Zwölf Stufen abwärts
von
Bad Rabbit
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„Scheiß Hitze!“ ächzte Peter Wanneck zum tausendsten mal, seit er und sein Gehilfe Thomas Speer vor etwa fünfzehn Minuten losgefahren waren. Im Radio war ein Oldie-Sender eingestellt, und Thomas genoss grade „Hey Jude“ von den Beatles, als Peter es für nötig hielt, ein Gespräch zu beginnen: „Scheiße, ich will auch mal vierundzwanzig millionen Euro im Lotto gewinnen! Ich hab´ ja auch ein Los gespielt, aber wer gewinnt mal wieder? So paar scheiß Wessis! Und dann kaufen die sich auch noch so einen Protztempel hier in Leipzig.“
„Die Danzigs sind aus Schwerin. Östlicher geht’s kaum“, sagte Thomas und schaute dabei aus dem Fenster, damit Peter seinen verächtlichen Gesichtsausdruck nicht bemerkte.
„Weis ich doch, Kleiner! Wollte dich nur testen“ sagte Peter und lachte, was aber eher wie ein Grunzen klang.
Thomas studierte BWL an der TU Leipzig. Als er vor zwei Monaten bemerkte, dass das lockere Studentenleben ganz schön ins Geld gehen kann, suchte er sich einen Job.
Die Helferstelle bei „Peters Kammerjägerservice – schnell, sauber, tödlich!“ war das beste, was er finden konnte. Jetzt wünschte er sich, er hätte eine der schlechter bezahlten Stellen genommen, denn sein Chef war ein bescheuertes Arschloch.
Sie waren auf dem Weg zur Hauptmannsgasse, mitten in einer piekfeinen Vorstadtgegend von Leipzig, um das neue Haus von Hildegard und Theodor Danzig, frisch gebackenen Lottomillionären, von all den niedlichen Tierchen zu befreien, welche die gemeine mitteleuropäische Hausfrau fürchtet: Mäuse, Ratten, Kakerlaken.
Thomas betrachtete die schönen Häuser von Ärzten, Anwälten und Managern , welche die Strasse säumten, als er im linken Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Er schaute zur Frontscheibe hinaus schrie erschrocken „Fuck!“. Peter konnte im letzten Moment das Steuer herumreißen und dem entgegenkommenden Opel Astra ausweichen. Bei dem Versuch, gleichzeitig zu fahren und die Wegbeschreibung zu lesen, welche er unter das Radio geklebt hatte, war Peter auf die linke Fahrbahn gekommen.
„Ist doch alles gutgegangen! Hier müssen wir links“ sagte Peter und bog an der Kreuzung vor ihnen links ab, ohne die Vorfahrt zu beachten. Ein Ford KA musste eine Vollbremsung machen, und die junge Frau am Steuer des Kleinwagens schleuderte alle möglichen Flüche gegen Thomas und Peter.
„Die kleine Wildkatze erinnert mich an die Mieze, die ich vor paar Tagen hatte! Die hat vielleicht miaut!“ sagte Peter und grunzte wieder dieses alberne lachen.
Du musstest bestimmt das doppelte wie die anderen Kunden zahlen, Penner, dachte Thomas, und versuchte sich zu beruhigen. Er wäre zwar in den letzten drei Minuten zweimal fast draufgegangen, aber eben nur fast.
Fünf Minuten später waren sie endlich am Ziel.
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„Steig aus und klingel!“ befahl Peter, und Thomas stieg aus dem Wagen und ging zur rechten der beiden wuchtigen Schiefersäulen, die ein beeindruckendes, mit hübschen Ornamenten verziertes Tor aus Eisen einfassten. „Ja, hallo?“ tönte eine etwas genervt klingende, weibliche Stimme aus der Sprechanlage.
„Frau Danzig? Hier sind die Kammerjäger. Sie hatten einen Termin vereinbart“, sagte Thomas.
„Aber ja, klar“ sagte Frau Danzig. Ein kurzes Klicken ertönte, und das massive Tor schwang langsam und elegant nach innen auf.
Thomas setzte sich wieder ins Auto und Peter folgte dem breiten Kiesweg, der durch einen großen Garten mit einem kleinen Teich zur linken bis zu einem großen Haus führte, wo er zu einem großen runden Platz von etwa dreißig Metern im Durchmesser mit einem kleinen runden Blumenbeet in der Mitte wurde.
Peter fuhr gegen den Uhrzeigersinn auf den Platz und parkte den weißen VW Transporter längs der Eingangstür, stellte den Motor ab und stieg aus. Thomas tat es ihm gleich, froh darüber, endlich aus dieser Todesfalle raus zu sein, und betrachtete das große Haus vor ihm: Es war ein altes Haus, dass aussah, als wäre es zu Beginn des letzten Jahrhunderts erbaut worden. Die Fassade war mit Holz vertäfelt und weiss gestrichen. Die Fensterläden und die Eingangstür waren dunkelgrün.
Von der Veranda her kam eine Frau auf die beiden Männer zu, die sich als Frau Danzig vorstellte.
Obwohl sie die Vierzig schon weit überschritten hatte, war sie sehr attraktiv.
In dem leichten, orangenen Sommerkleid wirkte sie sehr schlank aber auch irgendwie sportlich. Wahrscheinlich ging sie ins Fitness-Studio. Sie trug ihr langes, dunkelblondes Haar offen. Um ihre schönen, grünen Augen zeichneten sich Lachfältchen ab.
„Guten Tag, die Herren!“
„Guten Tag“, sagten Thomas und Peter fast gleichzeitig. Thomas schaute verlegen zur Seite und trat Peter leicht gegen sein Schienenbein, als er sich am Busen der Frau festgekuckt hatte.
„Also, wie lange werden sie brauchen?“ wollte sie wissen.
„Wir schauen uns erst mal um. Danach, je nach Verseuchungsgrad des Subjekts“
Die falsche Verwendung von Fremdwörtern war so typisch für Peter.
„Hat bestimmt mächtig viel Asche gekostet, dieses Anwesen!“, tönte Peter.
„Als ich noch ein Kind war, zehn Jahre etwa, da nahmen mich meine Elter mal mit her. Wir waren zu einer großen Feier eingeladen. Als der Besitzer einige Jahre später starb, vergammelte das Haus, aber ich schwor mir damals: Wenn ich jemals reich werde dann kaufe ich dieses Haus! Und jetzt ist es soweit!“, erzählte Frau Danzig, sichtbar stolz auf ihre Errungenschaft.
„Kleiner, hol das Zeug aus dem Wagen und dann komm ins Haus! Frau Danzig, würden sie mir bitte zeigen, wo sie die kleinen Störenfriede gesichtet haben?“
Die Frau warf Peter einen geringschätzenden Blick zu und sagte dann: „Ja, kommen Sie mit.“
Nebeneinander gingen sie ins Haus. Thomas sah ihnen kurz nach, und musste über Peters Gehabe nur den Kopf schütteln. Der Mann ging, als hätte er Rasierklingen unter den Armen, wohl um stark auszusehen. Peter hielt sich für muskulös, dabei war sein Körper in Wirklichkeit total unproportional. Sein Brustkorb war riesig, seine Oberarme schwabbelig und sein Bauch dick. Seine Beine waren kurze Stummel. Thomas schätzte, dass Peters katastrophale Figur ihre Ursache im falschen Krafttraining fand.
Thomas schnappte sich zwei große Koffer aus dem Laderaum und knallte mit dem Fuß die Hecktür des Transporters zu, dann ging er ins Haus.
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„Ok, mein Mann und ich sind draußen im Garten, falls irgendwas ist“ sagte Frau Danzig und ging durch dem Haupteingang wieder nach draußen.
„Gut, Kleiner. Das ist ein altes Haus. Die Danzigs wollen in einer Woche einziehen. Wir sollen hier nur etwas sauber machen.“
Sie öffneten die Koffer und jeder nahm sich eine Atemschutzmaske, eine Schutzbrille, ein paar Gummihandschuhe, eine Taschenlampe, eine Rolle Plastiktüten und einen Kanister mit integrierter Handpumpe, der ein Chemikaliengemisch enthielt und an den ein Schlauch mit einem Druckventil angebracht war.
Peter betrachtete kurz die Treppe und beschloss dann, dass er heute keine Lust hatte, den schweren Kanister irgendwelche Treppen rauf zu schleppen, also sagte er zu Thomas:
„Du gehst ins Dach.
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Kommentare
Bad Rabbit schrieb am 2006-07-24 23:46:14:
Danke, ich freu mich!!
Bltzableiter schrieb am 2006-07-24 18:14:21:
okay, ich bins nochmal. Hab grad gemerkt dass du doch den Tod der Ratte beschrieben hast, also vegiss den zweiten Punkt und: Sorry
Hab ich wohl übersehen, tut mir leid ;)
mfg, bltzableiter
Bltzableiter schrieb am 2006-07-24 18:12:52:
Hiho
Die Geschichte ist cool, genau sowie ich es mag: Aus dem alltäglichem Leben gegriffen, mit einem offenen Ende. Hat mich ein bisschen an Stephen King erinnert (vor allem als in dem Radio "Hey Jude" von den Beatles gespielt wurde. Dieses Lied kommt in vielen von Kings Büchern vor, hauptsächlich im Dunklen Turm) und Dean Koontz.
Mach bitte keine Fortsetzung, soetwas schwächt den Effenkt einer (in meinen Augen) guten Horrorkurzgeschichte. Viele Fehler sind mir nicht aufgefallen (Bis auf das du "fiel" mit "v", also "viel" geschrieben hast) Aber egal, wer weiß wieviele Rechtschreibfehler ich so mache ;)
Einen oder zwei Mängel hab ich aber schon (oha, jetzt kommt Kritik xD)
1.Irgendwie wurde nicht erklärt was mit den Tieren passiert ist (oder hab ich das übersehen). Denn Thomas findet auf dem Dachboden Ratten und dann fangen die Wände plötzlich an sich zu verändern und er springt aus dem Fenster.
2. Hatte ich zuerst gedacht dass mit den Ratten etwas nicht stimmen würde und daher dachte es würde was mit Ratten kommen, aber das ist egal. Viel mehr hättest du noch schreiben können, was genau mit der Ratte im Keller passierte als Dunkelheit über Peter kam (z.B. dass er noch ein lautes fiepsen gehört hat was auf den Tod der Ratte hätte deuten können)
Aber wie gesagt: Eine super Geschichte und ich würde hier hinter drei "top" Smilys hinsetzen wenn es hier Smilys gäbe.
Mach weiter so!
mfg, Bltzableiter
Leanyka schrieb am 2006-07-23 13:33:17:
Hallo!
Ja, hier und da mal ein kleiner Tippfehler aber das stört nicht, weil sich die Geschichte sehr gut lesen lässt. Durch die Beschreibungen konnte ich mir alles gut vorstellen und auch wenn es am Anfang etwas gemächlich voran geht kommt sie ihrer Rubrik nach und wird spannend gehalten. Also mir gefällt sie.
lieben Gruß,
Leanyka
sternenkind schrieb am 2006-07-22 09:05:35:
hi du,
naja ich hab die eh schon in schreibart geschrieben.
Die geschichte ist voll super!
Fortsetzung wäre aber auch super! :)
lg
sternenkind
Bad Rabbit schrieb am 2006-07-20 20:42:15:
Ich hab sie grad nochmal durchgelesen, und mir sind vorallem beim Schluss paar neue (wie die wohl dahinkommen? :-)) rechtschreibfehler aufgefallen. Ups!
Ausserdem hab ich anscheinend mal "schaffen" statt "fassen" geschrieben...
Bitte verzeiht mir!!
MfG
Rabbit
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