem Menschen, dem Menschen, der meine Familie getötet hat. Was hatte sie ihm denn getan? Nur weil wir aus einem anderen Land kommen, weil wir eine andere Religion haben? Wieso konnte dieser Mensch das nicht akzeptieren? Uns tolerieren. Wir haben ihn doch auch toleriert. Ich will nicht weiter darüber nachdenken. Mein Hass wird zu groß und ich weiß, dass es nichts bringt. Ich schlucke den Klos in meinem Hals hinunter.
Lena stand auf, sie blickte auf den Fußboden. Versuchte ihren Kopf frei zu machen, sie wollte keine bösen Erinnerungen mehr haben, keine Alpträume, die sie nachts verfolgen. Sie wollte kein Nervenbündel mehr sein. Sie wollte leben, wollte genießen, lieben, reisen, tanzen, lachen, doch es sollte nicht so sein� Wieso?
Dann überlege ich, ob meine Familie gewollt hätte, dass ich aus dem Heim abhaue, bestimmt nicht�, aber wenn sie wüssten, wenn sie wüssten, wie schrecklich es ist, wie sehr ich es hasse dort zu sein� sie hätten es gewollt, sie hätten gewollt, dass ich glücklich bin�
Um mich herum laufen Menschen, alle haben es eilig. Ich fühle mich gut, ich fühle mich frei. Frei sein� meine Gedanken verlieren sich.
Doch dann reißt mich etwas aus den Gedanken. Jemand klopft mir auf den Rücken. Als ich mich umdrehe sehe ich ein Mädchen. Das Mädchen sieht ziemlich fertig aus, zerrissene Jeans und Sweatshirt, sehr mager, die Wangenknochen stehen hervor. Aber sie lächelt freundlich. Ich lächle zurück. Wir unterhalten uns. Das Mädchen lebt auf der Straße. Sie lädt mich ein, mit ihr zu kommen. Ich willige ein. Ich weiß ohnehin nicht, wo ich in der Nacht bleiben werde und so gehe ich mit.
Schweiß stand auf ihrer Stirn. Lena war kurz eingenickt. Erschrocken sah sie sich um, alles sah kahl aus: Kahle Wände, kahler, dreckiger Fußboden, eine alte Matratze am Boden, vor den Fenstern Gitterstäbe. Lena ging zum Fenster. Sie sah durch die milchige Scheibe und dachte an ihre Familie. Wieso?
Lena verlor sich in ihren Gedanken, versank in Träume. Dachte an ihren Traum vom Freisein� Was war daraus geworden? Wieso?
In der WG des Mädchens sieht alles ziemlich heruntergekommen aus. Die Tapete fällt von den Wänden, überall riecht es muffig, alte Zigarettenstummel liegen am Fußboden verteilt, Pizzakartons stapeln sich auf einem, kleinen, wackligen Tisch, dem das vierte Bein fehlt.
Am Boden sitzen ein paar Jugendliche. Das Mädchen stellt sie mir vor. Alle haben sie kein richtiges zu Hause, die meisten sind minderjährig.
Ich setzte mich, nehme mir vor, nur eine Nacht zu bleiben, morgens will ich aufbrechen, ich möchte ja weiter, möchte so viel wie möglich sehen, versuchen, aus meinem Leben das Beste zu machen� doch aus der einen Nacht werden zwei, aus den zwei Nächten werden drei und schon bald bin ich einen Monat in der WG.
Eigentlich will ich weiter�, aber ich habe Freunde gefunden, denke, du bleibst du nur noch ein paar Tage. Meine Familie hätte es so gewollt, sie hätte gewollt, dass ich glücklich werde. Egal was ich machen würde, sie würde hinter mir stehen� sie wird hinter mir stehen.
Doch ich weiß, dass es dies nicht ist, es ist nicht das, was ich will, ich will nicht einfach in den Tag hinein leben, ich will mehr vom Leben�
Lena streifte sich ihre Jacke über. Ihr war kalt. Sie zitterte leicht. Dachte an den Moment, an den Moment, als sie dachte, nein, das kann es nicht sein, du erwartest mehr vom Leben� Eine Träne kullerte über ihre Wange. Sie wusste, dass sie es nicht geschafft hatte, dass sie es nicht geschafft hatte mehr aus ihrem Leben zu machen. Im Gegenteil� Wieder ging sie zum Fenster. Wieso?
Alle meine Freunde, die ich in letzter Zeit kennen gelernt habe sind Drogenabhängig. Ich will es nicht, möchte auf keinen Fall Drogen nehmen, abhängig werden, ich will doch frei sein� Ich wehre mich, doch dann, irgendwann lasse ich mich doch überreden, denke, einmal ist keinmal.
Ich probiere nur um mal zu sehen. Es ist nur sehr wenig, doch es ist schön. Ich will mehr davon, nur ein bisschen mehr. Beim nächsten Mal nehm ich genug und es haut ganz schön rein. Ich fühle mich so gut�, so selten stark. Doch dann lässt die Wirkung immer schneller nach. Ich bin plötzlich allein, so leer und ausgebrannt. Ich will mehr.
Lena starrte immer noch durch die Fensterscheibe. Sie wollte nicht weiterdenken, wollte nicht wissen, wie es weiterging, sie versuchte die, Augen zu schließen, wollte ihrer Geschichte ein anderes Ende geben, noch gäbe es eine Chance, sie wünschte, sie hätte damals aufgehört, hätte es geschafft, von der schiefen Bahn zu geraten, doch sie hatte es nicht geschafft� Wieso?
Ich denke immer öfter an den Menschen, diesen schrecklichen Menschen, der meine Familie ausgelöscht hat.
Die Drogen nehmen mich mit, ich fühle bald sehr leer und müde, es geht mir schlecht. Doch ein Gefühl boxt sich immer weiter in mir durch, der Hass, der Hass gegenüber dem Menschen, der es getan hat, der diese schreckliche Tat vollbracht hat. Der Hass wächst� Ich kann es nicht ertragen, kann nicht mehr leben mit dem Gedanken, dass dieser Mensch nach 15 Jahren wieder rauskommt. Dass er Chance hat noch mehr Menschen zu verletzten, noch mehr Familien zu zerstören. Der Gedanke verfolgt mich Tag und Nacht. Ich kann nicht mehr. Ich will Rache�
Trotz der miesen Umstände, trotz dieser schrecklichen Ungerechtigkeit. Lena fühlte zum ersten Mal an diesem Tag etwas Zufriedenheit. Sie musste leicht lächeln, als sie an den Tag, an dem sie es getan hatte dachte�
Auf dem Weg zum Gefängnis gehe ich zügig. Ich will keine Zeit verlieren. Das Messer steckt unter meiner Hose. Werden die Sicherheitskontrolleure es finden? Ich habe Angst. Ich will es durchziehen, jetzt gibt es kein Zurück
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Kommentare
twos2@gmx.de ---->vanessa schrieb am 2006-02-19 17:51:13:
also ich find die geschichte auf jedenfall sehr schön geschriebn...hat soaß gemacht sie zu lesen...
die absätze stören jedoch ab und zu den lesefluss ;)
schreib schön weiter :)
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