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Kategorien > Fast wahr > Alltag

den Horizont vor Augen, diese eine

von Seamingler

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…den Horizont vor Augen. Diese eine Linie im Leben,
die ich nie würde erreichen können.

„Oh nein! So einfach ist das nicht!“
„Ach? Und warum nicht?“
Boshaftigkeit an sich ist eine gemeine Eigenschaft und wenn stiller Neid hinzu kommt ist das Ergebnis meistens Leid und Elend. Weil man selbst nicht glücklich ist darf es auch kein anderer sein. Dabei geben viele Menschen vor nur das beste für uns zu wollen.
„Du kannst dich ja wohl nicht so einfach hinsetzen und eine Geschichte schreiben. Für so etwas braucht es Recherchen und umfassende Kenntnisse. Willst du vielleicht behaupten über dergleichen zu verfügen? Das wäre lächerlich!“
Da! Genau da war es wieder. Diese geheuchelte Besorgnis um Recherchen und Kenntnisse. Aber natürlich nicht ohne den Stachel der Lächerlichkeit.
Mitleid. Das ist es was ich in ruhigen Momenten für Leute solchen Kalibers empfinde. Zufriedenheit. Danach strebt die ganze Menschheit und die Facetten des „Wie“ sind so zahlreich wie die Sterne am Himmelszelt, auf die sie dabei nicht verzichten wollen.
Aber das ist kein ruhiger Moment. Ich bin erbost, fühle mich als rückten die Wände immer näher und versuchten mich zu ersticken. So entschließe ich mich ganz einfach zu gehen.
Raus hier.
Luft.
Weiter Himmel.
Atmen.
Frei sein.
Mein Kopf muss wieder klar werden und dafür brauche ich frische Luft. Als ich auf der Treppe vor unserer Haustür stehe bin ich eigentlich ganz woanders…

Ich hatte die Tür geöffnet und trat hinaus. Vor mir erstreckte sich das endlos erscheinende Meer. Es donnerte laut gegen die Klippen, über mir kreischten die Möwen und es roch salzig. Der Wind pfiff, als wäre er eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die ich dem Wasser entgegenbrachte und so spielte er mit meinem Haar, damit ich ihn nicht vergaß und mir seiner Gegenwart bewusst wurde.
Nun stand ich direkt am Abgrund, den Horizont vor Augen. Diese eine Linie im Leben, die ich nie würde erreichen können. Also verschloss ich meine Augen vor dieser frustrierenden Tatsache und stürzte die Klippen hinab. Doch ich sollte nie aufprallen, denn meine Phantasie gibt mir Flügel zum Fliegen und im Gegensatz zu vielen anderen tue ich es. Endlich konnte ich mit dem Wind um die Wette fliegen, über die wütenden Wellen hinweg, die sich an dem Land brachen, das die Zeit ihm abgerungen hat. Dem Horizont entgegen. Wollte ihn einfangen und nur für mich haben. Nur für mich…

Einmal tief durchatmen und langsam die Augen öffnen. Schon meldet sich die spöttische Stimme in meinem Kopf:
„Einen wunderschönen guten Tag und herzlich Willkommen in der Realität. Ich bin die kleine Stimme in ihrem Kopf und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“
Manchmal denke ich, dass einige Menschen, die von der Gesellschaft als wahnsinnig oder geisteskrank bezeichnet werden, doch eigentlich beneidenswert sind. Sie leben in ihrer Welt, die sie sich in Gedanken geschaffen haben und dort sind sie glücklich. Wozu sie denn in die deprimierende Wirklichkeit zurückholen? Es ist sicherlich kein Zufall, dass sie nun sind wo sie sind. In ihren Welten…
Es ist so unendlich einfach! Ich habe meinen Kopf, Phantasie, Stift, Papier und Ideen, so viele Ideen… Ganze Welten lasse ich entstehen, fast schon gottgleich – einfach so! Der Unterschied ist der, dass meine Welten auf Papier gebannt oder in meinem Kopf bleiben werden. Und doch liegt genau darin ihr Wert begründet. Im Gegensatz zu Gottes Schöpfung muss ich sie nicht mit anderen teilen. Ich kann – wenn ich will. Und nur dann. Bisher hatte ich nie das Verlangen danach, anderen einen Einblick hinter das, was oberflächlich so offensichtlich ist, zu gewähren. Mag sein, dass es hier und da zufällig einmal geschehen ist. Doch bis zum Kern ist noch niemand vorgedrungen. Das hätte ich zu verhindern gewusst und bemerkt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand einem anderen Lebewesen bis in die Seele vordringt, ohne verändert daraus hervorzugehen. In der Regel haben Menschen auch gar nicht das Verlangen danach. Man sieht eine scheinbar glückliche Oberfläche und ist zufrieden damit. Tiefer vorzudringen wäre mit Anstrengungen verbunden, womöglich sogar Unannehmlichkeiten – undenkbar in einer Gesellschaft, die sich alles so einfach wie nur möglich macht!
Immer noch vor der Tür stehend schweift mein Blick hinauf in den Himmel. Nur ein paar Wolken gleiten über das ansonsten makellose Blau. Eine leichte Brise weht, die Temperatur ist angenehm und die Farben des Herbstes schmeicheln dem Auge.
Jedoch auf der Stelle stehend hat noch niemand etwas verändert. Also setzen sich meine Beine in Bewegung. Die Individuen um mich herum häufen sich und doch nehme ich sie alle nur als eine große unbekannte Masse wahr. Schade, eigentlich. Bestimmt wären einige dabei, deren Leben es wert wäre erzählt zu werden.
Die Gesichter ziehen an mir vorbei und trotzdem versuche ich so viele wie möglich festzuhalten. Doch das mögen sie nicht. Sie bevorzugen ihre Anonymität. Sie gibt ihnen den Anschein von Sicherheit. Eine weitere nette Illusion in einer gar nicht netten Welt. Obwohl sie sich an ihrer Oberfläche redlich Mühe gibt diese Vorstellung aufrechtzuerhalten.
Was geht in den Menschen vor? So viele verkniffene Gesichtsausdrücke. Haben sie Probleme? Schulden? Warum sind sie nicht fröhlich? Nur hier und da spielen ein paar Kinder ausgelassen im Park. Einige versuchen sich im Drachensteigen, andere bewerfen sich gegenseitig mit dem herabgefallenen Laub. Was später wohl aus ihnen werden wird? Zu was ziehen die Eltern sie heran?
So viele interessante Fragen, auf die ich nie eine Antwort erhalten werde. Die Endgültigkeit dieser Tatsache frustriert mich furchtbar. Ich glaube, selbst wenn ich die Dreistigkeit besäße die Menschen einfach zu fragen, sie wüssten keine Antworten zu geben.
Gibt es noch mehr, die so denken wie ich? Ist noch irgendjemand unter all den Unbekannten, der sich Gedanken darüber macht, warum auch der Rest der Welt jeden Morgen wieder aufsteht und seinem Leben nachgeht?

„Du machst auf mich den Eindruck eines jungen Menschen, der die Aufgabe hat die letzten Fragen der Menschheit zu beantworten.“
Neben mir ging Merlin und ich fragte ihn schon gar nicht mehr woher er so plötzlich kam. Er tauchte immer dann auf, wenn ich am wenigsten damit rechnete und ihn dennoch am meisten brauchte. Natürlich hatte er seinen knorrigen Zauberstab bei sich, denn was ist ein Zauberer ohne Zauberstab? Seine wallende Robe schien sich nicht entscheiden zu können, ob sie nun blau oder grün sein wollte und der große Lederbeutel war sicherlich gefüllt mit Kräutern und anderen heilenden Pflanzen. Er strahlte eine unglaubliche Ruhe aus und sein zerfurchtes Gesicht sprach von den vielen Leben, die es schon gesehen hatte, vor allem die Augen. Dunkel und tief wie ein alter Wald in der Nacht, nur ohne ein Gefühl von Beklemmung in jenen hervorzurufen, die ihn betreten.
Der Ruf eines Falken ertönte in der Ferne. Ich wäre ihm so gern gefolgt…
Mein Blick wandte sich von Merlin ab und ergeben sah ich vor mich

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Kommentare

Lexa schrieb am 2006-10-01 14:05:22:
Joa, heftig real das Ganze, die ersten zwei Seiten kommen meinem Empfinden zu 100%% entgegen. Selbst der Au-Pair -Bereich ist Bestandteil meines Lebens geworden, mit all diesen Zweifeln (gehört schon der Vergangenheit an). An Deiner Stelle hätte ich zwei Geschichten daraus gemacht. Mag jetzt subjektive Empfindung sein, aber das Gefesselt sein, beim ersten Teil, ging auf der gesamten Länge dann verloren. Dennoch prima geschrieben, freue mich immer wieder, wenn ich auf gelungene Geschichten stoße, in die ich eintauchen kann. LG Lexa

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