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Kategorien > Jugendstory > Alltag

Zu schön um wahr zu sein...?

von Linda Rottler

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„Tut mir leid.“ Ich musste husten. „Schon okay. Kann ich verstehen.“ Patricias Stimme klang verständnisvoll und mit einem Mal war mein schlechtes Gewissen verflogen. „Du solltest nur wissen, dass dein Traummann auch da ist.“ Mein Traummann? Was hatte das Mädchen am anderen Ende der Leitung gesagt? „Wer? Ich hab keinen Traummann!“ Ich konnte sie nicht sehen, aber sicher grinste sie im Moment. „Groß, gebräunt und dieser Touch von Johnny Depp“, erklärte sie und hatte ihre verständnisvolle Stimme abgelegt. Mir wurde warm. Langsam kroch mein schlechtes Gewissen zurück. „Wer ist das?“, fragte ich. „Maiks Cousin. Er ist hier. Und er sieht gut aus“, flüsterte sie. Er schien nicht weit weg von ihr zu sein. „Er trägt deine Lieblingsmarke.“ „Verdammt“, nuschelte ich, „ausgerechnet wenn so einer vor der Tür steht bin ich krank.“ „Ich würde dir raten dich zu schonen. Aber wenn dich der Hübsche interessiert dann schmeiß dir ne Tablette ein und beweg deinen Hintern hier her.“ Oh ja, er interessierte mich. Wenn das mit dem Touch von Johnny Depp stimmte, konnte ich nicht widerstehen. „Ich bin in fünf Minuten da!“, rief ich und legte auf, rannte an den Medizinschrank und nahm die nächst besten Schmerztabletten raus. „Wirken schnell, ohne Nebenwirkungen“, las ich. Bitte, bitte, haltet was ihr versprecht, dachte ich und schluckte eine. Ich stellte mich vor den Spiegel. Haarspray, ich brauchte Haarspray. Und wo war mein Kajal? Etwas mehr Wimperntusche konnte auch nicht schaden. Und hier und da musste das Make-up aufgefrischt werden. Gut, das war ganz okay. Aber dieses T-Shirt? Absolutes No-go! Ich kramte in meinem Kleiderschrank. Das Blaue, das Rote, das Polo? Nein, nein, nein! Wieder mal hatte ich nichts zum Anziehen. Nach längerem Hin und Her entschied ich mich für ein pinkes Tanktop und darunter ein weißes, denn mit dem Ausschnitt musste ich nun nicht wirklich übertreiben. Sollte ich noch einen Zopf machen? Ich sah auf die Uhr. Keine Zeit mehr, keine Zeit! Ich packte mein Handy und den Geldbeutel, mein kleiner Spiegel und einen Lippenbalsam mit Vanillegeschmack, verstaute alles in der kleinen Guccihandtasche und rannte los.
Bevor ich bei Patricia klingelte, checkte ich noch einmal mein Make-up, atmete durch und dachte noch einmal darüber nach, ob ich an alles gedacht hatte. Gut, dann konnte die Party steigen. Außer Atem klingelte ich schließlich. Patricia öffnete mit ihrem Zahnpastalächeln. Sie hatte sich die Haare schneiden lassen zu eine frechen Kurzhaarschnitt. „Hei, gut siehst du aus!“, rief ich glücklich. „Gleichfalls!“ Sie bat mich herein. „Wo ist er?“, fragte ich flüsternd, als wir auf dem Weg in ihr Zimmer waren, was allerdings ziemlich unnötig war. Denn als wir das jugendlich eingerichtete Zimmer betraten, fiel er mir sofort auf und Patricia hatte nicht zu viel versprochen. Er sah unglaublich aus! Die Haare, die Figur und diese Augen. Er starrte mich an. „Hallo“, sagte ich. Es war, als hätte mir jemand mein Gehirn raus genommen, mein gesamtes Vokabular war verflogen. Er antwortete nicht. Sagte nur zu Maik: „Hui, du hattest Recht! Was für ein hübsches Mädchen!“ Er meinte mich? Er meinte mich! Ich lächelte und setzte mich neben ihn, während ich mir genau überlegte, was ich nun sagte. Das allerdings war ebenfalls unnötig, denn sofort beugte er sich zu mir und küsste mich und alles um uns herum verschwamm. Ich hörte ein Klingeln. Ein nerviges Klingeln und öffnete meine Augen. Wo war er hin? Was machte ich zu Hause? Mein Telefon klingelte. Ich hatte geträumt. „Hm?“, machte ich in den Hörer. „Patricia hier! Kommst du zu der Party?“ Ich fühlte wie mein Hals schmerzte und mein Kopf schien gleich zu explodieren. „Ich bin krank“, meinte ich. Stille kam aus dem Telefon, Patricia schien enttäuscht zu sein und in meinem Kopf machte sich ein schlechtes Gewissen breit. „Tut mir leid.“ Ich musste husten. „Schon okay. Kann ich verstehen.“ Patricias Stimme klang verständnisvoll und mit einem Mal war mein schlechtes Gewissen verflogen. „Du solltest nur wissen, dass dein Traummann auch da ist.“ Ich begann zu grinsen. „In fünf Minuten bin ich da!“

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Kommentare

dani vom see schrieb am 2011-03-06 17:00:02:
man merkt sofort, dass das ein mädchen geschrieben hat, all die Gedanken und die Unsicherheit um das eigene Äußere ^^ macht das Ganze aber auch sehr menschlich
i-wie gefällt mir wie aufmerksam die Hauptperson ihre Umgebung analysiert, wie man das kennt, wenn man nervös ist
schöne kleine story ;-)
lulu schrieb am 2009-06-05 18:30:34:
witzig

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