Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Suizid > Suizid

ich sterbe

von lia felicity

1

Diese Geschichte hat keinen Titel, wem ein passender einfällt, der möge sich bei mir melden ;-)

Außerdem ist diese Geschichte jemandem gewidmet, den ich selbst nur flüchtig kannte, eben wie man jemanden kennt, wenn man ihn täglich auf den Schulfluren trifft.
Judith. Sie wäre gestern 14 gewurden, hat sich aber vorgestern umgebracht. Es war ihr zweiter Selbstmordversuch. Einfach so. Ohne Grund.
Sie lag Tod, voll mit Medikamenten und Alkohol in einem Bach, keine 2 km von diesem Computer entfernt. Diese Geschichte ist zwar schon vor ein paar Wochen entstanden, aber sie ist trotzdem für sie. Judith, ich hoffe sie gefällt dir:


Ich möchte nur noch den Stift hinlegen und gehen.
Einfach aufstehen und verschwinden.
Mitten in der Mathestunde.
Raus aus dem öden Klassenraum, raus aus dem grauen Schulalltag, hinauf auf das höchste Gebäude der Stadt und dann… rein in die Freiheit.
In die Freiheit, ins Ende, in den Himmel, was auch immer dann kommt, es wir auf jeden Fall besser als hier. Ich möchte nicht mehr hier sein.
Tausendmal habe ich so was schon gedacht, aber ich SELBST habe meine Gedanken nicht ernst genommen. Ich habe es nie WIRKLICH in Erwägung gezogen.
Jetzt plötzlich durchfährt es mich wie ein Blitz; warum mache ich es nicht einfach? Du KANNST doch jetzt gehen. Du KANNST deinen Traum verwirklichen. Es ist möglich! Dich wird niemand aufhalten, weil niemand von deinen Suizidgedanken weiß!
Dann fühlt sich alles wie ferngesteuert an.
Ich erhebe mich und quetsche mich duch die Bankreihe. Einige schauen auf, aber ich will bestimmt nur den Lehrer etwas fragen. Ich wende mich jedoch nicht seinem Pult zu, sondern gehe durch den Mittelgang in Richtung Tür. Ich öffne sie, und stehe schon im Türrahmen, als ich den Lehrer fragen höre, wohin ich möchte.
„Weg“, lautet meine Antwort, „Einfach weg.“ Ich schaue mich nicht mehr um, sehe in keine Gesichter mehr.
Ich gehe zu Fuß zum Fernsehturm, obwohl es fies regnet. Ich denke nichts, während der zwanzig Minuten dorthin. Meine Gedanken sind eingefroren, seid ich den Entschluss gefasst habe, nur noch auf dieses eine Ereignis fixiert.
Mit dem Aufzug fahre ich nach ganz oben auf die Panoramaplattform.
Was für eine Aussicht! Was für eine deprimierende, eintönige Aussicht!
Ich lehne mich ans Geländer, und atme tief.
Ich bin die einzige hier oben, keiner möchte an diesem verregnetem Tag Fotos von der grauen Stadt haben.
Ich kletter übers Geländer.
Jetzt sitze ich drauf, meine Beine baumeln in der Luft, mein Sitz ist unsicher.
Wenn mich jetzt jemand erschrickt, dann falle ich.
Ich spüre eine starke Windböe, und ich spüre diesen unglaublichen Willen in mir aufsteigen. Nichts kann mich mehr stoppen.
Ich stoße mich ab, wie man sich von einer niedrigen Mauer abstößt, auf der man gesessen hat. Es war gar nicht schwer, es kostete mich keine Überwindung.
Und jetzt fliege ich. Ich falle und fliege, rudere mit den Armen und Beinen, lache und juble laut, weil ich ein glückliches, aufgeregtes Kribbeln im Bauch habe.
Fast ist es wie vom fünfer im Freibad, nur besser und länger.
Und das beim Aufprall kein Wasser meinen Sprung abfängt.

1

Kommentare

Jessi Nieber schrieb am 2009-03-20 09:43:40:
manchmal ist das der einzige ausweg auch wenns weh tut, kann die geschichte sehr gut verstehen
kami schrieb am 2009-03-18 15:54:27:
also ich glaub ja net dran dass iwer "einfach so, ohne grund" abgeht. hab auch vor kurzem ne bekannte verlorn. aber gut schreiben kannst du.
lg kami
Elisabeth schrieb am 2009-03-18 05:30:47:
Hallo Lia,
finde ich schön, wie Du beschreibst, was das Mädchen tut und wie unwirklich ihr das selber alles scheint. Irgendwie möchte man ein bisschen mehr wissen,was in ihr vorgeht, obwohl ihre Gedanken "eingefroren" sind (mag den Ausdruck)Nicht unbedingt, was sie denkt oder warum sie sich umbringt, aber man möchte das Mädchen doch etwas besser kennenlernen, irgend was persönliches, was vielleicht mit kleinen Details angedeutet werden könnte.
Tut mir leid, das mit Judith, es hat Dich offensichtlich bewegt.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.