noch kein titel...
von
abcxxx
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nur das erste kapitel und auch das noch nicht vollständig...
Ich spürte die warme Luft auf meiner Haut, schloss die Augen und atmete tief ein. Wenn die Stadt dort unten zu meinen Füßen leise war, so leise, dass man nur den leichten Wind hören konnte, fühlte es sich fast an wie Fliegen. Ich streckte die Arme aus, fühlte mich federleicht auf meiner Fensterbank. Ich flog. Wie wunderbar musste es sein, einfach die Flügel ausstrecken und in den Himmel hinauf fliegen zu können? Stundenlang konnte ich dort sitzen, es war jedes Mal wieder irgendwie neu und ich genoss die Stille und Friedlichkeit in der sonst so lauten Welt. Meine Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. Es gibt Menschen, die tief in ihrem Inneren wissen, dass sie im falschen Körper stecken. Zu diesen Menschen gehöre ich. Ich hätte als Vogel geboren werden sollen.
Der Geruch von frischem Brot und Gewürzen steigt mir schon in die Nase, bevor ich den Markt überhaupt betrete. Das ist der erste Mittelaltermarkt in unserer Stadt seit Jahren. Vor fünf Jahren entdeckten Laureen und ich unsere Liebe für das Mittelalter, seitdem mussten wir immer in eine der größeren Städte fahren, um einen Markt zu besuchen. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Laureen für einen Moment die Augen schließt und lächelt. Ich weiß, dass sie diesen Geruch und die Musik genauso genießt wie ich und wir beide sind glücklich, dass der Markt endlich auch wieder bei uns stattfindet. Als sie sieht woher die Musik kommt, greift sie sofort nach meinem Arm und zieht mich zu einer Bühne, auf der gerade ein Theater stattfindet. Zwei Männer kämpfen mit Speeren gegeneinander, ein weiterer Mann und eine Frau stehen mit Speeren seitlich daneben.
Ich bin mir sicher, dass mein Herzschlag für einen kurzen Augenblick aussetzt, als ihr Blick meinen trifft. Ihre Haut sieht aus wie Porzellan, ihre Augen blitzen blau auf, ihr Haar ist zu einem Zopf gebunden und fällt auf ihren geraden Rücken. Ein rotes Kleid zeigt ihren Körper, der so schmal ist und doch solch perfekten Rundungen besitzt. Ein seitlicher Schlitz zeigt ihr nacktes Bein bis zum Knie. Sie ist wunderschön.
Und dann passiert etwas merkwürdiges, unvorhersehbares. Ihre Mundwinkel zucken unkontrolliert, ein winziges Lächeln verziert ihre Lippen. Dabei ruht ihr Blick weiterhin auf mir. Ich nehme nur unscharf wahr, dass ich meine feuchten Hände an meiner Jeans abwische und nervös auf meiner Unterlippe kaue. Alles verschwimmt vor meinen Augen, ich sehe nur sie, eingerahmt vom Nichts. Sekunden wirken auf mich wie Stunden. Irgendwann reißt Laureens Stimme mich zurück ins Wirkliche. „Wieso bist du denn so unruhig?“ Sie grinst. „Es ist nichts.“ Ich stottere und sie scheint es zu merken. „Mach mir doch nichts vor, Cheryl. Ich habe doch gesehen, wie ihr euch angeguckt habt. Sie macht dich nervös!“ Ihr Grinsen wird breiter. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Quatsch“, sage ich, „da ist nichts.“ Darauf zuckt sie nur die Schultern und schaut sich weiter das Theater an.
Die Menschen um mich herum applaudieren, als der Kampf beendet ist. Wie in Trance nehme ich wahr, dass die Frau auf uns zukommt und mir ihr Speer hinhält. Zögernd greife ich danach. „Sie will ein Bild mit dir machen.“, zischt Laureen und stößt mir ihren Ellenbogen in die Rippen. Ich unterdrücke ein Stöhnen und stelle mich unsicher neben die schöne Unbekannte, damit Laureen den Moment mit ihrer Kamera festhalten kann. In meinem Körper scheinen mehrere verwirrende Reaktionen stattzufinden, mehr, als ich im Chemieunterricht gesehen, geschweigedenn verstanden habe. Ich ringe um Atem. Wie hat sie meine Blicke gedeutet? Bewunderung? Der Moment neben ihr scheint kein Ende zu nehmen. Irgendwann fasst Laureen meine Hand und zieht mich weg. „Ach, da ist also nichts?“, kichert sie. „Sie hat dich angemacht, hast du das nicht gemerkt?“ Ich bringe wieder nur ein „Quatsch“ hervor und ziehe sie weiter, unter dem Vorwand, etwas essen zu wollen.
Ich bin beinahe erleichtert, als wir nach ein paar Metern um eine Ecke biegen, ich merke regelrecht die Anspannung, die von mir abfällt. Das Schlimme ist, dass ich mir nicht erklären kann, was gerade mit mir passiert ist. Was ist verwirrend an einer Frau, bei einer Theatervorstellung, deren Blick mich streift? Natürlich sieht sie das Publikum an und lächelt. Das gehört zu ihrem Job. Natürlich lässt sie sich mit Leuten aus dem Publikum fotografieren. Das ist nichts besonderes. So etwas tut sie jeden Tag. Sie steht da, sieht schön aus, lächelt, lässt sich fotografieren. Dafür kriegt sie Geld. Und ich stehe da, sehe sie an und werde nervös. Als wäre es etwas Besonderes. Solche Reaktionen hat in mir bisher erst ein Mensch ausgelöst. Mein Exfreund. Und das erst, nachdem ich mehrere Male mit ihm und anderen Freunden unterwegs war. Es war ein Fehler. Nach einem Jahr durfte ich mir mit ansehen, wie er mit meiner Freundin, Julie, händchenhaltend durch die Stadt gelaufen ist. Er fühlte sich unbeobachtet. Und dann war Schluss und ich hatte ein halbes Jahr lang schrecklichen Liebeskummer. Als ich mit Laureen an einem Stand mit frischem Stockbrot vorbei komme, merke ich, wie hungrig ich bin. Als ich jedoch von meinem gerade erworbenen Brot abbeiße, dreht sich mir der Magen um. Mein Hals wird schlagartig trocken, ich kriege den Bissen einfach nicht runter. Ich versuche es erneut, würge, alles in mir wehrt sich. „Alles in Ordnung mit dir?“ Laureens Blick wirkt besorgt. Ich nicke nur und gebe ihr mein Brot. „Hier, du kannst es essen.“, erwiedere ich, „Ich esse besser nachher etwas... Mir ist gerade nicht so gut.“ „Hey, guck mal wer da ist!“ Laureens Ellenbogen stößt erneut unsanft in meine Rippen und schon als ich den Kopf drehe um zu sehen wen sie meint, wünsche ich mir im Stillen, ich wäre in die andere Richtung gegangen und hätte statt Brot am Stock Gemüsereis gekauft, denn ich blicke geradewegs in die schönen Augen der Unbekannten, die schon wieder merkwürdige Reaktionen in mir hervorrufen. Schnell wende ich den Blick wieder ab, gucke in die andere Richtung. Sie scheint mich zu verfolgen. „Komm, wir gehen Kerzen ziehen.“, schlägt Laureen vor. Ich muss mir eingestehen, dass es mir relativ egal ist, wohin wir gehen und was wir machen, ich will nur weg aus ihrem Blickfeld. Doch als wir an dem Wachs-Stand stehen und Laureen sich gerade einen Docht gekauft hat um ihn ins heiße Wachs zu halten, verstehe ich, wieso sie auf einmal unbedingt hier her wollte. Für so etwas hat sie sich bei den Märkten noch nie interessiert, aber es hat mich nicht gewundert. Jetzt sehe ich es und alles fängt an sich zu drehen. Mir gegenüber, an der anderen Seite des Fasses, steht sie. Ich kann ihren Blick nicht ertragen und ich kann es nicht verstehen. Sie scheint meinen Blick anzuziehen und es kostet mich Mühe, ihn wieder abzuwenden. Bevor ich es schaffe fängt sie ihn auf, guckt mich an, selbstsicher, von oben nach unten und wieder nach oben. Wieder zucken ihre Mundwinkel, ihre Augen strahlen, ihre Wangen glühen. Sie sieht fordernd aus, sie erwartet
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