Wildkirsche
von
Beautiful Experience
Bo schlitzte Ken mit einem schnellen Schnitt die Kehle auf, und Ken
verstummte mitten im begonnenen Satz.
Die Handlung hatte etwas so Abruptes, etwas dermaßen Obszönes (der Schnitt
verlief geradlinig vom rechten Ohr abwärts bis knapp unterhalb des
Kehlkopfs – er sah aus wie das verunglückte Nagelmal einer Geliebten), daß
die Szene fast schon surrealistisch wirkte, wäre das alles nicht so
erschreckend real gewesen.
Jedes Detail pulsierte in den buntesten Farben, Kens Tod vollzog sich wie
ein Blitz aus heiterem Himmel.
Sein Leben ergoß sich in einem sehr dunklen, fast schwarzen Rot
sturzbachartig in Bos schalenförmig gefaltete Hände, von dort in dessen
Mund, in dessen Kehle.
Kens Leben wechselte innerhalb von Minuten von einem Körper zum anderen.
Es war das perfekte Opfer, das älteste Ritual der Welt.
Wirklich obszön aber war, daß Ken Aldritch nicht in irgendeinem Dschungel
geschlachtet wurde, nicht in irgendeiner dunklen Zeit vor dreihundert,
vierhundert oder zweitausend Jahren.
Ken blutete mitten in einer belebten Fußgängerzone aus – und niemand war da,
der ihm hätte helfen können.
Bo aber war stark.
Die Sonne schien in sein Gesicht.
Wildkirschen tropften von seinem Kinn.
Wildkirschen klebten in seinem Haar, trockneten auf seinen Lippen.
Wildkirschen tanzten in seinen Gedanken.
Wildkirschen beendeten den Sommer.
Wildkirschen beendeten den Winter, den Frühling und den Herbst.
Wildkirschen waren alles, was zählte.
Kommentare
Nice_moon@web.de schrieb:
Ich finde diese geschichte echt klasse so fesselnd also unbedingt was längeres draus machen Luna
shahien_13@hotmail.com schrieb:
Ne komische , aber coole geschichte ;-)
Nelladell@gmx.at schrieb:
Wahnsinn! Die Story hat was Besonderes, hat mich total begeistert!!!
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