Willkommen in deinem Leben (8)
von
Melody
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Gitarre spielen können.
Wir allerdings entfliehen dieser Einöde, um in einem netten Club, den wir bei unseren kleinen Städtetrip im Vorbeigehen entdeckt haben, zu feiern. Ich wüsste zwar nicht, was wir feiern sollten, denn momentan habe ich nicht wirklich einen Grund dazu, aber ich werde Sina und David wohl kaum alleine lassen. Wir haben noch Jonas und Hanna gefragt, ob sie mitkommen wollen, aber keine von ihnen hatte Lust dazu. Nebenbei bemerkt ist Hanna gestern erst eine halbe Stunde später aufgekreuzt. Keine Ahnung, was sie getrieben hat.
Nachdem ich dem Busfahrer ein Autogramm auf sein ekelhaft fleckiges Basecap gegeben habe (er hat den Bericht über Tom und mich im Fernsehen gesehen und nahm das ganze ein bisschen zu ernst) und er uns gezielt durch jedes einzelne Schlagloch gesteuert hat, sind wir endlich da und betreten den Club.
Mich zieht es sofort auf die Tanzfläche und da Tom nun einmal wie üblich an meiner Hand hängt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mir zu folgen. Das ist ein bisschen so, als hätten wir einen neuen, unvergleichlichen Superkleber erfunden.
„ Seit wann tanzt du denn gerne?“ Tom blickt mich verwirrt an und fängt an, sich ein wenig ungelenk im Takt zu bewegen.
Seit wir nicht mehr zusammen sind, hätte ich gerne gesagt. Denn er hat nie gerne getanzt und ich mich darum immer genötigt gefühlt, es auch nicht zu tun.
„ Keine Ahnung. Irgendwie ist mir danach!“ Und vor allem ist mir danach, dieses Mal nicht nach seinem Willen zu gehen. Ich will zumindest ein bisschen Spaß haben und mich davon ablenken, dass Sina in diesem Moment David auf die Tanzfläche zerrt. Dabei sieht er mindestens so begeistert aus wie Tom. Immer wieder schön, die Menschen um mich herum so glücklich zu machen!
So entspannt ich kann, tanze ich vor mich hin, dabei immer darum bemüht erstens so wenig Körperkontakt zu Tom zu haben wie möglich und zweitens David und Sina im Auge zu behalten. David scheint nach derselben Taktik zu verfahren, denn wann immer es nur möglich ist, treffen sich unsere Blicke. Es fühlt sich an, als würden wir innerlich miteinander tanzen, auch wenn wir äußerlich auf Abstand sind. So wie es aussieht, sind wir beide nicht sehr gut darin, unsere wahren Gefühle zu verschleiern. Nur gut, dass Tom und Sina absolut nichts kapieren!
Wie um meinem privaten Tanzgelage ein Ende zu setzen, wird nun ein langsames Lied gespielt. Ich bleibe orientierungslos stehen und sehe mich um, auf der Suche nach dem schnellsten Fluchtweg, doch es ist vergebens, denn schon finde ich mich in Toms Armen wieder. Auch dieser enge Tanz hält mich nicht davon ab, David und Sina über die Schulter hinweg zu beobachten. Ich wäre so gerne an Sinas Stelle. Deshalb beschließe ich, einmal versuchsweise aktiv zu werden.
„ Du, Tom?“
„ Hmm?“
„ Weißt du noch, was vor deinem Unfall so alles passiert ist?“
„ Wie meinst du das?“
„ Na ja, kommen dir manchmal merkwürdige Erinnerungen, die du nicht richtig einordnen kannst oder so?“
„ Nein, eigentlich nicht.“
Schade. Einen Versuch war es wert.
„ Oookay, liebe Tanzmeute, wie jeden Abend kommt nun unser berühmter Kussmoment! Wer zum erstem Mal hier ist: das ist der Augenblick, in dem das Licht abgedreht wird und ihr euch vielleicht etwas trauen könnt, das ihr euch von Angesicht zu Angesicht nicht traut!“, dröhnt die Stimme des DJs einiger Lieder später über uns hinweg. Was ist das denn für eine schwachsinnige Erfindung? Sie ist jedenfalls bezeichnend für diesen insgesamt schwachsinnigen Flecken Erde, der mir nichts als Unglück bringt!
Das Letzte, was ich noch sehe, ist Toms freudiges Gesicht, dann wird alles dunkel. Kaum ist das Licht aus, spüre ich, wie mich etwas unsanft zur Seite reißt. Ich will schon anfangen wie eine Irre nach Hilfe zu schreien oder zumindest nachzufragen, wer zur Hölle mich da gerade entführen will, als sich ein Paar Lippen auf meine legen, was das Ganze verhindert. Es ist nicht schwer zu erraten, wessen Lippen mich da gefunden haben. Tom kann es nicht sein, denn er hätte direkt vor mir gestanden und hätte mich somit nicht wegziehen müssen und außerdem würde ich diese Art zu küssen immer wieder erkennen. Nur bei einem spielt mein Herz Dancing Queen, wenn er mich küsst. Und es ist auch nur einer, der den Schutz der Dunkelheit braucht, um mich küssen zu können und zu dürfen.
„ Sarah?“, flüstert Tom irgendwo, doch ich höre es kaum. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, David zu küssen. Mittlerweile ist nicht mehr ganz ausgeschlossen, dass ich bald umkippe, denn ich glaube, es ist schon ein Weilchen her, dass ich das letzte Mal Luft geholt habe, aber egal …
Das grelle, bunte Licht, das urplötzlich wieder angeht, reißt mich aus meiner Trance. Überrascht öffne ich die Augen und löse mich von David, der sich mit verzerrtem Gesichtsausdruck über die Augen reibt. Da haben wir wohl etwas unser Gefühl für Zeit vergessen. Und was für ein großer Fehler das gewesen ist, stelle ich eindeutig fest, als ich mich umdrehe und in Toms aufgerissene Augen blicke.
„ Was tut ihr da?“, fragen er und Sina in einem unheilvollen Chor.
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Kommentare
Minii schrieb am 2010-06-16 17:54:57:
Super Fortsetzung! Zu kurz, aber richtig toll :D
Schreib schnell weiter und lass uns bitte nicht solange warten wie dieses mal, oki?!
Übrigens gefällt mir dein Schreibstil unheimlich gut! Weiter so!!
LG Minii♥
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