"magister dixit" - Zensur und Wissenschaft
von
Roland Mückstein
Wir sind doch aufgeklärte Menschen. Wir wissen, was in der Welt abläuft, wie
es abläuft, und natürlich wieso es abläuft. Jeglicher Aberglaube liegt uns
fern; wir sind klug und halten uns an die Fakten.
Vielleicht haben auch Sie, wie viele aufgeklärte Menschen, schon einmal
versucht – sei es aus Neugier oder Tollerei – ein weltanschauliches Gespräch
mit, beispielsweise, einem Missionarsduo der Zeugen Jehovas zu führen. Es
ist dies eine äußerst interessante Erfahrung, die meist zu folgendem Schluss
führt:
Es funktioniert nicht. Es läuft einfach nichts, die Diskussion fährt sich
innerhalb kürzester Zeit fest. Die Argumente beider Seiten laufen
unbehelligt aneinander vorbei. Wir sagen dann: „Mit solchen Leuten kann man
nicht diskutieren.“
Der Ursache für diese Unmöglichkeit ist ein grundlegender Unterschied in der
Beweisführung. Wennn Sie versuchen, ein wissenschaftliches Argument zu
bringen, wird Ihr Gegenüber mit einer Bibelstelle antworten. Wenn Sie die
Meinung der Missionare mit Ihrer alltäglichen Erfahrung nicht in Einklang
bringen können, bringen diese zum Beleg – eine Bibelstelle.
Und das ist lange nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen
mag. Die dahinterliegende Vorstellung ist die des „magister dixit“ – „der
Meister hat’s gesagt“. Durch den Verweis auf eine Autorität – sei es nun die
Bibel oder das Werk eines angesehenen Philosophen oder Wissenschaftlers –
wird die Sache als erledigt, als bewiesen angesehen. Punkt. Wenn Sie mit
eigenen Erfahrungen dagegensetzen, wird Ihnen ganz einfach der
Wahrheitsgehalt Ihrer Erfahrung abgesprochen: „Das haben Sie sich nur
eingebildet“, oder „Sie sehen das falsch.“
Auch die heutige Naturwissenschaft tut in vielen Dingen das Gleiche; ja
sogar jeder „aufgeklärte Mensch“ selbst: Wenn wir eine Erfahrung machen, die
nicht in unser weltanschauliches System paßt, sind wir alle sehr schnell
damit, uns selbst eine „Illusion“ oder „Halluzination“ zuzuschreiben: Denn
so kann es ja nicht sein. – Wenn es auch unangenehm ist, betrachten wir
einmal die Parallele zu der Argumentation der oben erwähnten Missionare:
Auch in unserem Fall wird die Erfahrung oft zugunsten des „magister dixit“
verworfen: Die Wissenschaft sagt etwas anderes.
Auf diesen Aspekt möchte ich später noch näher eingehen.
Falls Sie einmal in Laune sind, empfehle ich Ihnen, dieses Phänomen einmal
in der ganz alltäglichen Sprache zu beobachten: Wie oft wird eine
Beweisführung mit den Worten „Schon die alten Römer (wahlweise: Griechen)
wußten“ eingeleitet, oder mit „Wie schon Goethe / Aristoteles / Descartes
sagte:“ bekräftigt? Haben Sie sich schon einmal der Klausel „Einsteins
Relativitätstheorie besagt eindeutig ...“ gefügt, weil Einstein es ja wissen
mußte?
Seien Sie ehrlich, und lachen Sie nicht zu laut über die Zeugen Jehovas.
Die Argumentation mit dem „magister dixit“ ist uralt und war zu allen Zeiten
sehr beliebt, weil sie einfach ist: Sie ist die Basis, auf der jedes System
mit fixen Lehren aufbaut, und der Erfolg derartiger Systeme beruht darauf,
daß sie den Einzelnen von der Notwendigkeit, sich selbst Gedanken zu machen,
befreien. Wenn es der Meister gesagt hat, dann _ist das so_, und wir
brauchen darüber nicht weiter nachzudenken.
Im alten Ägypten stand dem Wort des Pharaos das Vorrecht der Unfehlbarkeit
zu, das sich in unserer heutigen Welt nur noch der Papst bewahrt hat. Im
antiken Griechenland, wo sich die Kunst der Argumentation in der uns heute
bekannten Form erst herausbildete, wurden die Worte „antos epha“ schnell zu
einer beliebten Klausel: „Er selber sagte es“ – gemeint war Pythagoras, der
von seinen Schülern als „absoluter Weiser“ verehrt wurde. Wenn Pythagoras
etwas gesagt hatte, dann stand das außer Zweifel – keine weiteren Fragen.
Die katholische Kirche in Europa spielte das gleiche Spiel besonders mit der
Bibel, gerne auch mit den Worten der Kirchenväter, dem sogenannten „Kanon“:
Was mit diesem Begriff bedacht wurde, durfte nicht mehr angezweifelt werden,
es war eine grundlegende Wahrheit.
Zurück im alten Griechenland hatte Aristoteles die alten platonischen
Vorstellungen von der dialektischen Logik um eine wichtige Disziplin
erweitert: Die Analytik, die direkt von der Erfahrung und Beobachtung
ausgeht. Sie war für ihn die Grundlage aller Philosophie, die er damit zur
tatsächlichen „Erfahrungswissenschaft“ machte: Er forderte, daß alle
Theorien in erster Linie mit der Erfahrung übereinstimmen sollten, und nicht
notwendigerweise mit den älteren Theorien. Er war damit der erste der großen
Denker, der dem „magister dixit“ ein Gegenstück entgegensetzte: Das „ipse
dixit“ – „das Ding selbst sagt“, also „unsere Erfahrung sagt uns“. Heute
nennen wir die Argumentation mit dem „ipse dixit“ gern den „gesunden
Menschenverstand“.
Natürlich war der christlichen Kirche diese Denkweise höchst suspekt, da man
aus dieser Sichtweise auch die „ewigen Wahrheiten“ der Bibel anzweifeln
konnte. Deswegen reagierte sie auch auf die Beschäftigung des italienischen
Philosophen und Theologen Thomas von Aquin mit dem aristotelischen
Gedankengut zunächst mit Besorgnis und Ablehnung; doch Aquin war ein echter
Dogmatiker, indem er zwar die Schlüsse übernahm, die Aristoteles aus seiner
„Beobachtung der Dinge“ gezogen hatte, nicht jedoch seine auf Erfahrung
basierende Methode – und indem er auf Aristoteles’ Grundlagen ein
christlich-theologisches Gedankengebäude errichtete, gelang es ihm
scheinbar, die alte Erfahrungs-Philosophie mit den „ewigen Wahrheiten“ des
Christentums zu vereinigen. Diese geschlossenste aller christlichen Lehren
wurde später unter dem Begriff der „Scholastik“ bekannt.
Einige Jahrhunderte später unterdrückte dieselbe Kirche die als ketzerisch
eingestuften Ansichten des Giordano Bruno, welcher dem Glauben den Zweifel
entgegensetzte, und der Philosophie die Freiheit. Bruno wurde am 17. Februar
1600 in Rom öffentlich verbrannt – ein unmißverständliches Symbol dafür, daß
Zweifel nicht toleriert wurden. Bruno hatte Aristoteles studiert; auch er
ging von der eigentlichen Erfahrung, dem „ipse dixit“ aus. Daß die Kirche
diese Denkweise besonders bedrohlich fand, zeigen auch andere Bemühungen,
sie zu unterdrücken.
Weitaus weniger scharf begegnete der Klerus dagegen zunächst dem Wirken des
vielzitierten Galileo Galilei; auch dieser beschäftigte sich intensiv mit
den aristotelischen Lehren, verwarf diese allerdings bald in einigen
Punkten: Einerseits wollte er die Unabhängigkeit der Wissenschaft von
überlieferten Lehren noch vergrößern – also widersprach er z.B. der
idealisierenden Auffassung des Aristoteles, alle im All existierenden Körper
seien kugelförmig – andererseits aber setzte er wieder einen Schritt fort
von der Erfahrung selbst: Er forderte nun nicht mehr die Übereinstimmung der
Theorien mit den Dingen, wie sie sich uns darbieten, sondern vielmehr die
Übereinstimmung mit dem _Experiment_. Galileis Methode gründete sich auf der
Forderung der Einfachheit: Wenn sich ein Sachverhalt als zu kompliziert
darbot, mußte man ihn solange zerlegen, ihn sozusagen abtöten und in kleine,
überschaubare Experimente fassen, bis es möglich war, eine formelhafte
Beschreibung für ihn zu finden; und diese Formel wäre dann auf die Vorgänge
im Großen genauso anzuwenden. Damit stand er wiederum für die Überlegenheit
der Theorie über die Praxis ein; zwar forderte er die Trennung der
Wissenschaft vom Glauben, aber gleichzeitig stellte er die experimentell
gewonnene Erkenntnis auf eine Stufe mit der Bibel und gab damit die
aristotelische Erfahrungswissenschaft zugunsten eines noch älteren
alchemistischen Lehrsatzes auf: „Das was oben ist, ist wie das, was unten
ist“, sagt uns die dem Hermes Trismegistos zugeschriebene „Tabula Smaragdina
“, also in unserem Zusammenhang: Was im Labor funktioniert, muß in der
Erfahrung auch funktionieren; alles andere ist – Illusion.
Auf diesen Grundlagen waren die galileischen Lehren dem kirchlichen Dogma
nicht sonderlich gefährlich; zwar wurden ihm ab und zu Steine in den Weg
gelegt, aber die Inquisition war weit davon entfernt, gegen ihn wie gegen
einen Giordano Bruno vorzugehen. Sein Werk über das kopernikanische und das
ptolemäische Weltbild wurde mit einigen Änderungen, die Galilei vor einer
wissenschaftlichen Blamage bewahrten, mit Einverständnis der Kirche
veröffentlicht. Schließlich gelang es jedoch Galileis Gegnern, ihn unter dem
Verdacht der Ketzerei zum Widerruf einiger Elemente seiner Lehren zu
zwingen; die „lebenslange Haftstrafe“, die ihm daraufhin auferlegt wurde,
verbrachte der Forscher zuerst in der Villa des Großherzogs von Toskana,
später dann in seiner eigenen Villa bei Florenz.
In einer Auseinandersetzung mit seinem Lieblingsfeind Kardinal Bellarmin
hatte Galilei zuvor zugegeben, daß die kopernikanische Hypothese, die Sonne
stehe fix im All und die Planeten rotierten um sie herum, nicht bewiesen
werden konnte. Gleichzeitig räumte er aber mit seinen Werken auch den Weg
für Isaac Newton frei, der dieses „heliozentrische Weltbild“ (die Sonne
steht im Mittelpunkt) mit seiner Theorie der Schwerkraft bestätigte. Seitdem
wird, wie wir alle wissen, genau das an unseren Schulen gelehrt.
Die Kirche hatte es immer schwerer mit der Zensur; bald gab sie ihre
Bemühungen weitgehend auf und beschränkte sich darauf, gewisse
naturwissenschaftliche Aussagen intern zu verurteilen. Die Aufklärung
brachte eine Welle der Begeisterung für die „neue Wissenschaft“, die sich im
wesentlichen auf Galileis Ansichten zur wissenschaftlichen Arbeit gründete;
die Loslösung von der Kirche wurde gefordert und weitgehend durchgesetzt,
neue Disziplinen sprossen nur so aus dem Boden, und das
naturwissenschaftliche Weltbild wurde erweitert und gefestigt. Nach den
ersten Jahrzehnten der Aufklärung wurde jeder Bezug zur tatsächlichen
Erfahrung bald vergessen; die „neue“ Wissenschaft arbeitete und arbeitet bis
heute einerseits mit der galileischen Methode des vereinfachenden
Experiments, und andererseits – mit dem „magister dixit“. Sie wissen ja:
Einstein hat’s gesagt.
Solange Wissenschaft auf Erfahrung basiert, ist es so gut wie jedem möglich,
sie zu verstehen. Nicht so bei der modernen Wissenschaft: Hier baut sich
Theoriegebäude auf Theoriegebäude, und auch die Experimente selbst werden
kaum mehr durchgeführt, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, sonder – um
die Theorie zu bestätigen. Der Laie – also die Mehrheit der Bevölkerung –
blickt in diesem Labyrinth aus Expertenwesen nicht mehr durch und hält sich,
wie auch sonst, an die „Aussagen der Meister“.
Doch noch hat die Wissenschaft nicht triumphiert: Die Erfahrung rebelliert,
und in ihrem Schlepptau kommen die „alten Werte“ zurück. Unverständnis
schafft Angst, und Angst schafft Widerstand: Wir verstehen nicht mehr
wirklich, was die Wissenschaft tut oder will, wir sehen von ihr nur die
populären Fransen ... und obwohl die heutigen Forschungsmethoden sich als
die bisher beste Methode zur Beschreibung der „Wahrheit“ erwiesen haben,
kommen Zweifel über die „Freiheit der Wissenschaft“ auf.
Diese Freiheit ist ein altes Schlagwort, das schon Galilei mit großem
Nachhall eingesetzt hat. Und sie ist bis heute nicht vollständig erreicht.
Eines der eindrücklichsten Beispiele für die Unterdrückung mißliebiger
Ansichten ist die oft genug herauf-beschworene Bücherverbrennung durch die
Nazis während des Zweiten Weltkriegs, der auch eine große Zahl
wissenschaftlicher Werke zum Opfer fielen. Es ist dies ein schlagendes
Beispiel dafür, wie ein autoritäres Regime mit gegenläufigen Ansichten
umgehen _muß_, wenn es seinen Machtanspruch bewahren will: Wer die Macht
hat, legt fest, was wahr ist und was nicht, und umgekehrt. Dasselbe
formulierte Mao Tse-Tung in seinem für einen Diktator ungewöhnlichen
Ausspruch: „Realität entwächst einem Gewehrlauf“.
Vor gerade jenem wissenschaftsfeindlichen Umfeld, das die Machtergreifung
der Nationalsozialisten 1933 mit sich brachte, floh der galizische
Psychoanalytiker Wilhelm Reich auf Umwegen in jenes Land, von dem sich viele
Wissenschaftler jener Zeit Freiheit und die nötige Unterstützung zur
Fortführung ihrer Arbeit erhofften. Von dieser Flut an kreativem Potential,
die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts über die USA
hereinbrach, zehren diese noch bis heute; doch die Freiheit ist nicht ganz
so überwältigend, wie es die meisten wohl erhofft hatte.
1957, zwölf Jahre, nachdem die USA an der Spitze der Alliierten das verhaßte
Deutsche Reich niedergerungen hatten, fand in der New Yorker Vandivoort
Street auf Anordnung der Regierung hin eine Bücherverbrennung statt. Wilhelm
Reich hatte es gewagt, eine unkonventionelle, aber erfolgreiche Heilmethode
für Krebs anzuwenden, und er hatte Bücher veröffentlicht, die den
amerikanischen Behörden dann wohl doch zu freigeistig waren; also wurden
seine Werke vom Markt genommen, eingezogen, und öffentlich verbrannt.
Wilhelm Reich starb noch im gleichen Jahr im Gefängnis von Lewisburg.
Die genauen Motive für dieses Vorgehen der US-amerikanischen Regierung sind
unklar; die Tatsache bleibt jedoch, daß hier eine mißliebige Stimme mit
Gewalt unterdrückt wurde. Ein ganz anderer Fall stellt sich uns in einem
jüngeren Fall dar, der in den letzten beiden Jahren als bloßer Schatten
durch die Medien gegeistert ist:
Drei amerikanische Wissenschaftler führen eine statistische Auswertung
bereits publizierter Studien durch. Ihr Thema: Kindesmißbrauch und die
Folgen. Die Auswertung ergibt, daß die negativen Auswirkungen des Mißbrauchs
besonders bei männlichen Opfern geringer sind als bisher angenommen. Soweit
die Fakten.
Die Studie wird von den Mitgliedern der „American Psychological Association“
(APA) geprüft, für wissen-schaftlich einwandfrei befunden und in der
Fachzeitschrift der APA veröffentlicht. Die unerwarteten Ergebnisse sprechen
sich herum.
Eines Tages bekommt eine gewisse Laura Schlessinger Wind von der Sache.
Schlessinger ist eine US-amerikanische Radiomoderatorin, die in ihrer
beliebten Sendung sogenannte „traditionelle Werte“ hochhält und propagiert.
Sie ist entsetzt: Die Studie, so ist sie überzeugt, kann nichts anderes sein
als die Vorstufe einer Verschwörung zur Legalisierung von Kindesmißbrauch.
Dementsprechend fällt ihre mediale Kritik aus; sie schreibt einen
vielbeachteten Artikel mit dem Titel „Evil Among Us“, der für viele wohl die
erste Begegnung mit der Studie darstellt.
Unter dem wachsenden medialen Druck sieht sich die APA gezwungen, sich von
der Studie zu distanzieren. Sie weist sie einer anderen Organisation zu,
welche die Studie noch einmal prüfen soll; diese lehnt eine weitgehendere
Prüfung ab, mit der Begründung, die Einwandfreiheit sei bereits eindeutig
festgestellt.
Der US-Bundesstaat Alaska ist der erste, der rechtliche Schritte gegen die
Studie setzt; Kalifornien, Illinois, Pennsylvania und New Jersey bringen
darauf in kurzer Folge ähnliche Beschlüsse vor. Als der Präsident (Clinton)
zögerte, ohne weitere Prüfung ein Statement gegen die Studie abzugeben,
folgerte die republikanische Partei, jetzt könne jeder sehen, dass „die
demokratische Partei eine ernsthafte Bedrohung für unsere Kinder ist.“
Schließlich reichte der republikanische Repräsentant Matt Salmon einen
Antrag auf Verurteilung der Studie im Repräsentantenhaus ein; die Beschluß
wurde mit 355 zu 0 Stimmen angenommen.
Damit nahm die Zensur ihren Lauf; sie fußt auf der Ansicht, daß die
Wissenschaft nur solche Ergebnisse als wahr annehmen dürfe, die mit den
gegenwärtigen moralischen Wunschvorstellungen übereinstimmen. Es ist dies
nichts anderes als ein Rückfall zu den Maßnahmen der Inquisition, nur daß
hier nicht die Bibel, sondern ein ungeschriebener Satz moralischer Ansichten
als Grundlage dient – was die Sache umso gefährlicher macht, denn damit wird
der Willkür noch mehr Freiraum gegeben, als wenn es sich um eine immerhin
überprüfbare „heilige Schrift“ handelt. Nach der Vorstellung der amerikanisc
hen Regierung entwächst Wirklichkeit tatsächlich einem Gewehrlauf: Wir
bestimmen, was wahr zu sein hat und was nicht.
Zu diesem Feststecken in fixen Ideen, diesem Augen-Verschließen vor der
Realität hat ein Kommentator aus den Niederlanden geschrieben: „Vielleicht
wollt ihr es nicht hören und erst recht nicht wissen, aber die Erde dreht
sich doch um die Sonne.“
Das sagt zumindest der Meister, in diesem Falle Nikolaus Kopernikus. Die
direkte Erfahrung, der „gesunde Menschen-verstand“ allerdings zeigt uns ganz
genau, daß die Sonne abseits aller Theorien im Osten aufgeht und im Westen
unter.
Aber: „magister dixit“. Und wie ein anderer Meister sagte: „Der gesunde
Menschenverstand ist das, was dir sagt, daß die Erde flach ist.“
Kommentare
gschaftlhuaba@gmx.at schrieb:
Wirklich interessante Beispiele! Kluge Erläuterungen und wahre Worte. Um am Prinzip des "magister dixit" festzuhalten, möchte ich sagen, daß dieses essay von eine typischen, (degenerierten und wahrscheinlich auch fettleibigen)Deutschlehrerin aus der Mittelschule, wahrscheinlich mit einem "befriedigend" benotet worden wäre, da es nicht ihren Normvorstellungen, ihrem individuellen "magister dixit" entspricht". Ich selbst bin beeindruckt...
de bertl
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