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Kategorien > Horror > Außergewöhnliches

rosenrot

von rosentraum

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ROSENROT

Sie liebte ihre Rosen. Liebte ihren lieblichen Duft. Liebte ihre blutrote Farbe.
Mit der Zeit waren die Blumen gewachsen, waren zu viele geworden um sie zählen zu können. Es schien fast so als würden sie das Haus verschlingen wollen. Wie ein dunkelrotes Meer, welches versuchte das kleine Gebäude inmitten in die Tiefe zu reißen. Bald würden sie das Dach erreicht haben und das Haus würde wirklich verschwunden sein. Rosenschloss nannten es die Leute vom Dorf. Und sie war die Hexe die sich in ihm verkroch, vor der Außenwelt versteckte. Doch sie hatte nichts getan. Sie waren es doch, die sie nicht hatten verstehen wollen. Alle hatten immer nur geredet. Niemals wirklich zugehört .Nur geredet und geredet, bis ihr das was sie redeten sinnlos vorkam, kein Sinn mehr ergab. Und sie redeten weiter bis sie es nicht mehr hören konnte. Und dann hatten sie aufgehört zu reden. Sie hatte sich von allen abgewandt. Vor all den schrecklichen Stimmen zurückgezogen, die ihr Sachen an den Kopf warfen die sie nicht hören wollte. Nun hatte sie ihre Rosen. Blumen reden nicht. Sie schauen nur und hören zu. Sie hören alles und antworten doch nichts darauf. Das war es was sie wollte. Stille. Ruhe. Die Blumen hörten ihr zu und sie konnte ihre Blumen hören. Irgendwann konnte sie sogar das Wachsen der Blätter vernehmen, oder das Geräusch einer sich öffnenden neuen Blüte voller Leben.
Jeden Tag ging sie in der Frühe hinaus, schnitt sich vorsichtig eine ihrer wunderschönen Rosen ab und stellte sie in eine gläserne Vase mit kristallklarem Wasser. Stundenlang betrachtete sie diese Vollkommenheit. Erzählte ihr was ihr auf der Seele lag, um dann einfach nur dazusitzen und der Blume zulauschen. Jeden Abend nahm sie diese Rose aus ihrem gläsernen Gefängnis und brachte sie auf den Balkon. Von dort aus warf sie sie hinunter in das blutrote Meer. Schaute ihr noch lange nach bis die Sonne unterging und der Himmel die Farbe der Blumen annahm. Rosenrot. Sie lächelte in den Abend hinein und ging langsam in ihr Schlafgemach um sich nach einem weiteren wunderschönen Tag schlafen zu legen. Mit dem Rauschen der Blätter im Ohr glitt sie langsam hinüber in die Welt der Schlafenden.
Es hatte seine Zeit gebraucht bis sie sich dieses Paradies erschaffen hatte. Einen ganzen Sommer lang hatte sie mühsam hölzerne Pfähle in den Boden gestoßen, es war eine schwere Arbeit für eine schmächtige Frau gewesen, da die Pfähle sie weit in ihrer Größe überboten. Doch es hatte sich gelohnt. Schon im nächsten Sommer hatten die Rosen angefangen ihre Körper daran hinaufzuschlängeln um in den Himmel aufzusteigen, Und nun waren diese Pfähle in all den Rosen verschwunden. Nicht mehr auszumachen. Doch es störte sie nicht, dass all ihre harte Arbeit nicht mehr zu sehen war. Sie wollte doch nur dass ihre Blumen glücklich waren, denn dann würde sie auch glücklich sein.
Der süße Duft war es, welcher sie in der Frühe wieder einmal weckte. Freudig schlurfte sie auf ihren Balkon und schaute hinab in ihr Reich. Sie beugte sich tief hinunter um ihren liebsten über die Köpfe zu streichen. Ein Windstoß durchfuhr ihr Haar und trug den lieblichen Duft höher dem Himmel entgegen. Ihre Fingerspitzen berührten sanft einen der roten Köpfe, bei der Berührung spürte sie ein Gefühl der Wärme und ein wohltuender Schauer durchfuhr sie. Ihre Augen glitzernden vor Begeisterung. Sie merkte nicht wie sich das Geländer aus dem Fliesenboden löste,
als es geräuschlos nach vorne kippte war es bereits zu spät. Mit einem lautlosen Schrei stürzte sie hinab. Ein hölzerner Pfahl durchdrang ihren Körper und machte sie stumm wie all ihre Rosen. Nun würde sie auf Ewig bei ihren Blumen sein. Ihre heiß geliebten Rosen waren ihr Tod gewesen und bildeten nun ihr Grab. Sie senkten ihre roten Köpfe zu ihr hinab und das Rauschen ihrer Blätter vereinte sich zu einer traurigen Melodie. Sie wurde eins mit ihnen allen, und die Blüten wurden in ein noch tieferes Rot getaucht als ihr Blut sich mit ihnen vermischte. Da hoben alle Rosen ihre Köpfe und die Melodie wurde ins Gegenteil gewandt. Schaute man genau hin, konnte man auf ihren leblosen Lippen ein winziges Lächeln sehen.

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Kommentare

angela_riebe@yahoo.de schrieb am 2008-07-13 09:22:56:
Eine wunderschön traurige und doch nicht traurige Geschichte, wenn nicht Horror, so doch zumindest skuril. Sehr poetisch, wunderschöne Wortwahl. äußerst gelungen.
Fantasy-girl schrieb am 2007-02-12 14:36:07:
Also, ich find die Geschichte klasse, nur ich muss sagen sie passt nicht in die Kategorie Horror . Trotzdem sehr schön.

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