Zyklopen / Kyklop
von
Alexander Jellinek
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Zyklopen / Kyklop
Ein warmer, sonniger Frühlingstag ist bereits seit vielen Stunden heran gebrochen. Es ist wunderbar. Wärme. Die Luft ist durchzogen mit wundersamen, nicht zu beschreibenden Düften. Düfte, die das Leben neu beschreiben. Der Winter hat sein weißes Jahreskleid abgelegt und überlässt es nun dem Frühling, den Verlauf der Zeit neu zu formen. Ist nicht Frühling der Beginn neuer Begegnungen. Die Wieder auferstehung der Welt, der Blumen und Bäume. Die Regenerative der Natur ist vorüber. Die Tiere. Alles erwacht zu neuem Leben. Die Blumen erweisen uns mit ihrem farbenfrohen Auftritt, blütenprächtiger Kleider, ein ungesehenes Schauspiel jedweder Intressenten. Tiere tummeln sich dazwischen, fantasievolle Gestalten der Natur. Sie bringen dem, der sie läßt Freude. Nicht das Einfangen , vielmehr die Beobachtungen sind es, die Fortschritte setzen. Mensch und Tier, sind wir wirklich so verschieden? Nein, ich glaube nicht. Nicht mehr. Ich liebe die Natur. Sie ist für mich zu meinem besten Freund geworden, ein Freund fürs Leben. Ich möchte nicht gegen ihn leben. Ich möchte vielmehr mit Gott leben.
Ich gehe durch einen wild wuchernden Wald. Buchen, Fichten, Kiefern und Birken, alles wird von sich selbst vertreten. Alles lebt wofür es geschaffen wurde. Niemand leugnet sein selbst. Das Sein wird als solches toleriert. Eine in den Wipfeln der Bäumen wachende Vogelschar stimmt sich zu einer ohrenbetäubenden Orchestralik. Vereinzelte Wolperdinger zwischen ihnen kündigten voller Vorfreude den kommenden Refrain an.
Es ist ein großer Wald. Ein Wald der zu neuem Leben heranwächst. Wiedereinmal erblühen Jahr für Jahr die Legenden zu neuem Leben. Zarte Kreaturen, Elfen, zerbrechlich als bestünden sie aus reinstem Glase, feiern ihre Wieder auferstehung. Die wundersamsten und zugleich schönsten aller Wesen umschwirren nun wieder die Blumen, bezirzen sie und betören durch ihre Schönheit.
Samtene Flügel blenden eines jeden Menschen Auge, der erkennen möchte. Sich nicht verschließt, lebt und leben lässt. Sie schenken den Augen ihren träumenden Glanz, eine lebendige Ausstrahlung wie nur reinste Diamanten glitzern können. Erblickt man sie, fangen sie deine Seele, schenken dir Wärme. Nur denen vorbehalten, mit reinstem Gewissen.
Weiter vorne, hinter den Hängen dicht wachsender Lianen offenbarte sich ein dicht bewachsener Tümpel. Er wird von einem kleinen plätschernden Bach gespeist.
Vereinzelte Seerosen mit Blüten tragenden Häuptern schwimmen im zarten Strom auf und ab. Ich höre leises Kichern. Vielleicht kleine Kinder die es hier her verschlug, um den Bau eines Baumhauses zu wagen.
Als ich schon fast an der Sicht versperrenden Birke vorbei war, vernahm ich ein kurzes Plätschern und konnte mit einem kleinen Satz aus der Hocke gerade noch die schuppig schimmernde Schwanzflosse einer aufgescheuchten Wassernixe in den unergründlichen Tiefen dieses Sees verschwinden sehen.
Hinter mir entwuchs ein hastiges Rascheln. Aufhorchen.
Ich erstarre für einen kurzen Augenblick. Geräusche, andere Arten der Musik. Ich versuche den Ursprung zu ergründen. Ich schreite hinweg über den nadelbestückten Rücken von Mutter Erde und versuche das Geräusch zu erkunden.
Eine Buche, neben ihr ein Gestrüpp, in ihm ein Zwerg. Er beobachtet herumtollende Eichkätzchen, die sich selbst jagend in einem Brombeerstrauch unter warmen Sonnenstahlen zur Ruhe legen. Knabbern nach belieben am frischen Klee und zupfen kleine Äste aus dem Boden.
Ich suche langsam und vorsichtig einen Weg durch das stachelige Geäst. Ich kann sehen. Es erfreut mich. Tiere, kleine Eichhörnchen bei ihrem Spiel mit der Sonne zu zu sehen. Ihr sonnen geht zum erneuten Spielen über. Ich liebe es, den lustigen Neckereien der Tiere zuzusehen. Es ist das Spielen kleiner Kinder. Kinder wie auch ich mal eines war. War, das ist falsch. Im tiefsten Inneren unserer Seele bleiben wir für immer Kinder.
Ich gehe weiter, sehe mich um und freue mich darüber, was ich vor mir am Boden liegen sehe. Eine Eichel. Klein und unscheinbar, birgt sie ein über viele Zeiten bestehendes Wunder. Ich gehe leicht in die Hocke, um sie in meine Hand zu nehmen. Meine Finger graben sich in den warmen Morast und umschließen sie. ICh halte sie gegen die Sonne und erkenne kleine Strukturen. Weiche Linien, dicht aneinander gedrängt. Plötzlich landet etwas mit einem Satz auf meiner linken Schulter. Ich schrecke zusammen und ehe ich mich versehe, das Unbekannte von mir zu schlagen, huscht es auch schon zu meiner Rechten und klettert an meinem Arm zu meiner geöffneten Hand.
Ein Eichhörnchen nimmt sich der Eichel an. Es schnuppert nur kurz daran, als es auch schon meine Blicke mit den seinen verbindet.
"Hast du denn keine Angst vor dem Raubtier in diesem Wald?"
Eigentlich sollte ich ja darüber verwundert sein, dass diese Frage von einem Tier in einem Wald stammt, doch ohne zu zögern belasse ich den Moment so wie er ist ohne ihm seine magische Kraft durch Hinterfragen zu nehmen.
"Ich fürchte mich nicht, mein kleiner Freund. Meiner Mutter riet mir ich solle diesen magischen Ort hier aufsuchen. Sie sagte, ich solle so lange darauf warten bis ich für mich selbst herausgefunden habe was es hiesse, mit sich selbst im Einklang zu stehen."
Das Eichkätzchen nahm seinen Blick von dem meinen und griff kurzerhand nach der Eichel in meiner Handfläche. Jetzt erst erkannte ich seine flauschigen kleinen Krallen.
"Wir verdanken ihm diesen Ort. Diese ausgeglichene Harmonie ist nur sein Werk."
Als ich mir das kleine Tier näher betrachtete und meine Blicke entlang seinem von der Sonne rötlich schimmernden Fell wanderten, fragte ich sogleich.
"Darf ich dich streicheln?"
Das Eichhörnchen sprach darauf:
"Du würdest mir einen grösseren Gefallen damit tun, mir diese Eichel zu schenken. Wir haben keine Freude daran, gestreichelt zu werden. Wir kommen und gehen wann wir es für richtig halten."
Ich verstand und verschenkte sogleich die Nuss. Kurz und knapp wie der Moment sein Erwachen feierte, war er auch schon wieder verschwunden.
Es ist schon spät geworden. Die Dunkelheit umschließt den Wald. Ich habe keine Angst. Die Umgebung ist beruhigend. Die Luft ist sommerlich warm. Wie eine Decke legt sie sich auf mir nieder, um meinen gesamten Körper zu verwöhnen. Die Bäume tragen dunkle Siluetten. Sie beobachten mich. Geben Acht, um Vorsorge zu schenken. Sie sind die Soldaten der Zeit. Große, kräftige Kiefern, zart hervorgehoben durch den lieblichen Glanz des Mondes.
In ihren Wipfeln kehrt besinnliche Ruhe ein. Der Wind legt sich schlafen.
Aus den Stämmen der strammen Bäume ragten hölzerne Uhren empor. Beispielhaft in ihrer Anmutung. Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, ob sie dort angebracht oder gar emporgewachsen sind. Hölzerne Schmuckstücke kündigen mit ihren hölzernen Vögeln zur nächtlichen Ruh.
Scheinbare Kuckucksuhren. Womöglich liegen Vergleiche aus den virtuosen Schwarzwälder Uhrmachereien nahe. Große und kleine, ziellos verteilt, wuchsen jetzt zielstrebig aus allen Stämmen. Ein
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