Wilde Reise durch die Zeit Teil1----Zeitkreis der
von
blacknight99
1
2
3
Wilde Reise durch die Zeit
"Sed fugit interea, fugit inreparabile tempus ..."
Vergil (70-19), Publius Vergilius Maro, röm. Nationaldichter
Zeitkreis der Gegenwart
Kapitel 1
Gegenwart
"Woran denkst du, Jonas?"fragte mich Natasha und ihre großen, wasserblauen Augen blickten mich fragend an.
Schweigend ließ ich meinen Blick umherschweifen. Natasha und ich saßen an einem kleinen, hölzernen Steg am Erlensee.
Die rot-orange brennende Sonne verschwand langsam am Horizont und ihre Strahlen glitzerten auf der Oberfläche des Sees. Einige Segelboote schwommen über das Wasser.
In den Bäumen am Ufer saßen Vögel und zwitscherten, im Schilf versteckte sich ein Frosch und quakte laut.
Dann sah ich wieder meine Freundin Natasha an.
Sie hatte braun gelockte Haare, war schlank und hatte Augen, in denen ich stundenlang hätte versinken können.
Ich selbst war hoch gewachsen, hatte schwarzes Haar und war schlank und äußerst gut aussehend. Schon so einige Freundinnen hatte ich abgeschleppt, doch nie war es so gewesen wie mit Natasha. Mit ihr war es Liebe.
"Ich wünschte ich könnte die Zeit anhalten, damit dieser Moment ewig dauert!"sagte ich und sah tief in ihre Augen.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie umfasste mein Handgelenk und näherte sich mir mit ihrem Gesicht. Ich spürte ihren sanften, nach Minzkaugummi duftenden Atem auf meiner Haut.
"Mein kleiner Prinz!"flüsterte sie und unsere Stirnen berührten sich.
Ich verdrehte die Augen und Natasha lachte kurz auf.
Sie spielte mal wieder auf meine adlige Abstammung an. Natasha liebte es, mich mit meinem vollen Namen "Jonas von Erlenbach" zu necken oder mich einfach "kleiner Prinz" zu nennen.
Die meisten Mädchen warne in meiner Anwesenheit nicht so. Sie waren schüchtern, wenn sie in unsere Villa kamen oder ließen nur mich reden, weil sie mein Charme und mein Wissen beeindruckte. Natasha war nicht so. Sie war vorlaut, frech und wortgewandt und deshalb liebte ich sie.
Dann berührten sich unsere Lippen.
"Ähm...Jonas, ich will ja nicht stören,..."quäkte plötzlich eine vertraute Stimme hinter mir.
Vor Wut bebend ließ ich von Natasha ab und drehte mich um.
Mein drei Jahre jüngerer Bruder Michael wich furchtsam zurück.
"Geht's noch unpassender, du Kröte?!"schnauzte ich ihn zornig an.
Mit "Kröte" war Michaels Aussehen eigentlich schon treffend beschrieben. Er war kleingebaut und neigte zur Fettleibigkeit, auch wenn ihm meine Mutter strikt unter Diät hielt.
Sein Kopf war von roten Locken bedeckt und das Haar reichte ihm bis zu den Schultern.
"Was willst du?"fragte ich und stand auf.
Michaels Glupschaugen funkelten schadenfroh.
"Mama und Papa wollen sofort, dass du nach Hause kommst!"
Er lächelte triumphierend.
"Du darfst dich doch gar nicht mit Solchen abgeben."sagte Michael und neigte den Kopf abfällig in Natashas Richtung. Mit unseren Eltern im Rücken schien er Mut zu gewinnen.
"Papa hat sich schon über dich aufgeregt!"
Michael's Lächeln wurde immer breiter.
"Weißt du was er gesagt hat,Jonas?"Michael imitierte Papas tiefe Bassstimme:"Michael wäre als Erstgeborener viel besser gewesen als dieser verdammte Rumtreiber Jonas!"
Michael sah Jonas vergnügt an.
"Tja, Brüderchen! Ich glaube sie wollen dich ins Internat schicken!"
Jonas machte drei Schritte in Richtung Michael. Wäre Natasha nicht da gewesen, hätte er seinen Bruder wahrscheinlich verprügelt. Doch er schaffte es noch einmal, sich zu beherrschen.
"Ich muss gehen, Honey!"sagte ich zu Natasha und küsste ihr auf die Wange.
"Ruf mich an!"entgegnete sie.
Schweren Herzens und mit gesenkten Schultern folgte ich meinem Bruder.
Wir liefen durch die kleine Ortschaft Erlenbach.
Unser Ziel konnten wir schon von weitem erkennen: Das große, jahrhundertealte Schloss, das über dem Städtchen auf einer Felsnadel thronte. In ihm wohnte unsere Familie schon seit Generationen.
In der Innenstadt war wenig Betrieb. Einige Gothic-Typen hingen am Denkmal vor dem Rathaus ab und rauchten Joints.
Vor einem Eiscafe saßen mehrere Jugendliche und lachten laut auf. Ein Mann im schwarzen Anzug saß am Nebentisch und telefonierte auf seinem Handy.
Einige Mädchen sahen Jonas nach.
Ich lächelte selbstverliebt. Es hatte schon Vorteile, stinkreiche Eltern zu haben. Jonas trug stets die angesagtesten Klamotten und konnte sich die neuesten Handys leisten.
Michael hingegen schaffte es, sich stets völlig unmodisch zu kleiden.
Jetzt trug er ein kariertes Hemd zu einer Jeans und eine rote Kappe.
Michael steckte sein Taschengeld nicht in Klamotten, sondern in Bücher. Er kaufte sich allen erdenklichen Schrott. Griechische Mythologie, Historische Romane...nicht einmal halbwegs gute Romane wie die von Dan Brown.
Wir liefen die Auffahrt zum Schloss hinauf.
Auf der Hälfte der Strecke geriet Michael aus der Puste und hielt kurz an.
"Ich kenne Schnecken, die laufen schneller als du!"neckte ich ihn.
"Sei still!"erwiderte Michael und lief weiter.
Als Michael und ich uns dem Eingang zum Schloss näherten, spannte sich bereits das Firmament der Sterne wie eine Decke um die Welt.
Grillen zirpten in den Gartenanlagen und ein Käuzchen schuhute in den Baumkronen.
Michael betätigte die Klingel.
"Wen darf ich melden?"fragte die helle Stimme von Luisa, unserem Hausmädhcen durch die Gegensprechanlage.
"Hier sind Jonas und Michael! Mach schon auf!"antwortete ich.
Ein Summen ertönte und Michael öffnete die Tür.
Wir traten ein und die Tür schloss sich leise hinter uns.
Luisa stand bereits in der Eingangshalle. Sie war um die 50, hatte graues Haar und war von pummeliger Gestalt.
"Ihre Eltern essen bereits zu Abend! Bitte gehen sie zu ihnen in die Speisehalle!"sagte sie.
Michael und ich öffneten eine Tür auf der linken Seite des Ganges und traten in den Speisesaal.
"Schön dich auch noch einmal zu erblicken, Jonas!"schallte es mir zur Begrüßung von meinem Vater entgegen.
"Ah, mein Spätzchen! Komm, setz dich neben deine Mutter!"sagte Mama zu Michael und deutete auf den Stuhl neben ihr.
Michael lächelte und setzte sich an den langen Tisch.
"Eigentlich könntest du dein Mahl in deinem Zimmer zu dir nehmen, junger Mann!"sagte mein Vater zu mir.
"Doch wir haben etwas mit dir zu besprechen, setz dich neben mich."
Ich sah meinen Vater kurz an und setzte mich dann ans Kopfende des Tisches.
"Setz dich neben mich!"brüllte mich Pa' an.
Unbeeindruckt spießte ich einige Erbsen auf meine Gabel und ließ sie zwischen meinen Lippen verschwinden.
Das kloßige Gesicht meines Vaters lief rot an, er sagte aber nichts mehr.
Michael war eher nach meinem Vater gekommen. Klein, untersetzt und mit Glupschaugen.
Zu meinem Glück ähnelte ich eher meiner wunderhübschen Mutter.
Sie war halb so alt wie mein Vater und ob sie ihn wegen des Geldes oder wegen der Liebe geheiratet hatte, weiß ich bis heute nicht.
"Kommen wir gleich zur
1
2
3
Kommentare
andrea schrieb am 2008-02-14 17:08:50:
schreib bitte weiter. gefällt mir die gschichte. kannst noch viel daraus machen.
glg andrea
anne schrieb am 2007-03-25 19:00:49:
Ich find die geschichte gut aber zum schluss meintest du bestimmt natascha.
Kommentar hinzufügen