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Kategorien > Fantasy > Düsteres & Geheimnisvolles

Zwillingsblut (Prolog)

von Romea

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Prolog


Lautlos glitt Omira durch die verwinkelten und schmalen Gassen, an den Häusern der kleinen Siedlung vorbei. Nur wenige Skelven begegneten ihr und keiner von ihnen bemerkte sie. Denn dank des tiefschwarzen Himmels und ihrem langen schwarzen Umhang mit der weiten Kapuze, die ihren Schatten über ihr helles Gesicht warf, war sie so gut wie unsichtbar. Sie dachte nichts, vertraute allein ihrem Instinkt, denn der hatte sie immer zuverlässig geführt. Ein paar Mal blieb sie stehen und presste sich an eine steinerne Häuserwand um vereinzelten Skelven auszuweichen, doch alles verlief wie immer. Schnell, leise, problemlos. Omira hatte nicht gezählt, wie oft sie auf diese Weise Morrx gedient hatte, sie wusste nur, dass es viele Male gewesen waren.
Zu viele?
Immer war sie erfolgreich gewesen. Immer hatte Morrx sie hoch gelobt und ihr gesagt, dass sie den Skelven, und ganz Hasakar, zu einer besseren Zukunft verhelfen würde. Und sie glaubte ihm. Seine Aufträge hatten sie durch ganz Hasakar geführt, deshalb kannte sie sich gut aus, in allen Siedlungen der Skelven, in den Wäldern, den Bergen, der Ebene, selbst in der Wüste. Sie wusste viel über die Geschöpfe Hasakars, denn dies war unumgänglich, wenn sie ihre Arbeit tun wollte.
Vor einem kleinen Haus aus Stein blieb sie stehen. Wieder hatte sie ihr Ziel erreicht. Nun begann der Teil, bei dem sie nicht nachdenken durfte. Die kleinste Ablenkung konnte alles zerstören. Vor allem ihr Leben, von dem doch so vieles abhing.
Omira presste ein Ohr an die steinerne Hauswand und lauschte. Das ruhige und gleichmäßige Atmen von zwei schlafenden Skelven drang durch den Stein an ihr Ohr. Sie löste sich von der Wand und eilte zum Eingang, der allerdings mit einem Vorhang verschlossen war, in dem hunderte von Steinplättchen eingearbeitet waren, sodass er bei jeder noch so kleinen Bewegung klimperte.
Das wäre ja auch zu einfach gewesen, dachte sie und umrundete das Haus, bis sie ein großes rundes Guckloch entdeckte. Omira schaute sich noch einmal um und kletterte dann mit geschmeidigen und geübten Bewegungen hindurch, in das Innere des Hauses. Es bestand aus einem einzigen Raum, in dessen Mitte sich eine verkohlte Feuerstelle befand. An einer Wand reihten sich Kisten, höchst wahrscheinlich mit Vorräten, Werkzeugen und Waffen gefüllt. Zu ihrer Linken und ihrer Rechten befand sich jeweils ein Schlaflager. Omira ging auf das erste zu. Der Skelve, der dort lag, schlief auf dem Rücken unter einer grob gewebten Decke, die lediglich seinen Kopf und die Schultern unbedeckt ließ.
Erschrocken fuhr sie zusammen, als sie das wohl vertraute Gesicht erkannte. Er hatte die für Skelven typische helle Haut, langes schwarzes Haar und eine alte Narbe, die sich über seine rechte Wange zog und ihm ein verwegenes Aussehen verlieh. Tief in ihrem Inneren regten sich mühsam verdrängte Bilder und Gefühle und für einen Moment vergaß sie alles um sich herum. Sie streckte eine zitternde Hand aus und strich zärtlich über sein Gesicht, ohne es zu berühren und flüsterte den Namen des Skelven. Eine warnende Stimme ertönte in ihrem Kopf und rasch verbannte sie die aufsteigenden Erinnerungen aus ihrem Kopf. Blitzschnell zog sie die Hand zurück, als hätte sie sich zu nah an ein Feuer gewagt, wandte sie sich ab und ging zu dem anderen Lager. Der Skelve war wesentlich jünger als der erste. Vielleicht acht, neun Lichtzeiten alt. Ein Kind! Und auch ihn kannte Omira nur zu gut. Auch wenn es lange her war, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, erkannte sie ihn doch. Er hatte dasselbe lange schwarze Haar wie der andere Skelve, doch sein Gesicht war sehr viel feiner und spitzer geschnitten, ähnlich ihrem eigenen. Wieder regten sich die bösen Erinnerungen und finsteren Bilder in ihr. Bilder aus längst vergangenen Zeiten, als sie noch sehr jung gewesen und gerade in die Dienste Morrx’ getreten war. Und auch diese gefährlichen Erinnerungen verdrängte sie schweren Herzens, doch auch sehr bestimmt. Sie tat nur ihre Arbeit. Wer da vor ihr lag, war nicht von Belang, solange sie ihre Gefühle im Zaum hielt! Auch, wenn es ihr eigen Fleisch und Blut war…
Sie zog ihren silbernen, kunstvoll verzierten Dolch, wandte sich jedoch zuerst wieder dem ersten Skelven zu. Es war einfacher, erst ihn zu töten.
Die Klinge schnitt durch seine Kehle. Er starb im Schlaf, ohne einen Laut von sich zu geben. Hellrotes Blut strömte aus dem durchtrennten Hals und wurde von der groben Stoffdecke aufgesogen, auf der er lag. Omira konnte sich nicht mehr beherrschen. Zu stark waren die Gefühle und Erinnerungen in ihr und sie beugte sich über den abgetrennten Kopf und berührte seine Stirn mit den Lippen. Eine einzelne Träne rann über ihre Wange und fiel auf das Gesicht des Skelven. Stumme Schluchzer schüttelten ihren zusammengesunkenen Körper. Vergessen waren Morrx und der Auftrag, den er ihr erteilt hatte. Vergessen war der Schwur, nie wieder an die Vergangenheit zu denken, den sie sich selbst gegeben hatte. Sie trauerte um den Skelven, der da vor ihr lag, um die Skelven, die sie bereits getötet hatte, um die, die sie noch töten würde und um sich selbst. Was war bloß aus ihr geworden? Was hatte Morrx aus ihr gemacht? Nein, es war nicht Morrx, der eine skrupellose Mörderin aus ihr gemacht hatte. Das hatte sie selbst zu verantworten. Mit Macht drängte sie die Gedanken zurück, um einen klaren Kopf zu bekommen. Doch es gelang ihr nicht ganz.
Als sie sich schließlich wieder gefangen hatte, erhob sie sich schwankend, wandte sie sich widerstrebend und noch immer von tiefer Trauer erfüllt von dem Skelven ab – und erstarrte. Der jüngere Skelve stand auf seinem Schlaflager und hielt ein Schwert mit schwarzer Klinge in den Händen, das beinahe so lang war, wie er selbst. Seine Augen bohrten sich in die von Omira. Sie waren hellblau, fast weiß, mit funkelnden silbernen Sprenkeln durchsetzt und so kalt, dass es ihr einen eisigen Schauder über den Rücken jagte. Und zum ersten Mal in ihrem Leben verspürte sie, Omira, Morrx’ auserwählte Mörderin, Angst. Denn sie wusste, dass dies ihr Ende war.
Wieder rannen Tränen über ihre Wangen, doch dieses Mal nicht nur wegen ihrer Trauer, sondern auch wegen ihrer Angst, und sie sank auf die Knie. Die Erinnerungen waren wieder da und hielten sie fest umklammert, lähmten sie, stürmten auf sie ein und erdrückten sie beinahe. Das Letzte, was sie von dieser Welt sah, waren seine Augen. Diese kalten Augen, in denen so viel Hass und Abscheu stand. Sie sah ihr eigenes Spiegelbild darin, sah sich so, wie sie wirklich war: Klein, schwach, unbedeutend und so ängstlich im Angesicht des Todes. Dann durchdrang die schwarze Klinge ihr weiches Herz. In dem kurzen Augenblick bevor sie ihre Seele aushauchte und das Licht in ihren Augen erlosch, sah sie die Zukunft dieses Kindes... ihres Kindes, das schon jetzt, in diesem zarten Alter eine unheimliche Skrupellosigkeit und Kälte besaß. Stolz, Mitleid und Ehrfurcht mischten sich für einen Moment mit ihrer Angst. Dann

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Kommentare

Lina schrieb am 2007-02-02 19:43:56:
find ich echt gut! ich hoffe, du schreibst schnell weiter.. veröffentliche bitte schnell den nächsten teil ;) würde mich echt freuen.. ist jetzt schon superspannend!
su-c schrieb am 2007-01-08 20:21:14:
Woow... gefällt mir sehr gut! Ich fühle mich schon jetzt, obwohl die Geschichte ja wirklich noch nicht lang ist, total in die Handlung hineinversetzt, das passiert mir wirklich selten.
Ich bin sehr gespannt auf eine Fortsetzung, ich hoffe, du schreibst schnell weiter ;-)
Grüßle

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