Züge Im Nebel
von
Madoka
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Die Tür öffnet sich. Das ist das Zeichen für mich zu Bett zu gehen. Ich hüpfe auf die federige Matratze und eine nette Person schlägt die kuschelige Decke über meinen Körper. Sie nimmt das rote Buch mit den Gutenachtgeschichten für jeden Tag und beginnt langsam mir vorzulesen. Ich schließe meine Augen. Für gewöhnlich höre ich nie zu, so wie dieses Mal auch. Viel lieber reise ich in Welten, die ich mir immer wieder selber ausdenke. Heute sitze ich in einem Zug, ohne zu wissen, wo mich die Fahrt hinbringen wird. Außer mir befinden sich noch 5 andere Menschen in diesem Abteil. Links, neben der Schiebetür, sitzt eine alte Dame mit Stock und einem viel zu großen zartrosafarbenen Hut, an dem eine buschige Feder steckt. Daneben sitzt wohl ihr Sohn, ein junger Mann in Anzug, der gerade erst sein Medizinstudium abgeschlossen hat. Auf der anderen Seite legt gerade ein Junge seinen Arm um ein Mädchen, vermutlich seiner Freundin. Ihre Blicke verraten, dass sie von zu Hause ausgerissen sind. Ansonsten sitzt nur noch ein kleines, unbedeutendes, blondes Mädchen am Fenster mir gegenüber. Ich blicke hinaus in die verschneite Landschaft und lehne meinen Kopf gegen die Scheibe. Der frische Schnee glitzert geheimnisvoll und eine Amsel landet auf einem verdorrten Baum, von dem ein Blatt fällt, das schließlich vom Wind fort getragen wird. Plötzlich bemerke ich, dass sich der Zug immer weiter in einen Nebelschleier hinein begibt. Innerhalb kürzester Zeit sehe ich auf der anderen Seite des Fensters nur mehr weiß. Nichts ist von der schönen schneebedeckten Kulisse übrig geblieben. Schlagartig bremst der Zug ab und kommt zum Stillstand. Eine unruhige Stimmung verbreitet sich unter den anwesenden Fahrgästen und nervöse Blicke werden gewechselt. Das Mädchen drückt die Hand ihres Freundes, der sie zu beruhigen versucht. In diesem Moment steht der Sohn der alten Dame auf, öffnet die Schiebetür und schaut auf den Gang hinaus. Viele andere fragende Gesichter laufen ihm entgegen und man kann immer lauter werdende Diskussionen hören. Plötzlich ertönt die zitternde Stimme des Zugchauffeurs und bittet alle Personen in den möglichst vorderen Teil des Wagens zu kommen. Widerwillig verlässt das Paar seinen Platz und der junge Arzt verhilft seiner Mutter zum Aufstehen. Als alle das Abteil verlassen haben, stehe auch ich auf und schlendere der Tür entgegen. Ich stoppe und drehe mich zögernd um. Erst jetzt bemerke ich, dass das kleine Mädchen sich bis jetzt nicht bewegt hat. Ich stoße äußerst langsam vier Worte aus meinem Mund: „Alles okay mit dir?“ Voller Entsetzen blicke ich in ihr entstelltes Gesicht, das sie nun endlich zu mir gewendet hat. Aus ihren Augenhöhlen blitzt ein leuchtendes Grün und an der Stelle, an der sich ihre Nase befinden sollte, ist nur ein schwarzes Loch zu sehen. Der Hals des Mädchens ist entzwei geschnitten und leicht verschoben, sodass das rotbraune Blut in Strömen herabfließt. Als es den Mund öffnet, befinden sich nur schwarze, verfaulte Zähne darin. Im nächsten Moment höre ich einen grellen Schrei und das Mädchen stürmt auf mich zu. Ich reiße die Augen auf und bin wieder in meinem kahlen, weißen Zimmerchen. Die nette Person legt das Buch mit den Geschichten beiseite und gleitet zum Fenster um es zu schließen. Ich erblicke die rostigen Gitterstäbe, die sich davor befinden und als die schwere Eisentür zufällt, weiß ich wieder wo ich bin. Das ist kein Traum gewesen, sondern die Erinnerung, die mich hierher gebracht hat - in die Zelle eines Irrenhauses.
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Kommentare
Kimberly F. schrieb am 2010-03-28 15:22:48:
Die Geschichte ist echt gut!
Ein sehr guter Anfang für einen schönen Roman!
Hoffentlich schreibst du noch einen zweiten Teil.
Die Story hat es mir angetahen.. :)
Mlg
Veronica Wallner schrieb am 2009-10-25 23:56:13:
echt klasse...unerwartete enden liebe ich...gibt es eine fortsetzung...nähere erinnerungen an den Zug, kommt noch etwas raus...
Lg Veronica
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