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Kategorien > Traumreise > Traumseherin

Zwischen Traum und Wirklichkeit / Kapitel 1

von Anonyma

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Kapitel 1

Schweißgebadet fuhr Donna hoch. Keuchend sah sie sich in ihrem Zimmer um. Wieder hatte sie diesen Traum: Ein Junge, vielleicht ein oder sogar zwei Jahre älter als sie. Sie sah nur sein etwas längeres schwarzes Haar, da er immer mit dem Rücken zu ihr stand. Als wäre sie die Beobachterin sah sie zu, wie er den Seifenblasen zuschaute, die immer weiter ins schwarze Nichts empor stiegen. Nach und nach platzen die Blasen und sie verwandelten sich in Eisregen, der auf sie herunterhagelte. Plötzlich färbte sich alles rot. Sogar das schwarze Nichts über ihr, was sie jedes Mal zu erdrücken schien.
Was dann passierte, weiß sie nicht. Sie sah nur noch einen grauen Schleier, der sich wie Nebel auf sie herabsenkte. Der Junge war verschwunden, wie alles andere auch. Er hatte sie zurückgelassen. Donna allein und um Gnade winselnd. Dann erwachte sie jedes Mal.
Seit dem sie mit ihrem Vater in die neue Stadt umgezogen war, träumte sie diesen Traum jedes Mal. Immer wieder, und jedes Mal erwachte sie genau bei dieser Szene: Sie allein, und der fremde Junge, dessen Gesicht sie nicht kannte, verschwunden.
Langsam setzte sie die Füße auf den kalten Parkettboden und fuhr sich mit der Hand durch’s Haar. Es war verrückt. Donna hatte schon immer geträumt, doch nie hatte sie solch einen Traum. Und schon gar nicht so häufig.
Sie hatte keine Ahnung, was dieser Traum bedeutet, und Donna war sich sogar sicher, dass sie es auch gar nicht wissen wollte.
Seufzend erhob sie sich und rang immer noch nach Luft. Ihre Kleider klebten an ihrem Körper und voller Sehnsucht nach frischer Luft riss sie das Fenster auf.
Begierig atmete sie mehrmals tief ein und aus, bis sich ihr Atem endlich beruhigt hatte. Sie setzte sich auf die Fensterbank an offene Fenster und schlang die Beine um die Knie. Sie fror in ihren Shorts und dem dünnen T-Shirt, doch es tat gut. Es lenkte sie von ihrem Traum ab, der sie jede Nacht heimsuchte. Manchmal wechselte auch die Kulisse und manchmal war es auch ein anderes Geschehen, doch das schwarze Nichts über ihr blieb. Genau wie der Junge mit den schwarzem Haar.
Wieder entwich Donna ein Seufzen und sie starrte auf die Straße unter ihr. Kaum ein Auto passierte die Straße um diese Uhrzeit. Und die Straßenbahnschienen, die hier einst gebaut worden waren, wurden schon vor längerem lahm gelegt, weil in diesem kleinen Dorf eh’ kaum jemand mit der Bahn fuhr.
Allgemein hatte diese kleine Stadt etwas Malerisches, Künstlerisches und sogar Poetisches. Die Stadt war gefangen von Vergangenheiten und Träumen, und gerade deswegen hatte sich Donna auch gleich in diese Stadt verliebt.
Ihr Vater war hier her aus beruflichen Gründen. Er Künstler, oder eher Möchtegern Künstler, weswegen er Donna und sich selbst mit seinem eigentlichen Beruf über Wasser hält: Kunsthistoriker. Für ihn war die Stadt natürlich auch perfekt und die Arbeit im Artmuseum war ein Beruf, den er gerne ausführte. Dort stellte er seine eigenen Werke aus und interpretierte andere Bilder.
Donna war nicht halb so beigeistert, wie ihr Vater es war. Doch die Geschichte, die Vergangenheit die diese Stadt ausstrahlte machte sie auch für Donna interessant. Damit hatte sie genügend Orte und Gelegenheiten zu träumen. Vielleicht fand sie sogar ein Plätzchen zum schreiben.
Bis jetzt hatte sie sich vor lauter Umzugsstress noch nicht umschauen können, doch sie hoffte, dass sie es noch schaffen würde, bevor die Sommerferien vorbei wären und sie wieder in die Schule müsste.
Und so schön sie die Stadt auch am Tag fand, umso unheimlicher wurde sie in der Nacht. Plötzlich wurde alles grau und schwarz. Das Romantische und Malerische der Stadt verschwand und hinterließ nur einen dunklen Fleck irgendwo auf der Erde.
Obwohl Donna die Nacht mochte, und es liebte den Mond und die Sterne zu beobachten, die ihr aus irgendeinen Grund Kraft zu schenken schienen, so fürchtete sie die Nacht in ihrer neuen Heimat. Ein Grund war nicht nur die Veränderung der Stadt, sondern die Angst vor weiteren Albträumen.
Als Donna zu zittern begann, kletterte sie von der Fensterbank und schloss das Fenster. Ihre Augen hatten sich gut an die Dunkelheit gewöhnt und sie schaute sich in ihrem neuen Zimmer um. Auch wenn sie nun schon seit zwei Wochen hier waren, so sah es doch aus, als wären sie heute erst angekommen. Überall in ihrem Zimmer standen Kisten, Taschen und Beutel, mit diversen Beschriftungen.
Hier und da flogen Klamotten herum und diffuse Bücher von Franz Kafka, Jane Austen, Oscar Wilde und Thomas Mann lag zwischen dem ganzen Chaos. Donna war schon immer von der Schriftstellerei fasziniert gewesen. Eine Kiste, der vielen, die in ihrem Zimmer standen trug deshalb auch die Aufschrift Eigene Werke. Der Inhalt dieser Kiste bezog sich hauptsächlich auf viele Schnellhefter mit einigen vollendeten „Romanen“ und vielen unvollendeten Versuchen.
Im Slalom lief Donna um die Kisten und ging durch den schmalen Flur der Wohnung. Für ihren Vater und sie reichte auch eine kleine 3-Raum Wohnung. Geschwister hatte Donna keine und ihre Mutter war eine Dramatikerin aus Paris, welche das echte Leben spüren wollte und Donnas Vater und Donna selbst mit drei Jahren allein ließ.
Manchmal fehlte in Donnas Leben einfach eine weibliche Bezugsperson, obwohl ihr Vater schwer in Ordnung war. Doch ein Teil fehlte ihr eben… immer. Deswegen hatte sie auch gelernt mit sich allein zu Recht zu kommen. Sie hatte gelernt sich zurückzuziehen und nur für sich zu denken, was ihr ein gewisses Gefühl von Freiheit verschaffte. Doch irgendwann gewann diese Eigenschaft Oberhand von ihr und sie zog sich immer mehr zurück. Noch dazu kam ihre Schüchternheit, sodass Donna lange brauchte ehe sie sich anderen Leuten anvertraute. Nicht, dass sie immer allein war. Aber sie brauchte eben Zeit um Anderen zu vertrauen.
In der Küche schaltete Donna das Licht an und machte sich einen starken Kaffee. Ein Blick auf die Uhr ließ sie nach Luft schnappen. Es war schon halb fünf. Jetzt noch mal ins Bett zu gehen würde sie am nächsten Morgen umbringen. Vor allem, da sie sowieso früh raus musste. Morgen stand Schränke einräumen auf dem Arbeitsplan ihres Vaters. Und wenn die Zeit noch reichte, würde sie gleich morgen die Stadt erkunden.
Gähnend setzte sich Donna an den Küchentisch und trank einen Schluck Kaffee. Sie zuckte zusammen, als sie sich die Zunge verbrannte und beschloss den Kaffee noch eine Weile kühlen zu lassen. Währenddessen griff sie nach der Neusten Ausgabe der Cosmopolitan und blätterte sie halbherzig durch. Obwohl sie sich sehr für Mode interessierte und die Cosmo sowie die Vogue abonniert hatte, konnte sie sich morgens um halb fünf doch nicht so Recht für die besten Tipps Wie vergesse ich meinen Ex? begeistern.
Denn um den Ex vergessen zu können, brauchte man überhaupt erst Mal einen Freund und die fielen ja nicht vom Himmel. Donna lachte leise und bitter als sie daran dachte, dass sie noch ungeküsst war und somit auch noch keinen Freund gehabt hatte. Mit ihren 17 Jahren

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