Willkommen in deinem Leben (2)
von
Melody
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„ Tom also.“, stellt Jonas fest und verbringt die nächsten Minuten damit, sich ungeniert totzulachen. Keine Ahnung, was an meiner Situation so lustig sein soll. Ich finde es eher traurig, wie sich die Dinge entwickelt haben. Vor allem, wenn man einmal bedenkt, dass ich gar nichts dafür kann! Tom baut einen peinlichen Unfall, verliert sein Gedächtnis und ich bin die Leidtragende des Ganzen. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?
Seufzend schiebe ich meine Teetasse auf dem dunklen Holztisch hin und her. Wir haben uns heute in der Küche niedergelassen, da sein Zimmer aussieht, als wäre er überfallen worden und er meines nicht mehr betreten darf, seit er es ausgenutzt hat, um die Telefonnummern meiner Freundinnen herauszufinden. Aus demselben Grund wird er auch nie wieder in Reichweite meines Handys kommen! „ Ja, Tom. Und wenn du den Anstand haben könntest, mit dem Lachen aufzuhören, wäre ich dir sehr dankbar!“
Jonas verdreht die Augen und grinst. Es manchmal schon ein echtes Los mit so einem Zwillingsbruder. Sicher, ich hätte es schlechter treffen können. Denn immerhin können wir über fast alles reden und er hat sich innerhalb der letzten Jahre als sehr nützliche Informationsquelle erwiesen, was das Verhalten von Jungs betrifft. Trotzdem legt er manchmal nicht die nötige Sensibilität an den Tag. So wie zum Beispiel heute.
„ Und wie soll das mit euch jetzt weitergehen?“
„ Na ja, ich werde jeden Abend bevor ich ins Bett gehe dafür beten, dass er sein Gedächtnis wiedererlangt und bis dieser erlösende Augenblick endlich eintrifft, muss ich eben so tun, als wären wir noch zusammen. Und glücklich. So ein Mist halt.“
„ Schön, dass du so romantisch bist!“
„ Richtig. Habe ich schon erwähnt, dass er heute Abend hier vorbeikommt?“
Schweigend starrt er mich an, bevor er in einen erneuten Lachanfall ausbricht. Er sieht aus, als würde er gleich keine Luft mehr bekommen. Tja, das wäre nur ausgleichende Gerechtigkeit, von mir hat er keine Hilfe zu erwarten!
„ Noch mal: herzlichen Dank für deine Unterstützung!“, knurre ich mit zusammengebissenen Zähnen.
„ Ist dir bewusst, dass unsere lieben Eltern begeistert sein werden, dass sie Tom wieder in unserem Hause begrüßen dürfen? Die beiden haben für euch ja praktisch schon das Hochzeitsgeschirr ausgesucht!“
Das ist ein Aspekt, an den ich bisher noch gar nicht gedacht habe. Doch dummerweise hat Jonas vollkommen Recht. Meine Eltern lieben Tom. Als das mit uns damals auseinanderging, haben sie ausgesehen, als würden sie fast anfangen zu weinen. Ihnen zu sagen, dass Tom und ich uns getrennt haben, war, als müsste ich noch einmal Schluss machen. Noch heute schwärmen sie von ihm. Bei jeder Gelegenheit. Im Grunde muss man ihnen wirklich Respekt dafür zollen, wie sie es immer wieder schaffen, Tom ins Gespräch mit einzubringen, selbst wenn man es überhaupt nicht kommen sieht. Einmal haben sie das sogar geschafft, während wir bei einem Konzert waren. Sie haben ganz beiläufig erwähnt, dass Tom Musik doch auch immer so gerne mochte. Woraufhin ich sie irritiert angeblickt habe und geantwortet habe, dass fast jeder Musik mag und wir uns außerdem gerade ein Konzert von einer Kindergartengruppe ansehen, wobei Tom wohl kaum vor Begeisterung ausgeflippt wäre. Da war meine Mutter ein bisschen beleidigt, weil Tom tatsächlich immer so getan hatte, als fände er ihren Job als Erzieherin unheimlich spannend. Dass er nur so getan hat, habe ich aber lieber nicht gesagt, ich möchte ihr Bild vom perfekten Schwiegersohn in spe nicht ganz zerstören.
„ Jaaa …“, murmele ich nachdenklich.
„ Und wenn Tom hier aufkreuzt, fallen sie ihm wahrscheinlich vor Erleichterung weinend um den Hals.“
„ Hmm …“
„ Sie werden vor ihm auf die Knie fallen und darum betteln, dass er dich zurücknimmt und du ihnen nicht mehr so merkwürdige Typen vorstellst wie diesen Adam.“
„ Hey! Adam war nicht merkwürdig!“
Jonas hebt die Augenbrauen. „ Wie du meinst. Allerdings war ich bisher immer der Ansicht, dass man die Mutter seiner Fast-Freundin nicht über deren Geburt ausfragen sollte. Eine Stunde lang!“
„ Na ja, er will mal Arzt werden und so …“ Nein, will er nicht. Adam war ein merkwürdiger Fehlgriff, aber das muss ich ja nicht zugeben, oder? Was soll ich sagen, er sah total gut aus und konnte toll küssen und solange er den Mund hielt, war alles gut. Blöd, dass er ab und zu mal reden musste und deshalb habe ich auch ziemlich lange beschlossen, ihm auf ehrenhafte Art und Weise mitzuteilen, dass wir uns nicht mehr treffen sollten. Und ich dachte, der beste Weg dafür wäre, seine Anrufe nicht mehr anzunehmen und keine SMS mehr zu beantworten. Ich weiß, ich weiß, aber ich hasse Konfrontationen.
„ Wie auch immer. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie Tom mit Handschellen an den Stuhl fesseln!“
Beruhigende Vorstellung. „ Von wegen! Ich werde ihnen eindeutig klarmachen, dass Tom und ich nicht wieder zusammen sind und auch nie wieder zusammen sein werden und dann werden sie schon wieder runterkommen!!“
Um Punkt acht Uhr steht die ganze Familie wie die Orgelpfeifen vor der Tür und wartet darauf, dass Tom klingelt. Meine Mutter hat ihr bestes Kleid angezogen, das, das sie seit der Hochzeit meiner Tante nicht mehr anhatte. Meinen Vater hat sie in seinen einzigen Anzug gezwungen, was in etwa der Prozedur gleicht, wie wenn man ein kleines Kind dazu bringen will in die Badewanne zu gehen. Ganz davon abgesehen, hat mein Vater seit besagter Hochzeit meiner Tante ein wenig zugenommen und das Jackett spannt nun sichtlich, weswegen er im Anzug lange nicht so toll aussieht, wie er könnte. Lediglich Jonas ist normal gekleidet, dafür bekommt er aber dieses fiese Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht gewischt. Ich habe stundenlang versucht, ihn davon zu überzeugen, an diesem Abend etwas anderes zu unternehmen, ihm sogar angeboten, zu bezahlen, aber er wollte bei dem ‚Showdown‘ (wie er es so charmant bezeichnet) unbedingt dabei sein.
So viel dazu, dass sie schon wieder runterkommen werden! Ich habe wirklich versucht ihnen begreiflich zu machen, dass Tom unter eine Art Krankheit leidet und dass dieser Zustand nur vorübergehend ist, aber die Augen meiner Mutter leuchten immer noch erwartungsfroh und mein Vater hat sofort gebrummt: „ Als ob du jemals einen Besseren als ihn gefunden hast!“ Ich wäre am liebsten in exakt diesem Moment ausgezogen.
Um kurz nach acht klingelt es. Wie die Verrückten, die wir sind, stürzen wir uns alle gleichzeitig auf die Tür und reißen sie auf. Es ist Tom anzusehen, dass er nicht damit gerechnet hat, dass sofort die ganze Familie auf ihn einstürzt, doch er gewinnt seine Fassung überraschend schnell wieder.
„ Hallo, Frau Leander, Herr Leander!“, grüßt er höflich, nickt Jonas zu und beugt sich nach vorne, um mich zu küssen. Ich täusche einen akuten Hustenanfall vor, woraufhin mich meine Mutter empört anstarrt. Soll sie ihn doch küssen, wenn sie ihn so toll findet!
Ich könnte mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so unwohl gefühlt habe.
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Kommentare
Vany schrieb am 2010-03-11 21:54:27:
einfach klasse (:
tweety schrieb am 2010-03-09 18:34:58:
Hey, die Story hört scih bis jetz schon voll gut an;-), mach weiter so,
ich hoffe es wird noch richtig witzig
LG Tweety
Nelly schrieb am 2010-03-06 13:10:24:
Hallo :)
Oh Gott, deine Geschichte ist fantastisch :)
Total witzig, bin schon auf die Fortsetzung gespannt und hoffe das sie bald kommt :)
Lieben Gruß, Nelly.
Moon Dancer schrieb am 2010-03-05 17:17:20:
nicht schlecht=) hoffe du schreibst eine fortsetzung!!
lg
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