das kleine starke Mädchen
von
Susanne Schwabe
1
An einem Montag Nachmittag ging ich durch die Stadt und konnte endlich allein einkaufen gehen, ohne das ein nörgelnder Freund neben mir steht und ständig an die Uhr schaut. An einem Laden angekommen, sah ich einen tollen Mantel, der mir sicher sehr gut stehen würde, dachte ich. Also ging ich hinein, zog ihn an, begutachtete mich im Spiegel und war glücklich. Er war sehr preisgünstig, deshalb beschloss ich ihn zu kaufen. Im nächsten Laden kaufte ich mir ein schönes Geschirr, das mit chinesischen Schriftzeichen verziert war. Als ich aus dem Laden gehen wollte, rannte mir ein Mädchen direkt in die Arme. Wir beide ließen unsere Einkäufe fallen und sie stürzte zu Boden. Ich fragte ob auch alles in Ordnung sei. Sie nickte nur mit dem Kopf und entschuldigte sich, für das zerbrochene Geschirr. Ich half ihr beim einräumen und sie bot mir zur Entschädigung an, mich zu einem Eis einzuladen. Sie hieß Laura und wir verstanden uns auf den ersten Blick sehr gut und sie erzählte mir warum sie in ein Heim wohne, das machte mich sehr neugierig. Ich aß mein Eis und hörte ihr aufmerksam zu.
Es war Montag der 10 November und alles schien ein ganz normaler Tag wie jeder zu sein. Sie ging zur Schule und als sie den Klassenraum betrat, traf sie fast der Schlag. Ihre Lehrerin meinte, das eine Klassenarbeit geschrieben wird. Lauras Herz klopfte ihr bis zum Hals und hatte wahnsinnige Angst wieder eine schlechte Note zu bekommen. Sie setzte sich mit feuchten Augen auf ihren Platz und ließ alles geschehen. Die Lehrerin teilte nun auch die Klassenarbeiten aus und am Ende erreichte sie Laura. Sie schaute auf ihr Blatt und sah nur verdrehte Buchstaben und war total in Panik. Sie schwitzte und zitterte und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Doch dann nahm sie ihren Mut zusammen und begann alles so zu schreiben, wie es ihr in den Sinn kam. Am Ende der Stunde war sie erleichtert und gab ihre Arbeit ab.
Nach 5 Stunden Unterricht klingelte es in der letzten Stunde und sie ging nach Hause. In Gedanken erwartete sie schon ihren Vater, der grimmig an der Tür stehen würde, um sie zu schlagen. Doch als sie nach Hause kam, war keiner da. Das Wohnzimmer sah aus, wie nach einem Bombenanschlag. Die Schnapsflaschen lagen zersplittert auf dem Boden, eine Scheibe in der Vitrine wurde zerschlagen und die Bilder von früher waren im Raum verteilt. "Ich zuckte nur mit den Schultern" erzählte sie mir und zog sich unwissend vor den Fernseher zurück. Endlich konnte sie ihre Lieblingssendungen anschauen, die ihr Vater immer verbot. Als sie auf die Uhr schaute, war es schon 10 Uhr abends und plötzlich klingelte es an der Tür. Als sie die Tür öffnete, standen zwei Männer mit grünen Anzügen vor ihr und sie war starr vor Aufregung.
Es war die Polizei und eine brummende ältere Stimme fragte sie: "bist du die Laura Heinig? und sie antwortete: "ja ich heiße Laura".
Der Polizist kniete sich zu ihr nieder und erklärte mit ruhiger Stimme, das ihre Eltern einen Unfall hatten. Sie war geschockt und konnte nichts sagen. "Meine Beine waren so weich wie Pudding, doch hatte ich keine Angst mehr, das ich wieder geschlagen werde" erzählte sie mir. Dann fragte er, ob sie Verwandte hätte, wo sie ein paar Tage schlafen könnte. Sie fing an, an ihren Haaren zu spielen und antwortete mit einem Ja.
Die zwei Männer fuhren sie zu ihrer Tante und als sie ausstieg kam ihre Tante mit Tränen in den Augen auf sie zu. "Bei ihr es war sehr schön" erzählte sie mit einem lächeln. Doch die Nächte schlief sie kaum und wachte jede Stunde mit Schweißausbrüchen und Herzklopfen auf, da sie wieder Albträume hatte. Denn immer wenn sie schlechte Noten bekam wurde sie geschlagen, getreten und beschimpft. Und so baute sie sich eine innere Mauer auf, wo sich ihre Wut und ihr ganzer Hass staute. "Mutter griff nie ein, sie schaute lieber zu anstatt zu handeln"erzählte sie mit wütender Stimme.
Nach 6 Wochen musste sie in ein Heim, da ihre Tante einen Schlaganfall erlitt und ins Krankenhaus musste. Aber sie lernte schnell neue Kinder kennen, die ein ähnliches Schicksal erlebten wie sie. Am Anfang war sie sehr mager aber sie musste nicht mehr hungern, wie daheim "es war wie in einer Oase" meinte sie. Als sie, das erste mal kam, gab es eine lange Tafel mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch und viele andere leckere Sachen. Das dicke Hähnchen auf ihrem Teller war so knusprig, das es in den Ohren knirschte.
Später auf ihrem Zimmer, ging sie ins Badezimmer um sich die Zähne zu putzen. Sie schaute in den Spiegel und strich sich die Haare aus ihrem Gesicht. Und man sah die rot-blauen Flecke an ihren Augen und Wangen sehr deutlich. Sie erkannte sich nicht wieder, aber sie wusste, das sich ihr Leben ab heute ändern wird.
Sie schaffte es ihre innere Mauer zu durchbrechen. Denn jeden Abend setzte sie sich, wie heute noch auf den Fensterstock und beginnt zu schreiben. All das was sie fühlt schreibt sie in ein kleines Buch nieder, das ihr sehr hilft mit ihrem Schmerz um zugehen.
Denn sie möchte nicht im Alkohol verenden wie ihre Eltern. Sie möchte es anders machen und verfasst ihre Geschichten zu einem Buch.
Als unsere Eisbecher leer waren meinte sie zu mir: " Eines Tages werde ich Autorin und möchte die Menschen mit meinen Worten berühren und stärken.
Wenn man traurig ist, sollte man weinen. Wenn man wütend ist sollte man schreien. Und wenn man beides hat und nicht mehr kann, sollte man schreien, weinen und schreiben, so wie ich es mache".
Laura erzählte es so Selbstbewusst und mir wurde klar, das man kämpfen soll, auch wenn es manchmal bergab geht. Irgendwann steigt man wieder bergauf, auch wenn der Weg steinig ist. Man sollte nie vergessen nach vorn zu schauen.
1
Kommentare
Veronica Wallner schrieb am 2009-11-07 08:51:56:
ist echt schön, auch wenn es irgendwie schon schlimm ist, dass zuerst ihre eltern sterben und ihre tante ins krankenhaus musste bevor sich ihre situation verbesserte...mach weiter so
Lg Veronica
Yasmin schrieb am 2009-04-07 20:42:17:
Das ist eine sehr gute geschichte
sie hat mir wircklich gefallen und ich
bin auch froh dadrüber das man kämpfen soll
und sich nicht hängen lassen soll :-)
Laura schrieb am 2008-10-15 19:06:15:
ich finde es sehr schön... Sehr betroffen hat es mich vorallem weil ich auch Laura heiße und bei sowas werde ich immer schnell traurig :-) Diese geschichte brachte mich fast zum weinen und ich finde es sehr schön!
Kommentar hinzufügen