dreamcatcher 3
von
Lille-peach
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Sträucher und Herhabgebrochene Äste erschwerten ihren Weg. Ein paar Mal stolperte Mariéve, wurde aber immer von Lyonels starken Händen aufgefangen. Obwohl er manchmal einige Meter weiter vorne ging, war er sofort da, wenn sie auch nur Anstalten machte zu fallen. Seit dem Morgen hatte er aber sonst nichts gesagt und so schwieg sie ebenfalls. Es war etwas trostlos, wenn außer dem knacken der Äste und dem geraschelt der Büsche auf ihrem Weg nichts anderes zu hören war, doch sie gewöhnte sich daran. Nach vier Stunden, war es ganz natürlich, wenn nur die beiden Geräusche existierten. Der Tag verstrich, ohne ein Ereignis und auch ohne ein Wort. Als es Abend war schlugen sie in der Nähe des Flusses ihr Lager auf. Lyonel entfachte ein Feuer und verschwand dann in der Dunkelheit zwischen den Bäumen. Mariéve schlang ihren Umhang eng um ihren Körper und setzte sich ans Feuer. Die Nächte waren kalt und mit jedem vorbei streichenden Tag würden sie auch noch kälter werden, denn der Winter stand vor der Tür.
Als er wieder kam war sie bereits eingenickt, seufzend legte er die beiden Kaninchen die er gejagt hatte neben das Feuer und rollte sich ebenfalls dort zum schlafen ein. Der Himmel war bedeckt und man konnte die Sterne nicht sehen und doch waren sie da, genauso wie die unausgesprochenen Worte, die ihn unaufhörlich beschäftigten.
Es war ein düsterer Morgen, Lyonel hatte das Kaninchen von gestern gebraten und verpackt, während Mariéve noch geschlafen hatte und als sie die Augen aufschlug, saß er, fertig zum aufbrechen, an einem Baum gelehnt da.
Sie streckte sich und gähnte: „Guten Morgen.“
„Morgen“ erwiderte er, sah sie jedoch nicht an. „Hast du gut geschlafen?“
„Ja, und du?“ sie stand auf und ging in Richtung Fluss.
„Ja... Wir sollten Aufbrechen, hier ist es nicht mehr sicher.“
„Ich weiß, ich komme auch gleich wieder.“
Der Fluss war spiegelglatt, kein Windhauch kräuselte die Oberfläche. Sie beugte sich über die Böschung und wusch sich das Gesicht, die kalten Wasserhände begann sie wieder zu streicheln. Und obwohl der Morgen kalt war, hatte das Wasser eine angenehme Temperatur. Nachdem sie sich gründlich genug gewaschen hatte betrachtete sie ihr Bild im Wasser, nichts hatte sich verändert, es blickte ihr immer noch das gleiche Mädchen wie vor einem Tag entgegen, nur das sich ihre Kleidung etwas verändert hatte, aber das war ihr egal. Eine Weile zog sie verschiedene Grimassen, dann schloss sie die Augen und drehte sich eine Locke um ihren Finger.
„Wir müssen jetzt wirklich gehen!“
Mariéve schrak zusammen und schlug die Augen wieder auf, sie hatte ihn nicht kommen hören. Keinen Schritt von ihm, nicht mal eine winzige Vibration im Boden hatte sie gespürt. Das Spiegelbild im Wasser zeigte ihr, dass er hinter ihr stand. Seine Arme vor der Brust verschränkt, den Blick starr geradeaus.
„In Ordnung, ich komme.“ Sie stand auf, er reagierte auf ihre Bewegung und wandte sich um. Er hatte keinen Muskel in seinem Gesicht verzogen, völlig Ausdruckslos schritt er zum Lager zurück. Er war wie ein Geist aus den alten Märchen, schön, elegant, aber auch böse und todbringend. Er hatte das Feuer gelöscht und sein Rucksack stand auch fertig da, er warf ihn sich wieder auf den Rücken und ging los, wie musste dieses Mal fast laufen um mit ihm Schritt zu halten und nach einigen Stunden war sie völlig aus der Puste.
„Können….wir mal….kurz eine….Pause machen?“ es fiel ihr schwer genügend Luft zu bekommen und gleichzeitig zu sprechen, sodass ihre Worte abgehackt hintereinander folgten „Ich….kann nicht mehr.“
Wie in Zeitlupe wandte er den Kopf und sah sie an. Seine türkisenen Augen lagen ruhig auf ihren, wie zwei Meere, in denen man versinken kann, eintauchen, in eine ungewisse Welt.
„Aber nicht lange. Es ist gefährlich hier, wie du weißt.“ Seine Lippen formten die Worte und noch bevor er geendet hatte, ließ sie sich an einem Baum hinab gleiten und presste die Handballen gegen ihre Augen, damit die Lichtpunkte, davor, aufhörten zu tanzen.
„Hier.“ Sie öffnete langsam die Augen, er hielt ihr einen Wasserschlauch hin. „Trink, dann wird es dir besser gehen.“ Sie nahm ihm den Schlauch aus der Hand und trank einen Schluck. Das Wasser hatte einen süßlichen Geschmack, nach einem Hauch von Zimt, aber auch frisch, wie Eolarikräuter. Es war wirkte wie eine Droge, die mache der ärmsten Dorfbewohner immer genommen hatten, um Halluzinationen hervorrufen zu können, damit die Wirklichkeit erträglicher wurde. Ihr Körper regenerierte sich und ihre Müdigkeit und ihre Schmerzen verschwanden, nur noch ein wohltuendes Gefühl blieb in ihrem Magen zurück, welches auch den Hunger auslöschte.
„Was ist das?“ fragte sie ihn.
„Wasser aus dem Quellbrunnen in Marques.“
„Ich dachte Marques liegt unter Wasser.“
„Tut es auch, aber das heißt ja nicht, dass man in der Stadt keine Luft atmen kann.“ sagt er und ein breites Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Aber wie ist das möglich?“ ihre Augen weiteten sich, sie hatte immer in einem kleinen Dorf gelebte und ein normalen Leben geführt, zumindest dachte sie das. Aber was war wenn es stimmte was er sagte und wenn es noch mehr solcher Ort gab, an denen nichts normal zu sein schien, was war denn dann überhaupt noch ‚normal’?
„Du wirst es sehen.“ Er verstaute den Wasserschlauch wieder in seinem Rucksack und ging weiter durch das dichte Unterholz des Waldes. Seufzend erhob sie sich und folgte ihm, irgendwie hatte sie das Gefühl als wich er jeder Konfrontation mit ihr aus. Ob sie ihm glauben konnte? Vielleicht wollte er nur da Kopfgeld was auf Gestaltenwandler ausgesetzt war einkassieren und sie ausliefern. Sie blieb stehen. Nach einigen Schritten bemerkt er dass sie stehen geblieben war und drehte sich um.
„Was ist los? Tut dir irgendwas weh?“ er sprach so beherrscht, dass es schon wieder auffiel, dass er etwas zu verbergen hatte, auch wenn er keine Mimik in seinem Gesicht verzog.
„Nein.“
„Was ist dann los? Wir müssen heute wenigstens noch zum Berg Teris kommen. Außerdem ist es hier gefährlich...“
„Was willst du von mir?“ unterbrach sie ihn.
„Ich will dir helfen.“ Er sah sie nicht an, sein Blick galt dem Boden.
„Dann hab keine Geheimnisse vor mir.“
„Ich kenne dich kaum, du kennst mich kaum, dabei sollten wir es belassen. Du wirst lernen mir zu Vertrauen.“
„Ich will nicht vertrauen, ich will wissen!“ sie schrie ihn schon fast an, doch er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er stand nur da und hielt den Blick gesenkt. „Lyonel, hörst du mir überhaupt zu?“
Endlosem Warten, hob er schließlich den Kopf und sah ihr direkt ins Gesicht. Und dann lächelte er.
Stimmen drangen durch den Wald, das Kläffen von Hunden, ganz in der Nähe und Schritte die höchstens noch zehn Meter entfernt waren. Vor Schreck blieb fast Mariéve’s Herz stehen, nun hatten sie sie doch gefunden. Lyonel kam auf sie zu und packte sie am Arm.
„Komm, wir müssen hier weg, bevor sie uns entdecken können!“ er zog an ihrem Arm, doch sie rührte sich kein Stück. Sie fühlte sich so schlecht, ihr war schlecht! Wo
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