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Kategorien > Denken des Menschen > Selbstzweifel

ohne titel

von Lueftungauf4

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du stehst einfach nur da und rauchst deine zigarrette mit so einem mir-doch-echt-scheißegal gesichtsausdruck, wie ich ihn nur selten gesehen habe. nein, wenn ich recht überlege hab ich sowas noch nie gesehen, abgesehen von filmen jetzt mal, die ja sowieso immer nur gestellt, gespielt sind und nie das wahre leben reflektieren können. wie ein in sich gewölbter spiegel auf dem rummel. aber das ist jetzt mal sowas von wahr und ich kanns einfach nicht glauben. das schlimme, ich bin viel zu perplex um jetzt noch angemessen reagieren zu können, also steh ich nur da mit halb offenem mund und denke daran, nicht das atmen zu vergessen oder wie ich blos wieder das blut aus meinem kopf kriege. geh doch einfach. lass mich hier stehen und dreh dich um und verschwinde aus meinem leben. vergiss das alles, falls es schon bis in deine gedanken vorgedrungen ist oder ansonsten mach einfach weiter mit dem was du sonst so machst und lass mich doch gottverdammt einfach nur hier stehen.
du gehst nicht.
ekelig kalter zigarettenrauch wird schwallartig vom wind zu mir hinübergeweht und da fällt mir doch "dust in the wind" ein. wie unpassend. sind es noch schweigesekunden oder schon minuten? die gefühlte temperatur liegt bei höchstens -10 grad und ich schwitze wie ein alter bär der müde und erschöpft versucht einen lachs zu fangen. oder sollte ich besser sagen die gefühlstemperatur liegt bei höchstens minus zehn grad? fakt ist, jeder mensch nimmt ja situationen anders wahr, oder auf. während du da stehst und deinen zigarettenrauch in meine richtung bläst als wärst du so geübt in solchen dingen wie die kassiererin vom aldi beim wechselgeld rausgeben, steh ich nur da, zittere, bebe, schwitze, blute, sterbe, werde beerdigt und komme in die hölle. ewige verdammniss sozusagen. in einem film habe ich mal gesehen das für jeden die hölle anders ist. es ist die schlimmste situation in dem leben die man je durchleben mußte oder das schlimmste was man sich vorstellen kann und das für immer auf repeat. auch wieder so ein digitales wort. seit es digitale medien gibt, gibt es solche wörter wie repeat, play time, elapsed time und remaining time. daran erkennt man zumindest das man selber noch analog ist. das leben ist nicht auf repeat zu setzten oder next track, skip, search. einfach nur eine nadel die bis zur letzten rille alles abtastet was vorgepresst wurde. so oder so ähnlich wird es wohl sein. bei mir.
du anscheinend hast aber schon den next track bei dir angespielt und bist völlig woanders. du lebst digital. kalt. zwei möglichkeiten. an oder aus. kein warmer analoger nadelknistersound mit viel erinerung an damalige zeiten. da steht jemand der so aussieht wie du, aber das bist nicht du. das ist irgendjemand der so tut, als wäre er du. und er kann das verdammt miserabel. vom aussehen jetzt mal abgesehen. ich glaub das wäre meine hölle. diese situation immer und immer wieder. und immer wieder mit den selben gefühlen. es ist ja nicht, daß man sich an die situation gewöhnt. man erlebt sie ja ständig neu. als wenn die erinnerung an das schon erlebte ausgelöscht ist. es gibt keine erinnerung die einem sagen kann, das man das schon kennt und das das ja gar nicht so schlimm ist, weil es gleich so oder so kommen wird.
ich gehe.
ich versuche noch, so lange ich in deiner akkustischen reichweite bin, zu hören, ob du mir nicht noch irgendwas hiterherrufst, irgendwas zu sagen hast. ein wort. ein satz. eine note. ein schatz. vieleicht eine letzte kleine nachricht von dem schiffbrüchigen per flaschenpost. nix. nur der wind, der wie ich mir wünsche, die nachricht weggeweht hat wie die strömung des meeres. alles blödsinn natürlich. in wirklichkeit war ich nie teil deines lebens und wieso solltest du einfach so einem fremden zurufen. du weißst sehr wohl wie spät es ist, oder wo die nächste tankstelle ist, oder die hauptstraße die zur autobahn führt. also schweigst du einfach und qualmst ruhig und beständig weiter wie eine alte leinenfabrik unter kaltem neonlicht in der nacht, die ihre tücher ausdämpft.
ich gehe jetzt erstmal in den nächsten laden oder die nächste tankstelle um mir etwas zu trinken zu kaufen. mein mund ist trocken und fühlt sich an wie nach einem wüstensturm. kein wüster sturm. kein wildes küssen. nur trockenheit und fahrenheit. vieleicht wachsen ja blumen wenn der regen kommt und die trockene erde aufschwämmt. auch trockene erde kann fruchtbar sein. nach einem schluck merk ich aber das meine erde wohl nicht mehr fruchtbar ist, nichtmal für unkräuter (oder unkraute?). es wachsen keine blumen. kein lilienduft streichelt meinen gaumen.
es ist schon ziemlich erstaunlich wie sehr gefühle die wahrnehmung verändern oder verwaschen können. mir fällt auf das ich nix schmecke, nix rieche, nix sehe (was sehenswert wäre, keine optischen reize. im grunde lass ich die augen nur offen um nicht blind vor den nächsten laternenpfahl zu laufen und eventuell stumpfes gelächter auf mich zu ziehen), und nix höre. sogar der wind schweigt. die welt schweigt und schaut gebannt auf wichtige sachen. vieleicht ein fußballspiel oder eine geburt, eine hochzeit oder eine beerdigung. ein todesfall. ich weiß sehr wohl wie schmerzlich der verlust einer nahestehenden person sein kann und seit heute weiß ich wohl auch wie es sich anfühlt, wenn man sich selber verliert. wenn man verliert.
Mehrmals täglich streichelst du mir noch über den kopf. nein, genauer gesagt schleichst du mir mehrmals täglich noch durch den kopf. nur das sich das irgendwie so anfühlt, wie wenn du stöckelschuhe anhast. ein stechen, der durch den ganzen körper zieht. am schlimmsten schmerzt es wohl in der seele. alle schmerzen sind erträglich und eher belanglos, weil sie vorübergehen aber wenn die seele verletzt wird, dann schmerzt es richtig und das wird bis auf weiteres auch so bleiben. wenn die seele erstmal wunden hat, dann heilen die schlecht. ich versuche nicht im selbstmitleid zu ertrinken und koche mir tee. der soll mir mit seinen heilenden kräutern und zugesetzten künstlichen aromastoffen wieder neuen mut geben. "trink dich gesund" sogesehen. alte musik erinnert an alte zeiten, also stell ich nur radiosender ein, die neuen mist spielen. unverbrauchte musik die noch viel gegenwart aufsaugen kann bis man irgendwann in ferner zukunft beim hören dieser lieder in diesen erlebnissen versinkt, die ich gerade durchlebe. nur das diese musik viel schlimmer ist als die alten sachen. lieblos zusammengehämmertes zeug mit hübsch glattgebügelten stimmchen und hin und wieder dann doch ein oldie nur mit technobeat. verdammt, haben die jungen heutzutage denn gar keine bewegung mehr? kein "lass ma in die garage von deinem vater alle verstärker und boxen hinschleppen und n bischen krach machen bis die polizei kommt". der schritt wird scheinbar übergangen und gleich bei sony musik in der schalldichten gesangskabine ein bischen rumgewispert. die jungs hinter dem mischpult und effektern richten den rest her und wieder sind ein paar tausend mark verdient. natürlich nur

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Kommentare

Vreni schrieb am 2007-12-30 20:12:34:
Ganz gut. Aber was ist mit der Groß- und Kleinschreibung passiert?

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