Willkommen in deinem Leben (7)
von
Melody
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Okay, cool, welche Route? Chucks Lächeln muss im Gesicht festgetackert sein, dessen bin ich mir sicher. Wenn ich näher rangehe, sehe ich vielleicht auch die Tesastreifen, die seine Backen so zurückziehen, dass er gar nicht mehr anders kann, als zu lächeln. Das ist nämlich die einzige Erklärung dafür, wie ein Mensch es schaffen kann, pausenlos so breit zu grinsen. Das muss doch schon wehtun. Nun gut, er sollte sich schon einmal von seinem Grinsen verabschieden, das werde ich ihm mit Sicherheit austreiben. Eines kann ich ihm jetzt schon im Stillen versprechen: so jemandem wie mir musste er noch nie das Klettern zeigen!
Ähm
weiß nicht. Gibt es vielleicht die Möglichkeit, über einen Stein zu klettern? Weil ich glaube, dass mir das schon reicht. Ich überlege. Na ja, ein niedriger Stein, ansonsten könnte ich stolpern und mich verletzen oder so. Wissen Sie was, jetzt wo ich darüber nachdenke: nein danke, ich werde nicht klettern!
Chuck lacht schallend und ausdauernd. So ausdauernd, dass ich Klara ab einem gewissen Punkt zweifelnd ansehe, doch sie lacht mich nur an. Es scheint normal zu sein, dass er sich nicht wieder einkriegen kann. Du bist ein sehr witzige young lady! Und ubrigens: du kannst du zu mir sagen!
Gut, dann würde ich dir gerne sagen, dass es kein Witz war! Ich klettere nicht!
Kaum ist der Satz beendet, steht Chuck schon mit seiner windelähnlichen Kletterausrüstung vor mir und ist drauf und dran, sie mir anzuziehen. Naturlick kletterst du! Du wirst es lieben!
Jaaa
ehrlich gesagt liebe ich Sachen nicht so sehr, die mich umbringen könnten, da bin ich ein bisschen eigen. Aber ich kann gerne hier stehen bleiben und versuchen, die anderen aufzufangen, wenn sie ungesichert in den Tod stürzen!
Nobody ist ungesickert! Ihr bekommt alle das Ausrustung!
Auch mit Ausrustung werde ich mich nicht gesickerter fühlen! Wir soll mich jemand ordentlich absichern, der nicht einmal das, was man dafür braucht, richtig aussprechen kann? Ich will ja nicht intolerant sein, aber im Angesicht des Todes wäre es mir schon lieber, nicht von einem übermotivierten Amerikaner mit Dauergrinsen betreut zu werden.
Knurrend, ächzend und mich pausenlos im Flüsterton beschwerend, steige ich in die Kletterwindel und warte, bis Chuck tausende von Haken und Schnüren und anderem Zeug vertaut hat. Am Ende fühle ich mich so eingeschnürt, dass ich mir erst recht nicht vorstellen kann, damit noch zu klettern, geschweige denn mich zu bewegen. Neben mir wird Jonas von Klara fertig gemacht. Ich hätte ja gedacht, dass ihn das komplett begeistert, doch er wirkt geradezu verdächtig uninteressiert. Ganz im Gegensatz zu Hanna, die direkt neben den beiden steht und Klara mit zusammengekniffenen Augen anstarrt.
So, alles is fertig! Ready?
Nein.
Super. Dann los.
Ich stelle mich direkt vor den Felsen. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll, ganz im Ernst. Alles, was ich sehe, ist kalter, grauer, gefährlicher, angsteinflößender, tödlicher
ähm, Stein. Da habe ich mich wohl etwas hinreißen lassen. Am anderen Seil klettert Jonas bereits fleißig. Es scheint ihm überhaupt nicht schwer zu fallen, diese kleinen Vorsprünge und Spalten zu finden, in denen er sich festhalten kann, während für mich alles gleich aussieht.
Chuck fängt langsam an, mit den Füßen zu scharren. Vielleicht willst du ja langsam mal anfangen, oder nickt?
Ich will dich nicht anlügen: nichts liegt mir ferner, als anzufangen. Es sei denn, anfangen ist seit neuestem ein Synonym für kreischend weglaufen.
Mit seinem momentanen Gesichtsausdruck könnte Chuck Werbung für Fragezeichen machen. Er hat mit Sicherheit kein Wort verstanden, was kein Wunder ist, da er ja Ausländer ist und all das. Außerdem habe ich diese Worte in meiner Panik unnatürlich schnell aus mir heraussprudeln lassen.
Lets go!, sagt er stattdessen und deutet auf die Felswand.
Bitte sehr. Aber ich weiß schon, wer die Beerdigung bezahlt., knurre ich. Verzweifelt und absolut ahnungslos umklammern meine Hände das Erste, was sie greifen können und ich versuche ohne jede Kraft, mich daran hochzuziehen. Schnaufend rutsche ich immer wieder ab, wobei ich mir pausenlos bewusst bin, dass ich gerade meine ganze Familie im Nacken habe, die mich beobachtet. Inklusive Hanna und David. Oh Gott. Der Gedanke daran, dass David sehen kann, wie ich mich hier in Grund und Boden blamiere, verleiht mir fast so etwas wie Flügel. Leider nicht wörtlich, denn das würde das Klettern um einiges vereinfachen, aber es bringt mich immerhin dazu, mich mehr zu bemühen als vorher. Angetrieben davon, möglichst nicht so auszusehen, wie ich mich fühle, schaffe ich es sogar, den Felsen ein Stück empor zu klettern. Ich kann das kaum fassen. Okay, ich befinde mich vielleicht nur wenige Zentimeter über dem Boden, aber das ist doch besser als nichts.
Sehr schön, Sarah! Denk einfach nicht daran, dass diese Kletterausrüstung den Hintern riesig aussehen lässt!, ruft mir meine Mutter aus sicherer Entfernung zu. Wie bitte?
Jetzt lass sie doch! Es ist doch vollkommen egal, wie ihr Hintern aussieht, das Entscheidende ist, dass sie es endlich einmal geschafft hat, ihn vom Boden wegzubewegen!, wirft mein Vater ein. Kann man seiner Familie kündigen?
Empört darüber, dass mir niemand etwas zutraut und dass ich mir von meiner eigenen Mutter auf den Hintern starren muss, klettere ich trotzig weiter. Weil mein Kopf so voll mit verschiedenen Rachefantasien gegenüber meinen eigenen Erzeugern ist, klettere ich einfach weiter, ohne darüber nachzudenken. Es ist sehr interessant, dass die Sache mit dem Klettern viel besser funktioniert, wenn man gar nicht darüber nachdenkt, was man tut. Komischerweise hat sich diese Methode im Alltag bisher nicht bewährt! Na ja, jedenfalls wache ich irgendwann aus meiner wutgesteuerten Trance auf. Was mich dazu bewegt ist, dass mir Chuck zuruft: Wow, Sarah, unglaublick! Du bist ganz oben!
Ich zucke zusammen und schiele vorsichtig an meiner eigenen Schulter vorbei. Sofort dreht sich bei mir alles und mir wird eiskalt und heiß zugleich. Ich bin ganz oben! Weit weg von der Erde! Und wie komme ich hier wieder runter? Oh nein, ich werde nicht wieder runterkommen, oder? Ich werde hier oben bleiben müssen, mich von Blättern und Wurzeln ernähren und zu einem merkwürdigen, langhaarigen Einsiedler werden, bis irgendwann RTL vorbeikommt und eine Reportage über mich dreht.
Allright, very good! Nun lehne dich zuruck und komme wieder nach unten!, höre ich, wie mir Chuck Anweisungen gibt. Theoretisch klingt das ganz gut und ich habe bei ihm auch beobachtet wie das geht. Ich müsste jetzt meinen Oberkörper nach hinten sinken lassen, mich mit den Füßen am Felsen abstoßen und dann in kleinen Sprüngen nach unten hopsen. Nur wie das immer so ist, ist die Praxis leider nicht im Entferntesten so leicht wie die Theorie. Denn ich bin wie gelähmt und kann mich überhaupt nicht bewegen.
Äh
Sarah? Is everything okay?
Hmrrmmffgrr., ist
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Kommentare
!! schrieb am 2010-05-26 09:28:25:
warum dauert das nur so lange xD
morgause schrieb am 2010-05-03 10:54:26:
DIese Geschichte ist sooooooooooo toll =)
ich freu mich jetzt schon auf die nächste Fortsetzung ;-)
lg
markus schrieb am 2010-05-02 23:05:09:
naja... gut gefällt mir die storry schon... aber is ganz offenbar von nem mädel geschrieben... sie schläft mit ihrem verlobten und will ihren geliebten aber nicht mit anderen schlafen lassen... wenn sich david darauf einlässt, ist er verloren... (so ist das in der realität... wie es in der geschichte zu ende geht, weiß ich natürlich nicht)
Vany schrieb am 2010-05-02 19:03:23:
so süß (:
Minii schrieb am 2010-04-30 21:35:18:
ganz tolle Fortzsetzung :D
die Story ist zum wegschmeißen gut!
Hoffe es geht gaaanz schnell weiter.
LG Minii
lu schrieb am 2010-04-29 22:41:31:
Freue mich weiterhin auf eine Fortsetzung,es ist toll
Moon Dreamer schrieb am 2010-04-29 14:11:32:
ich finde die story so schön! mach schnell weiter=)
lg
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