Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > 2. Weltkrieg > Wahre Geschichten

um Leben und Tod

von New Entry

1

Es regnete. Die Wolken hingen trostlos über unseren Köpfen und schienen unser Leid zu beweinen. Und doch kann ich behaupten, dass ich wohl nie erleichterterer gewesen bin als an jenem Tag. Es gab nicht viele Überlebende in unserem Lager, aber ich konnte mich zu ihnen zählen. Trotz dessen hatte ich ein Gefühl der Leere und Ausgebranntheit in mir. Soviel Grauen wie ich gesehen habe, kann man nicht einmal in zehn Leben verarbeiten und erst recht nicht verstehen. Ich war Teil einer Minderheit, denn ich war und bin auch heute noch schwul. Und sie schafften es tatsächlich meine Generation Homosexueller fast vollständig zu beseitigen. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, hätte ich wohl nie mit diesen Konsequenzen gerechnet.
Gleich zu Beginn suchten sie uns, die wir alle einfach nur das Recht auf Liebe wollten, zusammen und bestellten uns zu einer Polizeistation in näherer Umgebung. Selbstverständlich erschien ich dort, auch um meine Familie nicht zu gefährden. Schon dort begannen sie: Die wahrscheinlich einschneidendsten und schrecklichsten Erfahrungen meines Lebens.
Als wir die Räumlichkeiten betraten, begrüßte man uns mit Schlägen ins Gesicht und einem hämischen Lachen. Ich frage mich bis heute, ob diese Leute überhaupt erahnen konnten, was sie eigentlich anrichteten. Des weiteren befragte man uns genaustens zu unserer Person. Falls es jemand wagte sich zu widersetzen, griffen sie zu schmerzhaften Foltermethoden. Einem Freund von mir zog man die Fingernägel heraus, andere Männer kamen nicht so glimpflich davon. Es war einfach erschreckend anzusehen wie man Männern, die in ihrem Leben nichts verbrochen hatten sondern einfach nur anders liebten, brutal und ohne Gnade mit zerbrochenen Linealen und weiteren stockähnlichen Gegenständen in den Anus penetrierte, dadurch ihre Därme verletzte und sie innerlich verbluten ließ. Das waren sicher nicht die einzigen Methoden, es gab unzähliche Varianten. So hatten viele von ihnen nicht einmal die Chance in ein Konzentrationslager geführt zu werden.
In den geschlossenen Räumen im Lager jedoch erging es uns, die wir es bis hierher geschafft hatten, nicht besser. Wir lebten im „rosa Winkel“, den sogar die anderen Insassen aus reinem Überlebenswillen heraus mieden. Im Kampf ums nackte Überleben teilte man uns somit die niedrigsten Chancen zu.
Ich sah viele Menschen sterben, allein in den vergangenen Wochen. In den Armen ihrer Freunde liegend, weinten sich Dutzende in den Tod. Doch nicht alles hatten dieses Glück. Einige gingen auch elendig und allein zu Grunde . So verlor ich den Menschen, der der wichtigste Teil meines Lebens, mein Gegenstück war. An einem Morgen nämlich riefen sie, wie schon des öfteren vorgekommen, zu einer Hinrichtung aus. Doch was ich dort erblickte, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Mein Herz weinte die bittersten Tränen. Auf dem kalten, blutverschmierten Steinboden kniete mein geliebter Freund, verdreckt, unwissend was auf ihn zukommt, unbekleidet und mit blauen Flecken übersät. Seine Hände waren hinter dem Rücken verknotet worden, nachdem er versucht hatte sich zu wehren. Ich werde nie vergessen, wie die Wächter kühl lächelnd mit einem leeren Wassereimer an ihn herantraten, ihm noch ein letztes Mal in die Rippen schlugen und schließlich das Stück Blech über seinen ledierten Kopf stülpten. Ich höre immer noch die angstvollen Schmerzensschreie, die er ausstieß, während ihn zwei darauf abgerichtete Hunde bei lebendigem Leibe zerfleischten. Nie werde ich verstehen können, wie Menschen so etwas zulassen beziehungsweise gutheißen können. Ich glaube mir fehlt auch der Wille dazu.
So blicke ich jetzt zwar hoffnungsvoll in die Zukunft, doch wird mich die Vergangenheit vermutlich nie in Frieden leben lassen. Dank ihnen.

1

Kommentare

Ich schrieb am 2009-11-14 14:41:49:
Deine Geschichte hat mich wierklich berührt!
Mein UrGroßvater hatte so ein ähnliches Schicksal geteilt...
Als ich deine Geschichte las,
bekamm ich Gänsehaut.Leztens war ich in einer Austellung über den 2.WK.
da habe ich erst richtig realisiert wie es den Leuten früher ging.
Vielen dank das du deine Geschichte mit uns teilst!
Realist schrieb am 2009-03-28 12:26:16:
Es wurden bestimmt viele schreckliche Dinge damal getan. Aber auch die Überlebenden von damals sind nicht ganz frei von Übertreibungen. bei ihren Erzählungen. Man sollte vielleicht 50%% abziehen. dann kommt man in etwa in die Nähe der Wirklichkeit. Nicht wahr? New Entry
....... schrieb am 2008-02-09 16:13:41:
Mein Opa musste damals im Krieg auch Kämpfen. Er ist dann in Russland gefangen genommen worden und konnte dann nach ein paar Jahren von dort flüchten. Meine Oma und ihre Familie haben damals auch geholfen einige Juden zu schützen. In unserem Dorf gibt es noch etwa 20 jüdische Gräber.
michi schrieb am 2007-05-05 10:31:40:
boah....man deine geschichte zeigte das wahre leben...auch wenn ich da noch net gelebt habe..ich wurde nämlich erst 1994 geboren also lange nach der zeit .....ich bin erst 12 aba mich interessiert was früher so war...mein opa war selba jude...aba er hat übalebt..und vielen menschen geholfen....bitte schreib weiter....
m.f.g. michi 12 jahre
Sonja schrieb am 2007-04-10 13:18:10:
Unvorstellbar.....ich bin regelrecht erschüttert.....weiß gar nicht was ich schreiben soll......
schülerin schrieb am 2007-03-28 21:57:07:
hey also ich muss schon sagen der text bringt mir sehr viel rüber ich finde es echt super das ihr solche texte veröffentlicht so kann man sich wenigstens ein bischen vorstellen wie grauenhaft die menschen damals behandelt würden ohne etwas verbrochen zu haben!!! in den schulbüchern steht zwar auch vieles drin aber so ein persönlicher text bringts noch ein bisschen besser herüber!!! grüße
Jay Jay schrieb am 2007-02-20 14:28:48:
Der 2wk ist voll interessant die geschichte sagt viel aus es ist klasse das auch leute darüberschreiben
ich schreibe auch oft aber ich veröffenliche sie nie
...... schrieb am 2006-12-23 09:18:14:
Hallo erst mal,
ich finde die Geschichte echt schön und auch gut beschrieben. Ich selbst interissiere mich sehr für den 2. WK. Und desto mehr ich davon erfahre, wie normale Menschen einfach eiskalt "ausgeschaltet" wurden, umso so mehr wird mir bewusst das wir alle gegen solche, oder auch ähnliche Sachen, auch doch heute, kämpfen müssen.
M.F.G. ....

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.