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Kategorien > Fast wahr > Dramatisches

stille Umarmung

von Jana Wolgast

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„Nasia, kommst du bitte noch einmal zu mir.“ Verwundert guckte ich auf. Was wollte sie von mir? Schnell packte ich meine Sachen zusammen und ging zum Lehrerpult. Frau Heger kramte in ihrer Tasche, sie schien etwas zu suchen. Was wollte sie von mir? Würde sie mich fragen, ob ich einen meiner Texte im Literaturcafé vortragen wolle? Im Geheimen hoffte ich schon lange darauf, aber ich wusste, dass meine Geschichten noch nicht so weit waren. Aber was sollte es sonst sein? Frau Heger blickte auf. Sie hatte einen großen, gelblichen Umschlag in der Hand und wartete nun darauf, dass auch der letzte Schüler die Klasse verließ. Rena blickte mich fragend an, ich zuckte kurz mit den Schulter und gab ihr zu verstehen, dass sie ruhig schon zu Mathe vorgehen könne. Im Klassenraum war es nun mucksmäuschenstill. Irritiert wanderte mein Blick über den Umschlag in ihrer Hand zu ihrem Gesicht. Sie schaute mir direkt in die Augen, blieb aber stumm. Verlegen musterte ich den Fußboden. Was war denn los?
„Nasia“, begann sie endlich, „Ich habe gestern einen Brief aus Algerien bekommen. Es tut mir Leid, und ich weiß auch nicht warum gerade ich es dir sagen muss, aber deine Mutter ist ...“ Die Gedanken schwirrten durch meinen Kopf, mir wurde schwindlig. Woher wusste sie von meiner Mutter? Was ist mit ihr passiert? Warum redete sie nicht weiter? Geschockt schaute ich sie an. „Ist was?“ , fragte ich ahnungslos. „Sie ist gestorben, an Tuberkulose. Wusstest du nicht, dass sie schwer krank war?“
Tot? Sie war tot? Nein, dass glaubte ich nicht, das konnte ich nicht glauben, das wollte ich nicht glauben. War das nur ein blöder Scherz? Ich blickte in ihr Gesicht. Kein Scherz. Mitleidsvoll sah sie auf mich herab, legte eine Hand auf meine Schulter. Nein! Ich konnte meine Tränen nicht mehr unterdrücken. Ich wollte weg, nur noch weg. Weg von Frau Heger, die mich hilflos und voller Mitleid anblickte. Weg von ihrer Hand. Weg von der Schule. Heulend öffnete ich die Tür und begann zu laufen, immer schneller und immer schneller. Über die große Straße. Mehrere Autos hupten, Frau Heger schrie irgendetwas, aber das bekam ich gar nicht richtig mit. Die ganze Welt verschwamm. Tränen liefen mir übers Gesicht, liefen mir in den Kragen, in den Mund. Meine Nase lief und lief. Doch das war mir egal. Ich wollte nur rennen, rennen und nie wieder anhalten.

Vom vielem Laufen pochte mein Herz wild, mein Mund war trocken, mein Hals schmerzte. Kraftlos sank ich an einem Baum nieder. Mama! Wie lange ich sie schon nicht mehr gesehen hatte. Der Gedanke, dass ich sie nie wieder sehen würde, brannte in mir, stach in meinem Bauch. Warum hatte ich ihr nicht geholfen? Mir ging es so gut, warum nur habe ich mich nicht nach ihr erkundigt? Ich hätte ihr Tabletten schicken können, oder wenigstens das Geld für welche. Mir wurde übel, in meinem Bauch rumorte es, ich krümmte mich zusammen. Heulte, während ich mich übergab. Plötzlich spürte ich, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte, wie mich jemand aufrichtete. Sie zog mich weg von dem Erbrochenen neben mir, nahm mich in den Arm. Leise schluchzte ich. Schlang meine Arme um sie und flüsterte: „Lassen Sie mich nicht los! Bitte, bitte, lassen Sie mich nicht los!“ Sie gehorchte, hielt mich fest, sagte nichts und tröstete mich durch ihre stille Umarmung.

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Kommentare

Demeter schrieb am 2007-07-09 17:46:11:
Nutzt du oft diese Motive, die was mit der dritten Welt zu tun haben?
Aber andererseits hört es sich so an, als ob da eine persönliche Sache hintersteckt...
der Stil deiner Geschichte ist wirklich gut, aber irgendwie fehlt etwas, was einen so richtig in die Story rein zieht.
Aber wenn du ein bisschen daran arbeitest, wirst du sicher bald besser werden.
Demeter
The Angel schrieb am 2006-06-29 13:51:54:
Oh, das ist echt traurig :( Aber irgendwie auch eine schöne Geschichte...
Man muss sich vielleicht erst klar werden, was einem ein Mensch bedeutet.

Franci schrieb am 2006-06-29 11:23:07:
irgendwie ganz cool. auf einer seite ein bisschen langweilig aber andererseits auch nicht...nein, eigentlich hats spaß gemacht deine story zu lesen!

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