Zugfahrt nach Washington
von
Christine K
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Carly´s Sicht
„Sehr geehrte Damen und Herren. Der Zug nach Washington D.C verspätet sich wegen Bauarbeiten auf Gleis 2 um etwa 5 Minuten. Bitte haben Sie Verständnis,“ ertönte eine monotone Stimme aus den Lautsprechern des kleinen Bahnhofes in Braxton. Ich zog den Reisverschluss meines Jersey Pullis höher. Es war ein kühler Herbsttag und der starke Wind blies mir kräftig um die Ohren. Ein Mann im Anzug vor mir schaute auf seine goldene Armbanduhr und seufzte hörbar auf. „Immer diese Verspätungen,“ sagte er laut genug um einige Blicke auf sich zu ziehen und zog seine schwarze Krawatte zurecht. Ein brauner Aktenkoffer stand neben ihm und ließ ihn wichtig erscheinen.
Ich brachte eine vom Wind losgelöste Strähne hinters Ohr und betrachtete stumm den Brillenträger links neben mir. Ihm schien die Verspätung nichts auszumachen. Zumindest konnte ich keine Anzeichen dafür finden.
„Mama, wann kommt der Zug?“ hörte ich nun ein kleines Mädchen hinter mir fragen. „Gleich Schätzchen. Hier, iss solange ein Keks.“ Sofort war das Mädchen ruhig. Ich musste darüber lächeln, wie schnell man doch ein Kind zufrieden stellen konnte und musterte wieder den Geschäftsmann, der sein Gewicht ungeduldig von einem Bein aufs andre verlagerte. Was wäre, wenn man ihm einen Keks anbieten würde? Wäre er auch ruhiger und entspannter? Sicherlich nicht. Ich strich über meine Haare, welche mittlerweile schon in alle Richtungen standen, als der Zug endlich heranfuhr.
Es war noch früh am Morgen und das erste Abteil, in das ich hineinging hatte gerade mal zwei Leute darin sitzen. Ich ließ mich an den nächst besten Fenstersitz nieder und bändigte erst mal meine wildgewordene Mähne zu einem Pferdeschwanz zusammen. Gähnend lehnte ich mich nach hinten, als der Zug sich in Bewegung setzte. Ich hatte letzte Nacht bei meiner älteren Schwester Maggie übernachtet und nun war ich auf dem Weg nach Hause. 120 Kilometer trennten uns beide und ich besuchte meine 26 Jahre alte Schwester so oft ich nur konnte. Wir zwei waren nicht nur Schwestern, sondern auch richtig dicke Freunde. Früher haben wir immer alles zusammengemacht, trotz des Altersunterschiedes von 6 Jahren. Maggie hatte bereits eine kleine Familie. Ihren Mann Tim, mit dem sie seit 4 Jahren verheiratet war und den kleinen Jonas, von dem ich mich heute nur schwer trennen konnte. Kleine Kinder waren für mich einfach was besonderes und ich freute mich schon irgendwann mal eigene zu haben. Doch dazu fehlte noch der richtige Mann und ich war erst 20 Jahre alt. Also noch genug Zeit...
„Ist hier noch Platz, Süße?“ unterbrach mich eine Stimme in meinen Gedanken und schon saß mir ein dicker Mann mit einer starken Alkoholfahne gegenüber. Ich schaute mich kurz im Abteil um. Die anderen zwei Fahrgäste waren gerade ausgestiegen.
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Nick´s Sicht
„Ich versteh nicht, wieso Jackson nur für 3 Personen reserviert hat. Er weiß doch ganz genau, das ich Gina noch mitnehmen wollte. Sie liebt Basketball. Wusstest du-„ Ich schubste meinen Freund leicht nach vorne, während wir durch die Abteile schlenderten. „Pete! Es ist Samstag und ich bin erst vor einer Stunde aufgewacht. Du quatscht mich schon voll, seit wir von deinem Haus raus sind. Kannst du mal kurz die Klappe halten?“ Kopfschüttelnd gab ich ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. „Und wieso laufen wir immer noch? Überall sind Plätze. Willst du beim Zugführer vorne sitzen oder was?“ fragte ich ihn und nahm beim Vorbeigehen einen Geschäftsmann wahr, der auf seine Uhr schaute und irgendwas von „Verspätung“ murmelte. „Also, ich hab kein Bock mehr durch den Zug zu wandern. Im nächsten Abteil hocken wir uns einfach hin,“ sagte ich, als Pete die Tür aufschob. Pete ist mein toller, aber leichtnerviger Freund seit der ersten Klasse. Ich kann mich kaum daran erinnern mal ohne ihn irgendeine Aktion gestartet zu haben. Er ist wie ein Bruder, nervtötend und doch konnte ich nur schwer ohne ihn mein Leben meistern. In meiner Familie ging es damals drunter und drüber wegen meinem Vater und da war mir jede Ablenkung recht. Kaum ins nächste Abteil reingekommen plumpste ich mich sofort auf den ersten Sitz um ihm zu zeigen, dass ich nicht noch weiter den Zug durchwandern würde. „Hier stinkt es aber nach Alkohol,“ sagte er sofort, hockte sich aber dennoch hin. Ich stand auf und zog das Fenster herunter um den Gestank loszuwerden und dabei fiel mein Blick auf einen dickeren Mann, der hinter mir saß. Da haben wir wohl den Übeltäter... „Sag mir doch endlich deinen Namen,“ lallte der auf einmal los und für eine kurzen Moment dachte ich, er würde mit mir reden, doch sein Blick war auf etwas anderes gerichtet. Ich beugte mich leicht über die Lehne und konnte nun einen Blondschopf ausmachen, der ihm gegenüber saß. Ich hockte mich zwar wieder hin, wartete aber darauf, was das Mädchen antworten würde. Es blieb still. „Du eingebildete Tussi, fühlst dich wohl besser wie ich, ha? Nur weil du ein hübsches Gesicht hast, willst du nicht mit mir reden?“ Pete warf mir einen fragenden Blick zu, doch bevor ich was sagen konnte, hörten wir ein Klatschen. Ich war mir sicher, dass das von einer Ohrfeige kam und stand sofort auf und ging rüber. Ich bin schon immer ein neugieriger Typ gewesen und steckte meine Nase gerne überall hinein. Der dicke Mann stand vor dem blonden Mädchen und hielt seine Hand in die Höhe. Das Mädchen hatte ihre Augen zusammengekniffen und drückte sich in den Sitz hinein. Eine Hand lag auf ihrer Backe, während die andere den Saum ihres Pullis festumklammerte.
„HEY!“ schrie ich und schubste den Mann auf seinen Sitz zurück. Der Betrunkene plumpste hart auf den Sitz und ich dachte für einen Moment, dass dieser unter seinem Gewicht zusammenbrechen würde. „Was willst du?“ lallte er mir erschrocken zu, den er hatte mich bis jetzt nicht wahrgenommen. „Hast du sie gerade geschlagen?“ fragte ich ihn in einem wütenden Ton. Nun kam auch Pete um die Ecke und starrte uns mit offenem Mund an. „Solchen Tussis muss man Manieren beibringen,“ gab der Dicke zur Antwort und wollte schon wieder aufstehen, doch ich machte einen Schritt auf ihn zu. Er war bestimmt stärker als ich, aber das war mir egal. Ich hasste es, wenn man Frauen schlug. „Manieren?? Hockt sich sturzbesoffen in einen Zug, schlägt ein Mädchen und will mir was von Manieren erzählen. Dir zeig ich gleich Manieren!“ zischte es aus mir heraus, meine Hand war bereits zu einer Faust geformt. Pete packte mich am Arm. „Lass es. Der ist total betrunken. Das bringt nichts,“ redete er beschwichtigend auf mich ein und zerrte mich ein wenig von ihm weg. Ich befreite mich von seinem Griff, hockte mich dann aber neben das Mädchen hin, dass mich mit großen smaragdgrünen Augen ansah. Die Ohrfeige hatte auf ihrer Backe einen roten Fleck hinterlassen. Sie hatte ein hübsches Gesicht und ich schätzte sie in meinem Alter. „Hey, wie wäre es, wenn du den Rest der Fahrt bei uns sitzt? Mein Freund Pete ist ein lustiger Kerl und kann viel reden,“ fragte ich sie und lächelte ihr zu. Ihre Augen
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Kommentare
sternenstaub schrieb am 2008-12-05 15:39:44:
hmm... hast du vor die geschichte weiterzuschreiben ??
würde mich echt freuen ...
Lg sternenstaub
sternenstaub schrieb am 2008-09-29 11:22:18:
Hey,
ich finde deine Kurzgeschichte toll!!
Es gibt keinerlei Rechtschreib- oder Grammatikfehler und vom Stil her ist sie auch super !!!
Schreibst du sie auch weiter und stellst sie hier rein ?????
Lg Sternenstaub
Dragoneye schrieb am 2008-07-31 15:43:42:
Sehr gute Kurzgeschichte.. Man kann sie flüssig lesen und ich finde sie sehr intresannt... weiter so
Gruß Dragoneye
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