im sog der erinnerung
von
summer
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
Im Sog der Erinnerung
Als ich am Morgen das Büro betrat, war mein Schreibtisch mit Akten voll, obwohl ich nach Beendigung meiner Beziehung am Wochenende nicht gerade in Arbeitsstimmung war, machte ich mich trotzdem an die Arbeit. Ich begrüßte Adrian Stein, meinen Vorgesetzten, holte mir eine Tasse Kaffee und setzte mich an meinen Schreibtisch um mit den Akten zu beginnen. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte mich einfach nicht auf die Arbeit konzentrieren. Dauernd musste ich an den Streit denken. Marc hatte mir immer wieder vorgeworfen, dass mir die Arbeit wichtiger sei als er. Doch gestern brachte er das Fass zum überlaufen, er warf mir vor, dass ich was mit meinem Kollegen hätte und ihn betrügen würde. Darum hätt ich auch so unterschiedliche Arbeitszeiten und würde nur deshalb erst spät abends nach Hause kommen. Er stellte mich vor eine Entscheidung, entweder ich würde den Job kündigen oder er würde mich verlassen. Natürlich musste ich oft schon sehr früh zur Arbeit und kam manchmal auch erst in der Nacht zurück, aber das hatte nichts mit Tom, meinem Kollegen zu tun. Er war mein Partner und mehr nicht, wenn ich einen Freund habe dann lass ich keine Gefühle für andere Männer zu. Auch wenn ich in letzter Zeit immer weniger Gefühle für ihn hatte, verletzte mich diese Aussage sehr. Ich sagte ihm, er solle bis nächste Woche aus meiner Wohnung ausziehen und das ich ihn nie wieder sehen wollte. Auch wenn in dieser Nacht viel geweint, geschrieen und auch viele Sachen aus Wut gesagt worden waren, war es besser, dass es vorbei war. Durch ein lautes „Guten Morgen“ wurde ich aus meinen Erinnerungen gerissen. Mein Kollege Tom warf schwungvoll seine Jacke über den Stuhl und war wie immer gut drauf. Ich lächelte ihn an: „Guten Morgen, willst du auch einen Kaffee?“ „Er lächelte zurück und nickte. Wir standen gerade zusammen und quatschten über belangloses Zeug, als Adrian uns in sein Büro rief.
Ein 13. jähriger Junge ist seit gestern Abend verschwunden. Ihr fahrt jetzt zu den Eltern und holt euch genauere Hinweise. Hier ist die Adresse. Tom warf einen Blick drauf und zog dann verheißungsvoll die Augenbrauen hoch: „Oh, in der Villengegend, würd mich nicht wundern wenn’s um Geld geht!“
„Tom, wir wissen noch gar nichts, außer das der Junge verschwunden ist. Also müssen wir in alle Richtungen ermitteln. Auch wenn ich das gleiche gedacht hab als ich die Adresse bekam!“
Er lächelte und wir machten uns auf den Weg. Adrian war Hauptkommissar und der beste Chef den man sich wünschen konnte. Wenn Ärger auf seine Leute zukam, dann verteidigt er sie und riskierte für uns manchmal schon Kopf und Kragen. Es war einfach toll mit ihm zu arbeiten. Hier im Revier war er auch der Frauenschwarm schlecht hin, viele Kolleginnen machten ihm schöne Augen und hätten gern mit mir getauscht um ihm näher zukommen, doch für mich war Adrian nur mein Vorgesetzter und nicht mehr, was viele Kolleginnen nicht verstanden. So entstanden oft auch Zickerein im Revier vor allem wenn es darum ging Adrian den Bericht zu bringen oder ihm bei irgendetwas zu helfen, jede wollt da die erste sein. Wir fuhren mit Tom´s Auto zu der Familie um Genaueres über das Verschwinden des Jungen zu erfahren. „ Du bist aber heute nicht sehr gesprächig, was ist los?“, fragte Tom mit besorgtem Blick. Ich räusperte mich kurz und antwortete dann : „Marc und ich haben Schluss gemacht!“ Nachdem ich es gesagt hatte, fühlte ich mich besser, doch hoffte ich trotzdem das Tom mich nicht stundenlang bemitleiden würde, so wie es einige meiner Freundinnen getan hatten. Aber er antwortete ganz anders als ich es erwartet hätte: „Warte, Ihr habt euch getrennt weil er nicht mit deiner Arbeit klar kam, Ihn störte das du oft bis spät in die Nacht arbeiten musst und morgens früh raus musst. Außerdem warf er dir immer wieder vor, dass dir die Arbeit mehr bedeutet als er,
stimmt´s ??“
„Jup, ach und außerdem warf er mir vor, wir beide hätten was miteinander!“ , fügte ich lächelnd hinzu.
Tom sah mich an und fing zu lachen an „ Wir beide, dass wär was.“
„Hey was soll das denn schon wieder heißen?“, fragte ich gespielt beleidigt. Doch er schüttelte nur den Kopf. „ Woher weißt du das eigentlich so genau?“, überlegt ich.
„ Ich musste mir das von jeder meiner Freundinnen anhören und hab deshalb momentan auch keinen feste Beziehung.“
Ich nickte und wir unterhielten uns die restliche Fahrt über gescheiterte Beziehungen und lachten eine Menge.
Bei der Familie angekommen, ließen wie uns ein aktuelles Foto des Jungen geben, eine genaue Beschreibung und erkundigten uns über den Tag des Verschwindens. Obwohl wir die Familie versuchten zu beruhigen, mussten wir selbst vom schlimmsten ausgehen.
Als wir ins Büro zurück kamen, war Adrian bereits nach Hause gegangen und so beschlossen auch wir Feierabend zu machen.
In meiner Wohnung war es leer, keiner war da der auf mich wartete und begrüßte. Ich vermisste meine Familie und meinen Hund den ich bei der Versetzung nach München bei meiner Mutter zurück lassen musste. Sie lebte mit meiner Schwester in Österreich und ich konnte die beiden nur im Urlaub besuchen, oder kurze Telefonate mit ihnen führen. Ich kam ins träumen, ich erinnerte mich an das weite, freie Land, die Ruhe und die unvergessliche Mentalität. Das Telefon unterbrach meine Träumerein. Ich nahm ab und Tom meldete sich: „ Na wie geht’s denn so?“ „Ganz gut und dir?“ „ Danke auch. Hast du eventuell Zeit und Lust mit mir in diesen neuen Club zu gehen?“, fragte Tom. Ich überlegte kurz, ich hatte am nächsten Tag frei also sprach nichts dagegen: „ Klar, sagen wir 21:00 Uhr?“ „Ok, ich hol dich ab. Bis dann!“, verabschiedete sich mein Partner. Als ich aufgelegt hatte, fragte ich mich, wann ich das letzte mal Abends weg war. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern. Ich duschte, frisierte meine Haare und schminkte mich, doch am längsten brauchte ich für die Kleiderauswahl. 5 Minuten vor 21:00 Uhr entschied ich mich für ein Knie langes, schwarzes Kleid mit breiten Trägern, dazu wählte ich schwarze offene hohe Pumps. Als es pünktlich an der Tür klingelte, warf ich noch schnell einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und los gings. Da der Club in der Innenstadt lag, entschlossen wir uns das Auto stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen, schließlich wohnte ich nicht weit von Zentrum entfernt.
„Du siehst toll aus!“, bemerkte Tom. Ich bedankte mich und genoss den warmen Abend. Obwohl es schon neun Uhr abends war, war es trotzdem noch angenehm draußen. Die Vögel zwitscherten und Kinder spielten auf den Gehwegen. Wir kamen an zahlreichen Schaufenstern und Cafes vorbei, überall tummelten sich viele Leute.
„ Warum bist du heute eigentlich nicht mit deinem Motorrad gekommen? Bei diesem schönen Wetter?“, fragte ich Tom lächelnd. Ich wusste, dass Tom ein leidenschaftlicher Biker war und jede Gelegenheit nutzte sein Motorrad zu fahren. Tom sah mich an und antwortete: „ Naja ich dachte du hättest keine Lust auf Motorrad fahren, nicht jede Frau steht auf
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen