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Kategorien > Aus dem Leben > Psychologie

Zelle

von LordGrey

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Die drei Pfleger eskortierten mich den ganzen Weg durch den sterilen Korridor. Die Wände waren mit einer weissen Epoxyfarbe gestrichen, die wohl sehr robust und pflegeleicht war, aber in dem Neonlicht der Beleuchtung einen unwirklichen Glanz reflektierte. Am Ziel hielt mir einer die Türe auf, einen Portier mokierend, während die andern beiden hinter mir blieben und kein Zweifel aufkommen liessen, dass sie jeden Fluchtversuch unterbinden würden. Dies liess schon ein klammes Gefühl in einem aufkommen. Also fügte ich mich meinem unausweichlichen Schicksal und tratt durch die Türe, welche sehr massiv wirkte, was wohl auch daran lag, dass sie innen eine 10 cm hohe Polsterung hatte. Beruhigungsraum nannten sie es. Gummizelle klingt ja so negativ. Der ganze Raum war mit dieser blauen Polsterung ausgekleidet bis auf die Lampe an der Decke, die ca. 2.50m hoch war. Mit einem "Fumb" schloss sich die Ture und die Riegel schoben sich in ihre Verankerungen. Die Polsterung der Türe ging nahtlos in die des Raumes über was die Türe beinahe nicht wahrnehmbar machte. Nur die Durchreiche und die Fenster zeigten einem, wo die Türe war. Ca. 15 cm vom Boden hatte die Türe eine Durchreiche, welche aber normalerweise geschlossen war. Darüber befanden sich die Fenster, jeweils 10 cm breit und 60 cm hoch mit drahtgitterverstärkten Scheiben. Die Polsterung war so angebracht, das man sich nicht den Kopf dagegen stossen konnte. Allerdings hätte man wohl seine Faust dagegen hämmern können. Ansonsten befand sich noch eine zweite Scheibe in einer Ecke des Raums und ermöglichte von dort den ganzen Raum zu überblicken. Verstecken konnte man sich nicht. Auch nicht, weil gegenüber noch eine Kamera an der Decke angebracht war, mit der die Zelle vom Stationszimmer aus überwacht werden konnte. Damit man wirklich nichts anstellen konnte. Ansonsten war da nur die blaue Polsterung, ein sehr stabiles Plastikmaterial, leicht zu reinigen und zu desinfizieren, so angebracht, das man nirgends einen Angriffspunkt finden konnte. Selbst die Ecken waren abgerundet. Mobiliar gab es keins. Auch keine sanitäre Einrichtung. Ich hoffe nur, das ich nicht zu lange hier drin bleiben muss. Zwar hatte man mir schon eine Windel unter dem Anstaltsoverall angezogen, aber ich hoffe doch sehr, dass ich die nicht gebrauchen muss. Also setze ich mich in eine Ecke und warte ab. Der Overall fühlt sich schwer an. Er besteht aus einem reissfesten Synthetikgewebe in einer beigen Farbe. Geschlossen wird er mit einem Reissverschluss im Rücken, welcher zusätzlich mit einem Stiftschloss auf der Schulter gesichert wird. Somit wird verhindert, das verwirrte oder unkooperative Patienten sich ihrer Inkontinenzmittel erledigten oder schlimmeres. Für den richtigen Sitz sorgen Gummizüge in der Taille und an den Knöcheln, wo der Overall in Füsslinge mit rutschfesten Sohlen übergeht. Nur Kopf und Hände bleiben unverhüllt. Im Schrittbereich har der Overall auch noch eine Plastikhose eingearbeitet, welche vom Hersteller als Hygienemembrane bezeichnet wurde und die an den Hüften ebenfalls mit Gummizügen abschloss. In der Zwischenzeit hab ich mich beim Fenster hingesetzt und schaute auf den Flur hinaus, aber ich konnte nur die Wand erkennen oder einen Teil der zweiten Gummizelle, in der aber kein Licht brannte. Der Lichtschalter mit einem Dimmer befand sich ausserhalb der Zelle, so dass ich keinen Zugriff darauf hatte. Leider hatte man mir auch meine Armbanduhr abgenommen und ich habe keine Ahnung mehr wie lange ich schon in der Zelle sitze. Hin und wieder eilt eine Pflegekraft über den Korridor oder ein Patient schlendert vorbei. Irgendwann öffnete sich dann die Durchreiche und ein Tablett mit einer Wasserflasche, natürlich aus Kunststoff, und einer Schale voll Müsli wurde in die Zelle gestellt. Der Pfleger gab mir dann noch die Anweisung, das in einer Viertelstunde alles wieder vor der Durchreiche zu liegen hätte sonst gäbe es Sanktionen. Wie freundlich. Ich überlegte mir schon aus reiner Langeweile ob ich es darauf ankommen lasse. Entsann mich dann aber doch eines besseren und ass das Müsli. Beim Wasser hatte ich bedenken, da ich danach bestimmt pieseln muss, doch da ich nicht wusste wann ich wieder etwas zu trinken bekommen würde wählte ich das kleinere Übel und trank das Wasser. Kaum hatte ich alles wieder vor der Durchreiche wurde es auch schon wieder entfernt. Kurz darauf wurde das Licht ausgedreht, diese Schweine wollen mich tatsächlich über Nacht eingesperrt lassen. Die Zelle wurde jetzt nur noch vom Licht, das vom Gang durch die Fenster fiel, beleuchtet. Ich versuchte mich hinzulegen und zu schlafen, aber das Plastik des Bodens fühlte sich so unbequem an und der raue Stoff des Overalls fühlte sich auch nicht gerade kuschelig an. Ausserdem hatte ich keine Zudecke, in die ich mich kuscheln konnte. Ich weiss nicht, wie lange ich mich so herumgewälzt habe. Irgendwann musste ich dringend pieseln und versuchte in die Windel zu machen. Zu meinem Erstaunen war das gar nicht so einfach wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war es gewohnt partiell entkleidet auf das WC zu gehen. Jetzt wo ich noch voll im Overall steckte brauchte es unheimliche Überwindung das gewohnte Verhaltensmuster zu umgehen. Als ich mich dann auf die Fersen hockte und mich so gut es ging entspannte konnte ich mich dann endlich erleichtern. Zum Glück sind moderne Inkontinenzmittel sehr gut entwickelt, so das schon nach kurzer Zeit nichts mehr von der Feuchtigkeit zu spüren war. Zwar war die Windel schwerer und dicker, fühlte sich aber nicht unangenehmer an. Trotzdem hätte ich mich gerne davon befreit. Leider hielt der Overall was der Hersteller verspricht, zerreissen oder öffnen ist nicht. Ich versuchte dann wieder zu schlafen, doch irgendwie wollte es nicht klappen. Irgendwann gab es dann Bewegung auf dem Gang, Schatten fielen durch die Fenster. Dann wurde das Licht langsam hochgedreht. Als die Tür geöffnet wurde freute ich mich schon dass das Martyrium endlich zu Ende sei, doch der Auflauf an Pflegepersonal liess mich anderes vermuten. Von 5 Personen begleitet musste ich in das Badezimmer der Station, wo man mir dann den Overall abnahm und ich die Windel losmachen durfte. Zum Glück waren die männlichen Pflege draussen geblieben, nur zwei Frauen waren im Bad, eine junge Auszubildende, der das Ganze unbehaglich war und die Stationsleiterin, eine grauhaarigen Frau mit einem Gesicht das einem keinen Zweifel aufkommen lies das sie mit jedem Problem fertig würde. Ich hatte schon mit ihr zu tun und obwohl wir uns gut verstanden war jetzt nichts freundliches mehr in ihrem Gesicht zu erkennen, nur kühle Berechnung, als sie mich anwies mich zu waschen. Dies verursachte ein Gefühl der Angst und des abgelehntseins in mir. Doch ich genoss die 5 Minuten um mich gründlich zu waschen, vor allem untenrum. Als ich aus der Dusche kam warteten sie auch schon mit einem Badetuch auf mich. Als ich trocken war fiel mein Blick auf die Chefin, die bereits wieder mit einem Inkontinenzslip daherkam. Zu zweit

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Kommentare

Becci schrieb am 2008-05-19 21:31:07:
Ich stimme Floh zu. Vor allem das Ende fand ich klasse.

Und ich kann nur wiederholen: Wirklich toll!
mimi schrieb am 2007-12-27 17:47:00:
es hat mich öfters im lesefluss gestört weil die zeiten durcheinander waren. vielleicht solltest du mehr gefühle reinbringen und nicht alles so akribisch genau beschreiben. ab und zu ein "ich fühlte mich soooo erniedrigt" reicht nicht und was rüberzubringen.
Floh schrieb am 2007-10-20 23:19:02:
Ich hab richtig mitgelitten und diese Erniedrigung gespürt. Diese Geschichte hat einen Eindruck bei mir hinterlassen und das Ende gab mir irgendwie eine Erleichterung. Toll.

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