Zusammen in Paris *TEIL 1*
von
Le-Oh-Ni
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Ich saß vor dem Familienbild, das erste Mal seit vielen Jahren. Eine Träne fiel auf den Rahmen, als ich mich daran erinnerte wie ich es das letzte Mal angeguckt habe.
Ich stand an dem Tag auf und machte mich fertig, schminkte mich auch dabei ein bisschen. Ich habs nicht nötig, aber mein Freund ist der süßeste Typ der Schule, daneben muss ich doch gesehen werden. Neben mir steht mein Bruder Leon, auch er stylt sich, aber auch er hat es nicht nötig. Leon & Leoni, na ja eigentlich Leonard und Leonora, ja die Namen klingen ähnlich, wir sind aber auch Zwillinge. An dem Tag weiß ich noch, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich mein Haar offen lasse oder es in einem Zopf zusammen binde, Leon nahm mir die Entscheidung ab und zeigte auf seine Uhr, dass wir los mussten, so dass ich sie offen lies. Mein blondes Haar ist etwa Schulter lang und weht immer so toll im Wind mit, Leons Haare sind im Irokesen hoch gegelt, natürlich sind sie auch blond, ich sagte doch das wir Zwillinge sind. Wir verabschiedeten uns winkend von unseren Eltern die im Wohnzimmer an den Handys klebten und lautstark in verschiedenen Sprachen schimpften. Meine Eltern haben für auswärtige Ämter gearbeitet, Jobs wo man oft reisen muss und sich nicht immer Freunde macht. Doch für Leon und mich war das normal, wir liebten unsere Eltern trotzdem. Auf die Fahrräder geschwungen und los ging es Richtung Schule. Am Schultor stand schon Lars, er begrüßte mich mit einem Kuss und schob mein Fahrrad für mich zum Ständer. Wieder einmal fragte ich mich, womit ich ihn verdient hatte, ich liebte ihn sehr und er erwiderte zu meinem Glück diese Liebe, er sagte es mir oft genug. Der Unterricht verlief wie immer, mal war es langweilig mal etwas interessanter, ich beobachtete Leon wie er krampfhaft versuchte etwas von der Tafel zu lesen, bis er seufzte und die Brille raus holte, wir können beide selten von der Tafel ohne Brille lesen. Klar, Kontaktlinsen wären eine Lösung, doch ich bin viel zu empfindlich an den Augen und Leon stört die Brille nicht, also heißt es eben Brille tragen.
In der Pause standen wir in der üblichen Gruppe, Lars, Sarah, Annika, Alex und natürlich Leon und ich. Doch irgendwie waren wir nicht beim Thema das Sarah angeschlagen hatte, ich bin kein Chemieass und ihr niedlicher Laborpartner interessiert mich auch nicht besonders, vor allem da sie meint er sehe aus wie Edward Cullen. Aber auch Leon war unruhig, er guckte sich immer wieder etwas verstört um und blickte mir nachdenklich in die dunklen Augen. Manche sagen sie seien braun, doch das stimmt nicht, sie sind ganz dunkel grün, ich liebe die Farbe. Ich gucke ihn fragend an, doch auch ich merke das Etwas nicht stimmt. Doch was es war, erfuhren wir erst als wir nach Hause fuhren, doch erst mal kümmerten wir uns nicht mehr darum. Ich turtelte und schmuste viel mit Lars rum und vernahm nur ein nachsichtiges Lächeln meiner Freunde. Wir sind nun seit nahezu 2 Jahre zusammen, und noch genauso verliebt wie am Anfang. Was sollte uns trennen?
Nach Schulschluss verabschiedeten wir uns an den Fahrradständern, Lars fährt in eine andere Richtung als Leon und ich. „Ich liebe dich“, sagte er mir noch und küsste mich ein letztes Mal. Fröhlich fuhren Leon und ich nach Hause und planten den Nachmittag, doch je näher wir uns unserem zu Hause näherten, desto unruhiger wurden wir, „Es liegt etwas in der Luft, haben die nicht Gewitter für heute Abend angesagt?“, sagte Leon um mich und sich selbst zu beruhigen. Doch ich zuckte nur mit den Schultern und bog in unsere Straße ein, um gleich darauf an zuhalten. Leon bremste scharf hinter mir.
Ich höre heute noch das Quietschen von seinen Bremsen, es ist wie in mein Gedächtnis eingebrannt. Vor unserem Haus waren viele Wagen, die da eindeutig nicht hingehörten, es waren nicht nur zwei dunkle Wagen, nein auch die Polizei und zu unserem Schreck auch Krankenwagen und Notarzt. Eiskalt war meine Hand, als ich nach Leons greife und dabei mein Fahrrad fallen lasse. Er schluckte laut hörbar und fasste dann meine Hand fester, als auch er sein Fahrrad ablegte und wir wie auf Watte auf unser Haus zu gingen. Die Haustür war auf, warum war die Haustür auf fragte ich mich, wir ließen sie doch nie auf. Fast war es zum Lächeln, das mir zu diesem Zeitpunkt so etwas banales in den Sinn kam. Doch ich wollte mich nicht mit dem was im Inneren passierte auseinander setzen. Aus lauter Gewohnheit wollte Leon nach dem Schlüssel kramen, als ich laut aus atmete und die Haustür einfach aufdrückte. Der Flur sah eigentlich aus wie immer, nur ein paar Sachen waren verschoben und viele Fußabdrücke die da nicht hingehörten. Lautes Stimmengewirr war zu hören und etwas was ich nicht sofort zuordnen konnte.
Heute weiß ich, das es das klicken eines Fotoapparats war, ich zuck noch heute zusammen wenn ich das selbe Geräusch höre, die Apparate der Polizei klingen so endgültig. Und das war es auch hier, es kamen uns im Flur schon Männer in Uniformen entgegen, sie hatten steinerne Minen auf und drückten uns die Schulter, bevor sie uns in Richtung Wohnzimmer lenkten. Was danach geschah erlebte ich nur noch wie durch Wolken. Hauptkommissar Brücken erzählte uns, dass unsere Eltern erschossen wurden, von Terroristen, solche die sie sich zu Feinden gemacht hatten.
Die nächste Woche war nicht Real für mich, die Beerdigung meiner Eltern, der Streit der Verwandten was aus Leon und mir werden sollte, die letzte Begegnung mit Lars.
In Tränen aufgelöst saß ich auf meinem Gepäck vor dem Haus und guckte nicht nach rechts und links. Lars und ich hatten uns getrennt, unsere Liebe war nicht zerbrochen sie war nicht mehr möglich. Meine Verwandten hatten sich entschieden, warum ich meine sage und nicht mehr unsere? Weil es ab dem Moment nur noch Leoni gab, Leon und Leoni konnten nicht zusammen bleiben. Keiner unserer Verwandten wollte uns beide zusammen nehmen, Platzmangel, selber mehrere Kinder, waren nur ein paar der Argumente. Entschieden wurde dann, das Tante Milla mich zu sich nehmen sollte und Onkel Dirk nahm Leon zu sich. Doch Tante Milla war extra aus Paris angereist für die Beerdigung ihrer Schwester. Und Onkel Dirk, nun er war aus Österreich angereist, das hieß Leon und ich mussten uns trennen. Und auch meine Beziehung zu Lars hatte keine Zukunft, „Wir können doch keine Beziehung führen wenn wir soweit von einander entfernt sind“, sagten wir. Wir liebten uns immer noch sehr, doch so ging das nicht.
Nun saß ich da, von allen verlassen bis auf Tante Milla, die mit dem gemieteten Auto vor fuhr und mit mir und unserem Gepäck Richtung Flughafen düste. Es war alles schon geklärt, ich hatte einen neuen Platz an der Schule und die meisten meiner Möbel waren schon unterwegs nach Paris. Die Sprache war kein Problem für mich, schließlich haben meine Eltern fließend mehrere Sprachen gesprochen und natürlich auch Französisch, es war ganz einfach das ich meine Eltern nie wieder sehen sollte und auch meine Zwillingsbruder nicht und auch meine wohl größte Liebe nicht.
Doch wie
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