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Kategorien > Historisches > Liebe

Zwischen zwei Welten 29

von Lilly

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Leas Kopf schmerzte und ihr Arm brannte fürchterlich. Sie lag auf etwas hartem, weichem, nein, feuchtem und es stach ihr etwas unangenehm in die Rippen. Es stank fürchterlich nach allem möglichen und es war ihr, als hörte sie leise Wasser plätschern. Nur dumpf spürte sie eine unangenehme Kälte ihren Körper hinaufkriechen und wie etwas quiekend an ihrem Kopf vorbei lief. Stöhnend griff sie sich an ihre Stirn und versuchte ihre Augen zu öffnen, doch gelang es ihr im ersten Moment nicht.
„Bleib liegen“, hörte sie eine sanfte weibliche Stimme neben sich:“ Man hat dich ziemlich hart geschlagen, lass dir Zeit.“
Doch gerade diese fürsorgliche Stimme brachte Lea dazu aufzuschrecken. Sie schnellte hoch und blickte erschrocken in das schmutzige Gesicht eines Mädchens, ungefähr in ihrem Alter. Ihre blonden, unwahrscheinlich langen Haare klebten fettig an ihrem Kopf, ihre Kleidung war an einigen Stellen zerrissen und sie wirkte auf den ersten Blick ausgehungert, doch ihre dunkel blauen Augen blickten Lea wachsam und besorgt an.
„Bitte, hab keine Angst“, flehend hob sie ihre schmutzigen Hände:“ Ich wollte dich nicht erschrecken, es tut mir leid.“
Verwirrt sah sich Lea um und erfasste schnell wo sie sich befand und das ihr linker Fuß mit einer schweren Kette an der Wand befestigt war. Vorsichtig hob sie diese kurz an und zog trotz des schmerzenden Armes einmal kraftvoll daran, doch natürlich geschah nichts. Tief ausatmend sackte sie zurück und lehnte sich an das kantige kalte und nasse Gestein des dunklen Kerkers. Sie schloss ihre Augen und dachte an Sibylle, was ihr augenblicklich ein weiteres Mal das Herz brach. Wie oft, kann dieser Lebenskern nur brechen? Gedankenverloren fasste sie sich mit zitternder Hand an ihre Brust und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die sie wie eine Welle überrollen wollten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schloss sie ihre müden Lider und kämpfte gegen einen Schwall der Trauer an, in dem sie ihren Atem zu kontrollieren versuchte. Sie hatte ihre Schwester verloren, sie war tot und niemand konnte dies mehr ändern. Sie konnte sie einfach nicht beschützen. Eine Träne entfloh ihrem rechten Auge und lief gemächlich herab. Wie ein Mahnmal blieb der Tropfen an ihrem Kinn einen Momentlang hängen, bevor er auf das faulige Stroh viel.
„Ich bin Leonor… Leonor MacBrownan.“
Müde sah Lea auf, in das abgewandte Gesicht des Mädchens.
„Ich bin Lea“, gab sie mit allzu dünner Stimme zurück und schluckte schwer, bevor sie zu Ende sprach:“ Leathendra…, oh Gott im Himmel…, bis vor kurzem noch Bradley, jetzt… MacFhinn.“
Sie sagte diesen Namen mit soviel Abscheu, das sie glaubte Leonor müsste darauf reagieren, doch das tat sie nicht. Sie nickte nur und meinte spärlich:“ Ich verstehe!“
Lea sah sich nun etwas um und fragte müde klingend:“ Seit wann bin ich hier… und warum bist du hier? Was geschieht hier nur?“
„Man brachte dich vor einigen Stunden und mich vor...“, sie unterbrach sie kurz selbst und schien nach zu denken, dann meinte sie etwas verwirrt wirkend:“ Ich habe keine Ahnung wie lange ich nun schon hier unten bin, ich weiß es nicht und das ist sehr… sehr beängstigend.“
Müde rieb sie sich durch ihr Gesicht, anscheinend selbst erschüttert von dieser Erkenntnis, bevor sie weiter sprach:“ Meiner Familie gehörte einst diese Burg und jetzt…“, auf einmal zögerte sie wieder und blickte wirr durch den Raum. Lea konnte sehen wie sie mit ihrer Fassung rang und meinte bekümmert:“ Jetzt verstehe ich, es ist schon gut, du musst nichts weiter sagen.“
Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis sie dann doch weiter sprach, und bis dahin war es seltsam still zwischen den beiden.
„Ich werde diesen Kerker nicht mehr lebend verlassen!“
Flüsterte Leonor und blickte hinauf zu einem winzigen, fast unscheinbaren Fenster unterhalb der hoch gelegenen Decke. Dicke Gitterstäbe verschlossen dieses und ab und zu wehte etwas Schnee hinein.
„Sie haben mein ganzes Leben zerstört, nur weil sie glauben das Recht dazu zu besitzen.“
Lea schwieg noch immer, kannte sie doch dieses Gefühl nur all zu gut. Sie zog ihre Knie ganz dicht an ihren Körper und umschlang diese mit ihren Armen. Nun ruhte ihr Kinn darauf und man konnte den bläulichen Schatten auf ihrer Wange erkennen, der sich bis zu ihrem Augen hinzog und eine kleine Risswunde, unterhalb ihrer zarten Wangenknochen.
„Der jüngste, Eddi MacFhinn, kam eines Tage und hielt um meine Hand an…“, wieder stockte sie kurz, bevor sie in einem seltsamen Tonfall weitersprach, so als würde sie jemanden imitieren:“ In unserer Familie ist es seit Jahrhunderten Tradition, die erstgeborene Tochter, mit dem letztgeborenen der MacFhinn zu verheiraten.“
Lea sah sie überrascht an, ihre Stirn kraus gelegt.
„Es war ein Abkommen, zwischen unsren Familien, das noch niemals… NIEMALS gebrochen wurde… bis jetzt.“
Wieder schwieg sie und betrachtete die schmutzigen Finger, die sittsam auf ihrem Schoß lagen. Lea sah, dass ihre Wimpern wild flatterten und glaubte zu wissen, dass sich Tränen in ihren Augen befanden.
„Mein Vater weigerte sich, er erinnerte sich an seine Schwester und welch schreckliche Pein sie in dieser Familie ertragen musste. Trotz der Wut seines Onkels und dessen Worte, die ich gerade zitierte, wiedersetzte er sich dem und schlug Eddi MacFhinns Werben rigoros aus. Ich war so erleichtert, so froh, nicht mit ihm gehen zu müssen, dass ich mir über die Konsequenzen keine Gedanken machte… Doch“, ihre Stimme brach ab. Lea hörte den Schmerz in ihren Worten und sacht berührte ihre Hand Leonors Rücken, der leicht vor und zurück wippte und der gebeugt war, wie der einer alten Frau, deren Last sie fast erdrückte: „Doch wenn ich nur andeutungsweise gewusst hätte, was sie uns antun würden, dann wäre ich mit ihm gegangen. Wirklich, ich hätte mich ihm nicht wiedersetzt, es wäre schon nicht so schlimm geworden. Bei Gott, wir waren so dumm zu glauben, das sie keine Macht mehr besitzen!“
„Du kannst nichts dafür, es ist doch nicht deine Schuld!“
Jetzt hatte Lea ihre Stimme wieder, auch wenn sie seltsam klang, als sie versuchte sie zu trösten, denn sie kannte diesen Schmerz und vielleicht sagte sie es auch mehr zu sich selbst, als zu ihr. Denn in diesem Augenblick wurde ihr bewusst, dass SIE nichts dafür konnte. Marc, er war an allem Schuld und die MacFhinns, deren Raffgier zu weit ging, die über Leichen gingen.
„Es war eine sehr mutige Entscheidung deines Vaters, sich ihnen zu wiedersetzen. Ihm war sicherlich bewusst gewesen, dass er wahrscheinlich alles aufgegeben muss um dich vor ihnen zu beschützen. Er tat es einfach, weil er dich liebte und ich bin mir Sicher, das er es keine Sekunde bereute. Das Leben läuft nun mal nicht immer in geregelten Bahnen, Leonor, es hat tiefe dunkle Täler die durchquert werden müssen. Wilde Flüsse, deren Gewässer einem bis zum Hals reichen und es gibt immer abscheuliche Wesen, die sich einem in den Weg stellen.“
Leonor starrte Lea an und fragte auf einmal schockiert, als wäre ihr jetzt gerade erst Bewusst geworden, das jemand bei ihr

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